Mit "Zauberwatte" gegen Öl-Katastrophen: Günter Hufschmid als Finalist für den Europäischen Erfinderpreis 2017 nominiert

München, (PresseBox) -
Deutscher Chemiker für Europäischen Erfinderpreis 2017 in der Kategorie kleine und mittelständische Unternehmen nominiert
Wachswatte nimmt rund das Siebenfache ihres eigenen Gewichts an Flüssigkeit auf, wirkt schnell, kann ausgewrungen und wiederverwertet werden
Erfindung mit großem Potenzial für den Kampf gegen Ölpest auf den Meeren
Erfolgreicher Einsatz beim Hochwasser 2013 in Deutschland und bei Ölreinigungsprojekt im Nigerdelta
Benoît Battistelli, Präsident des Europäischen Patentamtes: „Hufschmids bahnbrechende Innovation hat das Potenzial neu zu definieren, wie Öl- und Chemikalienverschmutzungen bewältigt werden.“


Havarierte Tanker, marode Pipelines und Explosionen auf Bohrinseln – wenn tausende Tonnen Rohöl ins Meer gelangen, sind die Folgen für die Umwelt katastrophal: Ölteppiche verschmutzen Küsten, Meerestiere und Vögel verenden darin, Menschen werden in ihrer Existenz beeinträchtigt. Doch es gibt eine Erfindung, die helfen könnte, solche Ölverschmutzungen wirksamer zu bekämpfen. Sie kommt aus der Gemeinde Elsteraue in Sachsen-Anhalt. Dort entwickelte Günter Hufschmid mit seiner Firma Deurex 2010 eine „Zauberwatte“, die Öl rückstandslos aufnimmt, und zwar effizienter, sauberer und leichter in der Handhabung als bisherige Bindemittel. Mit diesen Eigenschaften birgt sie auch das Potenzial für einen großflächigen Einsatz auf den Meeren. Beim Hochwasser der Elbe 2013 sowie in Süddeutschland hat sie ihre Tauglichkeit bereits eindrücklich bewiesen.

Für diese Leistung wurde Günter Hufschmid als einer von drei Finalisten für den Europäischen Erfinderpreis 2017 in der Kategorie „Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)“ nominiert. Am 15. Juni wird die Auszeichnung im Rahmen eines Festakts in Venedig zum zwölften Mal verliehen.

„Hufschmids bahnbrechende Innovation hat das Potenzial neu zu definieren, wie Öl- und Chemikalienverschmutzungen bewältigt werden“, so EPA-Präsident Benoît Battistelli. „Mit ihrer Fähigkeit, schädliche Substanzen zu entfernen, nutzt die Erfindung der Umwelt und denjenigen, deren Existenz von dieser abhängt.“

Vom Missgeschick zur bahnbrechenden Erfindung

Die Erfindung war eine glückliche Fügung – oder vielmehr ein Missgeschick: Denn eigentlich produziert die Firma Wachse für Farben und Lacke. Im Jahr 2010 stellte jedoch ein Mitarbeiter eine Maschine falsch ein, und es entstanden über Nacht zehn Tonnen weiße Wachswolle, mit der zunächst niemand etwas anzufangen wusste. Erst vier Wochen später brachte der Zufall das Potenzial des scheinbar unbrauchbaren Abfalls zum Vorschein. In dieser Zeit gingen die Bilder vom Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon durch die Medien: 774 Millionen Liter Öl strömten in den Golf von Mexiko – weltweit die viertgrößte Ölkatastrophe überhaupt, und die größte im Meer. Beim Fernsehen mit den Kindern kam Firmenchef Günter Hufschmid so auf die Idee, den Chemiker Ernst Krendlinger untersuchen zu lassen, ob die weiße Wachswolle Öl aufsaugt. Schließlich hat sie in ihrer Form Ähnlichkeit mit einem Schwamm. Eine gute Idee, wie sich zeigte: Diese Watte nimmt Öl restlos und schneller als bisherige Bindemittel aus dem Wasser auf. Was übrig bleibt, ist sauberes Wasser. Das war der Startschuss für ein bahnbrechendes Produkt mit dem Namen Deurex Pure – und für die Patentanmeldung, mit der Günter Hufschmid die Erfindung schützen ließ.

