"Unser Ziel ist es, die verantwortungsvolle Nutzung von gentechnisch veränderten Organismen zu fördern"

Gentechnik und Sicherheitsforschung in Südafrika

(PresseBox) ( Darmstadt, )
Bisher werden nur in drei afrikanischen Ländern gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, in Südafrika, Ägypten und Burkina Faso. Aber nur Südafrika nutzt solche Pflanzen bereits in nennenswertem Umfang, dort wachsen auf 2,2 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Sojabohnen, Baumwolle und vor allem Mais. Biosicherheit sprach mit Anita Burger von Biosafety South Africa über Biosicherheitsfragen in Südafrika.

bioSicherheit: Wie unterscheiden sich Südafrika und Europa, wenn es um gentechnisch veränderte Pflanzen geht?

Anita Burger: Für uns in Südafrika ist von Interesse, wie sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Exportmärkte auswirkt. In Europa ist eher der Anbau der Pflanzen an sich umstritten. Davon abgesehen gibt es Unterschiede zwischen wohlhabenden und ärmeren Ländern wie Südafrika. Hier sind es eher die Grundbedürfnisse, die die Menschen beschäftigen. Außerdem wird die Landwirtschaft in Südafrika nicht so stark subventioniert wie in der EU. Daher führen die Landwirte nützliche Technologien schneller ein, um kostengünstig produzieren zu können.

bioSicherheit: Trifft das denn auf alle Landwirte zu, dass sie gv-Pflanzen so schnell eingeführt haben?

Anita Burger: Wenn man die Anbauflächen betrachtet, dominieren die Großbetriebe. Der Kleinbauernsektor ist sehr fragmentiert, so dass das Ausmaß des Anbaus von gv-Pflanzen dort schwerer abzuschätzen ist. Die Technologie nützt jedoch sowohl den Groß- als auch den Kleinbauern. Dabei können Umwelteinflüsse und unterschiedliche Anbaupraktiken natürlich zu unterschiedlichen Ergebnissen zwischen einer Saison und der nächsten und zwischen einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben führen. Da die Landwirte aber die Wahl haben GVO anzubauen oder nicht, ist die breite Annahme dieser Technologie durch die Landwirte ein gutes Indiz für die Vorteile, die sie daraus ziehen.

bioSicherheit: Südafrika setzt also vor allem auf Gentechnik in der Landwirtschaft?

Anita Burger: Nein, Südafrika betrachtet Gentechnik nicht isoliert, sondern als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes. Insektenbefall z.B. führt zu beträchtlichen Ertrags- und Einkommensverlusten. Der Einsatz von Insektiziden hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Hier bieten insektenresistente gv-Pflanzen die Möglichkeit, den Einsatz solcher Pflanzenschutzmittel zu verringern.

bioSicherheit: Ist diese Technik bei Ihnen ein Thema, das in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wie dies in einigen Ländern der Fall ist?

Anita Burger: Eigentlich ist das kein Thema, selbst wenn ein paar Gruppen von Gentechnikgegnern die Diskussion am Leben erhalten. Über 90 Prozent der Südafrikaner wissen nichts über das Thema oder es ist ihnen gleichgültig. Außerdem ist gv-Mais als Grundnahrungsmittel weit verbreitet. Diese Gruppen vertreten die Ansicht einer Minderheit. Die Probleme, die sie aufwerfen, beziehen sich hauptsächlich auf die Lebensmittelsicherheit und die sozio-ökonomischen Auswirkungen von gv-Pflanzen, wie auch auf die Rolle multinationaler Firmen. Das Thema der GVO wird jedoch auch in andere Diskussionen eingebracht, so werden z.B. Fragen des Grundbesitzes mit Argumenten gegen große Firmen und gv-Produkte vermischt. Davon abgesehen sieht das südafrikanische Regelwerk zu GVO ohnehin vor, dass die Öffentlichkeit bei der Bewertung von gv-Pflanzen beteiligt wird.

bioSicherheit: Da kommt dann Biosafety South Africa (BSA) ins Spiel? Oder was ist Ihre Aufgabe?

