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Pressemitteilung BoxID: 733482 (Ernst & Young AG)
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Weiterer Stellenabbau bei deutschen Banken

(PresseBox) (Frankfurt, ) .
- Deutsche Banken deutlich pessimistischer als der europäische Durchschnitt
- 46 Prozent gehen von einem Stellenabbau im eigenen Haus aus
- Mittelstandsfinanzierung wird ausgebaut

Trübe Stimmung unter den europäischen Banken: Sie kämpfen mit der Profitabilität, erwarten eine Verschlechterung der eigenen Geschäftslage und gehen von weiteren Stellenkürzungen aus – die in Deutschland noch massiver ausfallen dürften als im europäischen Durchschnitt: Fast jede zweite Bank in Deutschland (46 Prozent) plant, im laufenden Jahr die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren – europaweit liegt der Anteil bei 43 Prozent. Nur 21 Prozent der deutschen Banken wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen (Europa: 29 Prozent).

Hauptgründe für den Sparkurs der Banken sind zum einen das historisch niedrige Zinsniveau, das die Zinseinnahmen schrumpfen lässt, zum anderen hohe regulatorische Anforderungen an Eigenkapital und Risikovorsorge, die die Gewinnmargen belasten. Und aus Sicht der Bankmanager ist keine Besserung der Lage in Sicht: 35 Prozent der deutschen Banken rechnen mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftslage, nur 27 Prozent mit einer Verbesserung. Europaweit haben hingegen inzwischen wieder klar die Optimisten die Oberhand gewonnen: 56 Prozent der europäischen Banken prognostizieren eine Verbesserung der eigenen Lage, nur 16 Prozent stellen sich auf eine Verschlechterung ihrer Situation ein.

Und während die europäischen Banken erwarten, in diesem Jahr eine etwas bessere Eigenkapitalrendite erwirtschaften zu können als im Vorjahr – der sogenannte Return on Equity (RoE) soll im Durchschnitt um 1,6 Prozent steigen – gehen die deutschen Banken von einer Verschlechterung um durchschnittlich 0,5 Prozent aus.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Bankenbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden 226 Banken in mehreren europäischen Ländern befragt. In Deutschland nahmen 50 Banken an der Umfrage teil.

“Im aktuellen Niedrigzinsumfeld gibt es für die Banken kaum noch etwas zu verdienen – gleichzeitig drängen immer neue Wettbewerber auf den deutschen Markt und verstärken den ohnehin sehr hohen Preisdruck. Hinzu kommen die weiter steigenden regulatorischen Anforderungen. Die Situation in der deutschen Bankenbranche bleibt also schwierig, die Gewinne dürften vorläufig auf niedrigem Niveau verharren“, fasst Claus-Peter Wagner, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY, zusammen.

Die Folge: Die Banken setzen ihren Sparkurs fort, interne Kosten müssen weiter sinken. 40 Prozent der deutschen Banken wollen Kostensenkungsmaßnahmen in erheblichem Umfang durchführen, 12 Prozent setzen auf umfassende Restrukturierungsmaßnahmen wie z.B. den Verkauf von Geschäftsbereichen. Hinzu kommt der Beschäftigungsabbau, der vor allem das Retail Banking und Firmenkundengeschäft betreffen wird, wo 29 Prozent der Banken Stellenstreichungen planen und nur neun Prozent mit Neueinstellungen rechnen. Auch im IT-Bereich und in der Verwaltung dürften unterm Strich Stellen verloren gehen. Im Bereich Compliance, Risiko und Finanzen entstehen hingegen neue Jobs: 15 Prozent der deutschen Banken suchen für diese Funktionen zusätzliche Mitarbeiter.

Unterm Strich aber wird die Beschäftigungslage im deutschen Bankensektor angespannt bleiben, so Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei EY: „Die Personalausgaben machen knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche aus. Vor diesem Hintergrund und angesichts des Drucks, den Aufsichtsbehörden und Aktionäre auf die Banken ausüben, sind die Erwartungen bezüglich weiterer Stellenkürzungen realistisch.“

Immerhin: Die verbleibenden Mitarbeiter dürfen sich nach mehreren mageren Jahren auf ein leichtes Gehaltsplus freuen: 29 Prozent der deutschen Banken wollen die Gesamtvergütung in diesem Jahr erhöhen – nur 12 Prozent prognostizieren eine sinkende Gesamtvergütung.

US-Banken weiter deutlich profitabler als europäische

Im Vergleich zu ihren US-amerikanischen Wettbewerbern hinken die europäischen Banken bei der Profitabilität weit hinterher: Während die die Banken jenseits des Atlantiks derzeit auf eine Eigenkapitalrendite von gut zwölf Prozent kommen, liegt sie in Europa nur bei 2,8 Prozent, in Deutschland sogar nur bei 1,5 Prozent .

Um wenigstens ihre durchschnittlichen Kapitalkosten von 9,4 Prozent zu verdienen, müssten die europäischen Banken ihre Kosten um 21,0 Prozent reduzieren und ihre Umsatzerlöse gleichzeitig um 15,0 Prozent steigern. Die deutschen Banken müssten – um ihre Kapitalkosten von 8,7 Prozent zu verdienen – ihre Umsätze ebenfalls um 15,0 Prozent steigern und gleichzeitig ihre Kosten sogar um 25,1 Prozent reduzieren – ein sehr unwahrscheinliches Szenario.

Vorerst keine Konsolidierungswelle in Deutschland

„Das schwache Wachstum und steigende regulatorische Anforderungen zwingen die Banken dazu, auch massive Einschnitte ins Auge zu fassen und ernsthaft darüber nachzudenken, welche Geschäftsbereiche tatsächlich lebensfähig sind“, betont Wagner.

Dennoch rechnen die Bankmanager nicht damit, dass es zu einer flächendeckenden Konsolidierung der Branche kommt: Nur zwei Prozent der deutschen und sieben Prozent der europäischen Banken prognostizieren eine starke Konsolidierung noch in diesem Jahr. Und für die kommenden drei Jahre prognostizieren nur zwölf Prozent eine umfassende Marktbereinigung durch Fusionen, Übernahmen oder das Ausscheiden von Marktteilnehmern.

Banken wollen mehr Kredite vergeben

Trotz gedämpfter Konjunkturerwartungen gehen die Banken von einer Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik für die meisten Branchen aus. Davon sollte vor allem der Mittelstand profitieren: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, mehr Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben zu wollen.

„Das ist ein gutes Signal für die mittelständischen Unternehmen. Die Banken werden die Kreditvergabe ausbauen und damit ihrer Rolle als Finanzierer für die Wirtschaft gerecht werden. Sie müssen aber gleichzeitig weiter die Risikoposten in ihrer Bilanz abbauen und ihr Ausfallrisiko in stärker risikobehafteten Branchen mindern. Das werden einige Wirtschaftszweige auch zu spüren bekommen“, sagt Müller-Tronnier.

Unter den Branchen können sich insbesondere das Gesundheitswesen, Industrie und Maschinenbau sowie der IT-Bereich auf einen leichteren Zugang zu Krediten freuen. Der Energiesektor hingegen dürfte es zunehmend schwer haben, Kredite aufzunehmen: 42 Prozent der Banken wollen die Kreditvergabe an Energieunternehmen zurückfahren.

1 Zahlen für das 3. Quartal 2014, da noch nicht alle Banken für das Gesamtjahr 2014 berichtet haben

Ernst & Young AG

EY* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt rund 8.200 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2013/2014 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 190.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

Zusätzliche Informationen entnehmen Sie bitte folgender Internetseite:
http://www.de.ey.com

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