Weiße Watte trumpft gegenüber herkömmlichem Granulat auf

Durch die Faserstruktur hat das Wachs eine enorme Oberfläche, so dass die Watte rund das Siebenfache ihres Eigengewichts an Öl, aber auch an anderen Chemikalien, wie Alkohole und Tenside, absorbieren kann. Das nächstbeste Bindemittel ist im Vergleich dazu in der Lage, etwa das Vierfache seines Eigengewichts aufzunehmen. Zur Entfernung von Verschmutzungen ist deshalb nur etwa ein Achtel der Materialmenge von bisherigen Bindemitteln nötig. Auch die Produktion ist sehr wirtschaftlich, denn aus einem Gramm Wachs wird ein Absorptionsmittel mit einer Oberfläche von 3 Quadratmetern. Bei der Aufnahme von Öl bildet die Watte Klumpen, die aber weiterhin auf dem Wasser schwimmen. Diese lassen sich gut und rückstandsfrei „abfischen“, während die bislang üblichen Granulate viel schwieriger zu entfernen sind. Der besondere Clou und ein weiterer Pluspunkt für die Umwelt: Die Watte kann ausgewrungen und wiederverwertet werden. Für den realen Einsatz in der Wasseraufbereitung, im Katastrophen- und Gewässerschutz, aber beispielweise auch in Autowaschanlagen hat das Unternehmen unterschiedliche Verpackungsformen entwickelt.

Im Kampf gegen die Ölverschmutzungen weltweit

Neben den Feuerwehren, die beim Hochwasser der Elbe sowie in Süddeutschland mit Pure beispielsweise Verschmutzungen mit Heizöl beseitigten, reinigt eine Umweltorganisation das Nigerdelta in Nigeria mit der Watte. In dieser Gegend, wo jährlich rund 240.000 Barrel Rohöl die Umwelt verschmutzen, haben Forscher eine verstärkte Mangelernährung bei Kindern festgestellt und den Öl-Kontakt mit erhöhten Unfruchtbarkeits- und Krebsraten in Verbindung gebracht. Die ölbindenden Eigenschaften von Pure können sich dort somit auf das Leben von vielen Menschen positiv auswirken. Im Hinblick auf Ölkatastrophen auf den Meeren hat der Firmenchef eine besondere Idee: „Die Anlagen für Pure kann man überall aufstellen, auf dem Land, aber auch auf jedem Schiff. Und diese Vision, eine Anlage auf ein Schiff zu stellen, um Pure auf den verschmutzen Meeren zu verteilen, wäre mein Ziel und Traum“, so Hufschmid.

Eine Erfolgsgeschichte der Wiedervereinigung

Dass das Produkt heute überhaupt auf dem Markt ist, hat auch etwas mit der Wiedervereinigung Deutschlands und mit dem Unternehmergeist von Günter Hufschmid zu tun. Nach seinem Chemie-Studium an der Technischen Universität München sowie nach einem Weiterbildungsprogramm im Industrie-Management in Aachen war er lange bei BASF tätig – in verschiedenen Positionen und Ländern. Zuletzt arbeitete er als Produktmanager für Wachse in Ludwigshafen. Doch im Zuge der Investitionen und Förderungen für den Aufbau der ostdeutschen Wirtschaft wagte es der vierfache Vater, den sicheren Job aufzugeben und in Sachsen-Anhalt seinen Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen. So kam der gebürtige Münchener, damals 33-jährig, 1992 nach Elsteraue und baute dort die Deurex Group auf, zunächst um eine einzigartige Technologie zur Mikronisierung von Wachsen zu vermarkten, die er entwickelt hatte. Seitdem hat sein Unternehmen 100 Jobs geschaffen. 20 Menschen sind heute in die Produktion der innovativen Wachswatte eingebunden. Zudem wurde eine neue Anlage gebaut, die pro Jahr bis zu 700 Tonnen des neuen Materials herstellen kann – weitere Investitionen mit Partnern für lokale Produktionen in anderen Ländern sind geplant.

Umwelt- und Wasserschutz: Ein zukunftsweisender Markt

Die Erfindung der „Zauberwatte“ eröffnete dem Unternehmen 2010 das vielversprechende Geschäftsfeld der Bindemittel und damit den Zugang zu einem Markt mit enormen Wachstumsprognosen. Denn im Bereich des Managements von Ölverschmutzungen werden für das Jahr 2022 globale Absätze von etwa 118 Milliarden Euro erwartet, während sie 2010 noch bei rund 13 Milliarden Euro lagen. Zusätzlich hat Deurex Pure Potenzial im Umfeld der erneuerbaren Energien: Moderne Windturbinen benötigen große Mengen an Öl, die auslaufen können. Hier kann das ölbindende Wachs helfen, im Schadensfall Reinigungskosten sowie Standzeiten zu minimieren und Umweltschäden zu vermeiden.

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