Anita Burger: Wir sind eine unabhängige nationale Behörde und ein bevorzugter Dienstleister für alle Fragen der biologischen Sicherheit und der Regulation von gentechnischen Produkten. Unser Ziel ist es, das südafrikanische GVO-Gesetz zu unterstützen, d.h. die verantwortungsvolle Entwicklung, Produktion und Anwendung von GVO zu fördern, dabei zu helfen die Potenziale von gv-Pflanzen zu verwirklichen, aber auch möglicherweise schädliche Auswirkungen zu begrenzen. Wir unterstützen außerdem südafrikanische Entwickler von GVO dabei, sichere und nachhaltige Produkte durch das komplexe und teure Zulassungssystem zu bringen.

bioSicherheit: Wenn Sie sagen, Sie unterstützen Entwickler von GVO dabei, dass ihre Produkte zugelassen werden, was meinen Sie damit?

Anita Burger: Eines der Probleme, die wir hier in Südafrika haben, ist die "Innovationskluft" zwischen Forschung und Entwicklung einerseits und der Vermarktung andererseits. In diesem Zusammenhang sind nicht nur die gewaltigen Kosten, die für die Entwicklung und Zulassung von marktfähigen gv-Pflanzen aufgewandt werden müssen, eine Hürde für die Entwickler. Es fehlt auch an Fähigkeiten und Wissen, eine neue Pflanze durch den Regulierungsprozess zu bringen. Dort setzt unsere Unterstützung an.

bioSicherheit: Treten Sie auch in einen direkten Austausch mit der breiten Öffentlichkeit?

Anita Burger: In Südafrika haben wir ein Programm Public Understanding of Biotechnology. Die Akzeptanz innovativer Produkte wie der GVO hängt aber in besonderem Maße von einer offenen und aufgeschlossenen Gesellschaft ab. Da Aufklärung und Teilhabe hierfür unabdingbar sind, sehen wir durchaus auch für BSA eine Rolle in der öffentlichen Kommunikation zu Biosicherheitsaspekten von GVO.

bioSicherheit: Und welche Rolle spielt BSA in der Biosicherheitsforschung in Südafrika bzw. welche anderen Akteure sind in diesem Bereich aktiv?

Anita Burger: Es gibt eine Reihe von Projekten, von Forschung zu Ernährung und Gesundheit über umweltrelevante Biosicherheitsforschung oder Folgebeobachtung nach der Freisetzung von GVO bis hin zu sozio-ökonomischen Folgenabschätzungen. Gegenwärtig finanzieren wir fünf Forschungsprojekte zur biologischen Sicherheitforschung durch, die auf unserer Webseite beschrieben sind. Andere Projekte werden direkt von der Regierung oder von gemeinschaftlichen Projekten wie der Südafrikanisch-Norwegischen Biosicherheitskooperation unterstützt oder auch von anderen internationalen Gebern, wie der Rockefeller-Stiftung. Zu den von uns geförderten Projekten veröffentlichen wir Zusammenfassungen des Forschungsvorhabens sowie den Abschlussbericht auf unserer Webseite.

bioSicherheit: Sie haben sozio-ökonomische Folgenabschätzungen erwähnt. Warum führen Sie diese durch und was wird darin untersucht?

Anita Burger: Das Südafrikanische Regelwerk sieht bei neuen gv-Pflanzenlinien sozio-ökonomischen Folgenabschätzungen vor, bevor die Pflanzen für eine kommerzielle Nutzung zugelassen werden können. In diesen Untersuchungen werden Themen wie der internationale Handel, Nachhaltigkeit, Sicherung der Lebensgrundlage und mögliche soziale Auswirkungen berücksichtigt.

bioSicherheit: Und in Bezug auf konkretere Biosicherheitsfragen, gibt es bei Ihnen gv-Pflanzen auf dem Markt oder in der Entwicklung, die eine besondere Relevanz für die Biodiversität haben?

Anita Burger: Gegenwärtig gibt es keine Pflanzen auf dem Markt, bei denen z.B. Genfluss zu wildwachsenden Verwandten erfolgen könnte. Aber in geschlossenen Systemen werden GVO entwickelt, wo dies möglich ist, wie z.B. Hirse. Diese Möglichkeit ist jedoch einer von mehreren Aspekten, die von den Zulassungsbehörden während der unterschiedlichen Zulassungsschritte sorgfältig berücksichtigt werden. Außerdem gibt es rechtliche Bestimmungen zum Umweltschutz, die bei Vorkommen von wildwachsenden Verwandten von gv-Pflanzen eine explizite Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich machen können, bevor die Freisetzung eines GVO in Betracht gezogen wird.

biosicherheit: Vielen Dank für das Gespräch
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