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Pressemitteilung BoxID: 430806 (Fachmedienagentur für Wirtschaft und Finanzen)
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Die Zinsfalle: Zertifikate heißen jetzt wieder Anleihen - Musterfall als Warnung

(PresseBox) (Reichenbach, ) Aktuell sind die Zinsen an den Märkten weiterhin niedrig. Für Banken die Gelegenheit, attraktive Zinsangebote zu schnüren, die als "Anleihen" auf den Markt gebracht werden. Nur: diese "Anleihen" hießen noch vor Monaten "Zertifikaten". Eine Zinsfalle - hohe Zinsen gepaart mit hohen Risiken. Das Wirtschaftsportal GeVestor.de klärt den aktuellen Trend auf.

Zertifikate: bedingte Rückzahlung bei Anleihen

Die Zertifikate-Industrie hat erkannt, dass Zertifikate sich nach der Pleite von "Lehman" unter diesem Namen teils schlecht verkaufen lassen. Da Zertifikate im Kern tatsächlich "Anleihen" sind, heißen jetzt wieder viele Titel Anleihen. Nur sind diese Anleihen anders als typische Unternehmens- oder Staatsanleihen an teils komplexe Bedingungen geknüpft. Die Rückzahlung oder Zinszahlungen erfolgen nur, wenn ein zugrundeliegender Wert die richtige und erwartete Entwicklung nimmt.

Ein aktuell neues Zertifikat - oder "Anleihe" - hat das Wirtschaftsportal www.gevestor.de für seine Nutzer aufgegriffen. Es nennt sich "5%-Europa-Index-Anleihe" - und bietet sogar eine "garantierte Rückzahlung". Auch dies wird beim zweiten Blick zur Falle.

Investoren erhalten drei Jahre lang je 5% Zinsen. Zugrunde liegt diesem Zertifikat der Aktien-Index "DJ EuroStoxx 50". Und das kann zur Falle werden. Notiert dieser am Abrechnungstag, dem 30.6.2014, nicht auf oder überhalb seines Ausgangswertes vom 22.6.2011, zahlt die Bank Investoren genau den Gegenwert, den der EuroStoxx 50 verkörpert. Hat der Index etwa 20% verloren, verlieren auch Investoren 20% ihres Anlagebetrages.

Garantie bezieht sich nur auf Zinsen - brutto

Die ausgesprochene Garantie dieser bedingten Anleihe bezieht sich ausschließlich auf die Zinsen. Und auch das kann zur Falle werden:

Nach Inflation - aktuell beträgt die Rate in der Eurozone offiziell 2,7% jährlich - bleiben 2,3% Rendite jährlich übrig. Zudem zahlen Investoren auf die Bruttozinsen von 5% noch Steuern, immerhin inklusive Solizuschlag und Kirchensteuer nahezu 30%. Dies sind bezogen auf den Bruttozins von 5% etwa 1,6%-Punkte.

Es bleiben von netto 2,3% Rendite gerade einmal 0,7% tatsächlicher Rendite. Nach Gebühren müssen Investoren froh sein, wenn das Investment nicht zum Verlustgeschäft wird.

Die Anleihe ist im Prinzip Festgeld. Sie erhalten drei Jahre lang jeweils 5% Zinsen. Wie auf einem Festgeldkonto, bei dem Sie das Geld für drei Jahre lang festlegen.

Der Preis für den scheinbar hohen Zins ist in zweierlei Hinsicht hoch. So zahlen Sie für das Zertifikat einen Ausgabeaufschlag in Höhe von 2%. Selbst wenn Sie das börsenhandelbare Zertifikat über einen Zeitraum von 3 Jahren bis zum Ende der Laufzeit halten, entspricht dies bereits einem Kostensatz von 0,8% jährlich.

Für dieses "Geschäft" tragen Investoren aber gleich zwei Risiken, meinen die Experten von www.gevestor.de: zum einen kann die Rückzahlung dann wie bei Lehman ausfallen, wenn der Emittent Konkurs anmeldet. Hier ist es die "Citigroup". Zum anderen bleibt das Risiko der Index-Entwicklung.

Daher empfehlen die Analysten: bedingte Anleihen wie bei Zertifikaten sind in den meisten Fällen schon dnak der komplizierten Konstruktion zumindest riskant - und oft keine gute Geldanlage. Besser sind Tagesgeldkonten, die mit künftig steigenden Zinsen dann bessere Angebote machen müssen. Anders als Zertifikate sind die Tagesgeldkonten zudem über die staatliche Einlagensicherung gegen Ausfälle geschützt.