Ran an die Neutronen!

„Laborkurs Neutronenstreuung“ lockt Nachwuchsforscher aus Europa und Asien nach Jülich"

Jülich, (PresseBox) - 45 Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland, Europa und Asien lernen vom 3. bis zum 14. September das wissenschaftliche Potential der Forschung mit Neutronen kennen. Ab heute veranstaltet das Forschungszentrum Jülich zum elften Mal den „Laborkurs Neutronenstreuung“. Wissenschaftler benutzen die neutralen Elementarteilchen als Sonden, um die Anordnung und Bewegung von Atomen in den unterschiedlichsten Materialien zu untersuchen, von Magneten über Kunststoffe bis hin zu Biomolekülen.

Neutronen sind in der modernen Forschung unverzichtbar, setzen aber den Einsatzspezieller Großgeräte voraus, von denen es weltweit nur wenige gibt. Deshalb sind die Gelegenheiten für den naturwissenschaftlichen Nachwuchs begrenzt, die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis kennenzulernen. Das Forschungszentrum Jülich füllt diese Lücke seit 1997 mit einem einzigartigen Praktikum für Studierende und Doktoranden.

„In diesem Jahr haben wir das Programm verstärkt auf Anwendungen für Chemiker, Materialwissenschaftler und Biologen umgestellt, da auch immer mehr Nicht-Physiker Neutronenexperimente für ihre wissenschaftliche Forschung benötigen“, berichtet Prof. Dieter Richter, Direktor am „Jülich Centre for Neutron Science“ (Jülicher Zentrum für Forschung mit Neutronen, JCNS) und einer der Organisatoren des Kurses. So lassen sich zum Beispiel Eiweißbestandteile des Blutes atomgenau untersuchen.

„Und es gibt ein zweites Novum“, betont Prof.

Thomas Brückel, ebenfalls Direktor am JCNS und Organisator des Kurses. „Erstmals findet nur der theoretische Teil des zweiwöchigen Kurses in Jülich statt, der praktische in unserer neu gegründeten JCNS-Außenstelle in Garching bei München.“ Dort wurden Deutschlands stärkste Neutronenquelle und das empfindlichste Messwerkzeug zusammengeführt, um ein international führendes Zentrum für Neutronenforschung zu errichten. Im Mai bezogen die Jülicher mit ihren 45 Millionen Euro teuren Instrumenten ihre Außenstelle am Münchner Reaktor FRM-II.

Der elfte Laborkurs „Neutronenstreuung“ vom 3.

bis 14. September besteht aus einer Woche einführender Vorlesungen in Jülich und einer Woche Experimenten an einer Auswahl modernster Neutroneninstrumente am Forschungsreaktor FRM-II in Garching. Gemeinsame Organisatoren sind neben dem JCNS die RWTH Aachen und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Die Europäische Union fördert die Durchführung im Rahmen des Forschungsinfrastrukturprogramms NMI3 und des Europäischen Exzellenznetzwerks „Soft Matter Composites“.

Neutronen sind elektrisch neutrale Bausteine der Atomkerne. Sie werden in Forschungsreaktoren oder Spallationsquellen erzeugt und auf die zu untersuchenden Proben gelenkt. An den Atomen und Molekülen der Proben "prallen" sie ab; dabei können sie ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Die Art dieser "Streuung" gibt Auskunft über die Anordnung und Bewegung der Atome in der Probe. Auf diese Weise untersuchen die Jülicher beispielsweise magnetische Materialen für die Informationstechnologie oder die so genannte „Weiche Materie“, zu der industriell wichtige Kunststoffe oder medizinisch interessante Eiweißstoffe zählen.

Bilder des Neutronenpraktikums 2006 finden Sie unter http://www.fz-juelich.de:
Beim Neutronenpraktikum darf auch mal in das Herz der Instrumente geschaut werden. Hier: die Detektoreinheit eines so genannten Dreiachsenspektrometers. Solche Geräte gibt es nicht von der Stange, die Konstruktion gehört zu den Kernkompetenzen des Jülicher Zentrums für Forschung mit Neutronen (JCNS).
Die Jülicher Instrumentenverantwortlichen kennen „ihr“ Instrument aus dem Effeff und geben ihr Wissen bereitwillig an die aufmerksamen Studierenden weiter.

Schweres Gerät: Die Abschirmung dieses Neutronenstreuinstruments wiegt etwa 27 Tonnen, Luftkissen ermöglichen die Bewegung. Zwischen den Messungen kann ein Blick hinein geworfen werden.Bildnachweis: Forschungszentrum Jülich

Forschungszentrum Jülich GmbH

Das Forschungszentrum Jülich betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Energie & Umwelt sowie Informationstechnologien.
Kombiniert mit den beiden Schlüsselkompetenzen Physik und Supercomputing werden in Jülich sowohl langfristige, grundlagenorientierte und fächerübergreifende Beiträge zu Naturwissenschaften und Technik erarbeitet als auch konkrete technologische Anwendungen. Mit rund 4 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den größten Forschungszentren Europas.

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