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Pressemitteilung BoxID: 215051 (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.)
  • Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.
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Forschungsallianz Kulturerbe

(PresseBox) (München, ) Die Fraunhofer-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gründen am 28. Oktober die Forschungsallianz »Kulturerbe«. Dazu unterzeichnen ihre Präsidenten ein »Memorandum of Understanding«. Ziel ist, innovative Restaurierungs- und Konservierungstechniken für Kulturgüter zu entwickeln, um das kulturelle Erbe zu schützen und vor dem Verfall zu bewahren.

Alte Schriftstücke, Bilder berühmter Künstler, Holzskulpturen, Denkmäler - Kulturgüter sind ein wesentlicher Bestandteil, ein Teil des Gedächtnisses unserer Zivilisation. Sie zu erhalten ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und stellt Restauratoren, Wissenschaftler und Techniker vor große Herausforderungen. Viele Probleme auf diesem Gebiet sind noch nicht gelöst und betreffen eine Vielzahl von unterschiedlichsten Kulturgütern - von dem einfachen Wegekreuz aus Naturstein bis hin zu den Sammlungen der großen Museen in Europa. Welche zentralen Probleme treten auf? Wie kann man ihnen auf dem neuesten Stand der Technik begegnen?

Neue Materialien, Analysenmethoden, Technologien und neuartige Konservierungskonzepte sollen und können helfen, Kunst und Kulturgut für nachkommende Generationen zu bewahren. Die komplexen Fragestellungen bei der Erhaltung des Kulturerbes verlangen nach neuen interdisziplinären Lösungsansätzen. Daher werden die drei unterzeichnenden Institutionen in Zukunft ihre Kompetenzen in der Forschungsallianz »Kulturerbe« einbringen und den Wissenstransfer zwischen Forschung und Restaurierungspraxis zu verbessern suchen.

Zur Gründung der Forschungsallianz unterzeichnen Prof. Ulrich Buller, Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Ernst Theodor Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am 28. Oktober im Alten Museum in Berlin ein »Memorandum of Understanding«. Auch soll die Bedeutung der Kulturguterhaltung deutlicher im öffentlichen Bewusstsein und auf der politischen Ebene verankert werden. Die Schwerpunkte liegen auf nationaler wie europäischer Ebene. In Deutschland ist dem Thema »Forschung und Entwicklung zur Erhaltung des Kulturguts« in den letzten Jahren zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden, was sich auch im Rückgang von nationalen Förderprogrammen niedergeschlagen hat. Ein wichtiges Anliegen der neuen Allianz ist es daher, auf diese Defizite aufmerksam zu machen und ihnen entgegenzuwirken.

Die Allianz wird für einen nationalen »Survey« zum Status Quo der Forschung eintreten. Sie möchte ein nationales Rahmenprogramm zur Förderung der Konservierungsforschung schaffen und die Konservierungswissenschaft in Politik und Gesellschaft sichtbar machen. Daneben stehen Initiativen zur Aus- und Weiterbildung für Konservierungswissenschaftler im Fokus der Bemühungen.

15 Fraunhofer-Institute und die beiden neugegründeten Fraunhofer-Kompetenzzentren in Weyarn und Bronnbach beteiligen sich an der Allianz. Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet ein breites Spektrum von Verfahren, Materialien und Know-how, um die Vielfalt der Fragestellungen zu behandeln: von der Laserreinigung kostbarer Objektdetails über die Dekontaminierung von Schadstoff belasteten Hölzern bis zur Erfassung und Optimierung der Klimabedingungen in Museumsräumen.

Die Leibniz-Gemeinschaft ist mit ihren acht Forschungsmuseen in der Allianz vertreten. In den Sammlungen befinden sich zahlreiche Kulturgüter von nationalem und internationalem Rang. Das Spektrum reicht von Plastiken und Gemälden über technische Großobjekte bis hin zu biologischem Material. Zum Erhalt der Objekte nutzen und entwickeln die Experten modernste Restaurierungs- und Konservierungsmethoden - teils in Eigenregie, teils mit Partnern.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zählt zu den größten Kultureinrichtungen weltweit: Die Staatlichen Museen zu Berlin mit ihren 16 Museen und 3 Forschungsinstituten, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung gehören ihr an. Mit dem Rathgen-Forschungslabor verfügt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz über das älteste konservierungswissenschaftliche Institut der Welt.

Gemeinsam stellen sich in der Forschungsallianz »Kulturerbe« die, Fraunhofer-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihrer Verantwortung für Morgen, für eine nachhaltige Strategie zum Erhalt dessen, was Europa auszeichnet: die Vielfalt der Kulturen und der Reichtum der kulturellen Zeugnisse.

Forschungsbedarf besteht unter anderem in folgenden Punkten:

- Entwicklung und Validierung zerstörungsfreier Test- und Prüfverfahren
- Dekontamination von mit Pestiziden belastetem Kunst- und Kulturgut
- Weiterentwicklung der Plasmatechnologie und Adaption zur Reinigung und Konservierung von Kunst- und Archivgut
- Entwicklung kompatibler und fundierter Klimakonzepte für Museen und Sammlungen
- Alterungsverhalten und Beständigkeit der Materialien des Kunst- und Kulturguts des 20. Jahrhunderts
- Weiterentwicklung der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der präventiven Konservierung
- Digitale Bestands- und Kulturerhaltung. (Entwicklung neuer Digitalisierungstechnologie = Digitalisierungsroboter mit Hard- und Software)
- Weiterentwicklung mikroskopischer, oberflächentopographischer und multispektraler Authentifizierungsverfahren (Illegaler Kunsthandel, Kunstfälschung)
- Entwicklung praktikabler und kostengünstiger Verfahren zur Stabilisierung zerfallsgeschädigter Zeitungsseiten
- Entwicklung und Verbesserung von Materialien und Metho-den zur Erhaltung von Stein-, Glas-, Keramik- und metallischem Kulturgut (insbesondere Industriekulturgut)
- Entwicklung moderner Verfahren für Dokumentation und Er-haltung von Baudenkmalen und archäologischen Stätten