Innovativ seit 20 Jahren: Fraunhofer-Verbund MATERIALS feiert Jubiläum

Halle (Saale), (PresseBox) - Seit 20 Jahren unterstützt der Fraunhofer-Verbund MATERIALS die Industrie bei der Entwicklung leistungsfähiger Materialien und innovativer Technologien. Im Rahmen einer Festveranstaltung in der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale) stellten Experten des Verbunds neue Initiativen zu Werkstoffen im Kontext der Digitalisierung vor.

»Der Fraunhofer-Verbund MATERIALS verkörpert für uns seit 20 Jahren Innovationen«, sagte Liane Horst, Referatsleiterin Neue Materialien und Werkstoffe im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Dies habe einen unmittelbaren Nutzen für die heimische Wirtschaft.

Das verarbeitende Gewerbe trägt gut ein Fünftel zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei, die Steigerung der Materialeffizienz ist dabei eine zentrale Herausforderung für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit: Der Materialkostenanteil im verarbeitenden Gewerbe liegt in Deutschland bei 35 bis 55 Prozent und damit deutlich höher als beispielsweise der Energiekostenanteil (2 bis 8 Prozent). Umso wichtiger sind die Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die der Fraunhofer-Verbund im Auftrag von Unternehmen umsetzt: von der Entwicklung neuer und der Verbesserung vorhandener Materialien über Fertigungsverfahren im quasi-industriellen Maßstab bis hin zur Charakterisierung der Material- und Werkstoffeigenschaften sowie der Bewertung und Anpassung ihres Einsatzverhaltens, numerisch und experimentell.

Als größter Verbunde innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft vereint Werkstoffe, Bauteile – MATERIALS die Kompetenzen von 15 Mitgliedsinstituten und 3 Gastinstituten. Fast 2400 Wissenschaftler sind darin tätig; die Anwendungsfelder umfassen Energie und Umwelt, Mobilität, Gesundheit, Maschinen- und Anlagenbau, Bauen und Wohnen, Mikrosystemtechnik sowie Sicherheit.

»Als gelernter Werkstoffwissenschaftler ist mir die Relevanz der Materialwissenschaften bestens vertraut. Mit umso mehr Engagement setze ich mich dafür ein, dass dieses Thema auch in den nächsten 20 Jahren die nötige Wertschätzung erfährt und für Forschung und Entwicklung die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Gerade der Austausch zwischen Wissenschaft und kleinen und mittleren Unternehmen wird dabei immer wichtiger«, sagte Dr. Jürgen Ude, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, in seinem Grußwort.

Der Blick auf die Zukunft der Werkstoffe stand auch in den Fachvorträgen der Jubiläumsveranstaltung im Mittelpunkt. Zentraler Treiber dabei ist die Digitalisierung, die nach Ansicht der auf der Tagung vertretenen Experten für eine Neuordnung der Wertschöpfungsketten sorgen wird.

Dr. Jürgen Kirschner, Geschäftsleiter Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH, stellte in seinem Vortrag Smart Materials und ihre Potenziale im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung und Nutzung von Werkstoffen vor. Prof. Dierk Raabe, Direktor am Max-Planck-Institut für Eisenforschung, ging auf die Multisonden- und Multiskalen-Charakterisierung von komplexen Materialien und den Weg vom Experiment über die Simulation bis hin zu lernenden Maschinen ein.

Den Materials Data Space präsentierte Prof. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS. Im Rahmen dieser unternehmensübergreifenden Plattform wird über den gesamten Lebenszyklus ein »digitaler Zwilling« des Werkstoffs zur Verfügung gestellt – eine entscheidende Voraussetzung, um die Möglichkeiten der Industrie 4.0 für mehr Materialeffizienz und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu nutzen. Welche Möglichkeiten sich für den automobilen Leichtbau durch maßgeschneiderte Werkstoffe ergeben, erläuterte Prof. Frank Henning, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT.

»Werkstoffe mit Zukunft – Zukunft mit Werkstoffen!« lautete der Titel des Vortrags von Prof. Peter Elsner, Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds MATERIALS. Er konnte zur Festveranstaltung auch drei seiner Amtsvorgänger begrüßen: Prof. Erwin Sommer, Prof. Gerd Müller und Prof. Ulrich Buller. »Die erfolgreiche Entwicklung zum größten Verbund innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft zeigt die Relevanz der Werkstoffforschung für die Industrie in Deutschland. Wir möchten dabei auch in Zukunft ein verlässlicher und kreativer Partner sein – sowohl für die aktuellen Herausforderungen der Unternehmen als auch für die Entwicklung zukunftsfähiger Strategien«, sagte Elsner zum Abschluss der Veranstaltung.

www.materials.fraunhofer.de

Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa. Unter ihrem Dach arbeiten 67 Institute und Forschungseinrichtungen an Standorten in ganz Deutschland. 24 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bearbeiten das jährliche Forschungsvolumen von mehr als 2,1 Milliarden Euro. Davon fallen über 1,8 Milliarden Euro auf den Leistungsbereich Vertragsforschung. Über 70 Prozent dieses Leistungsbereichs erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Die internationale Zusammenarbeit wird durch Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika sowie Asien gefördert.

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