PresseBox
Pressemitteilung BoxID: 397828 (Ernst & Young AG)
  • Ernst & Young AG
  • Flughafenstraße 61
  • 70629 Stuttgart
  • http://www.de.ey.com
  • Ansprechpartner
  • Jan Miller
  • +49 (711) 9881-14112

Trotz Schuldenkrise: Deutsche Banken starten optimistisch ins Jahr 2011

Anhaltend positive Geschäftsentwicklung im Bankensektor / Gute Aussichten im Firmenkundengeschäft / Konjunkturaufschwung lässt Risikovorsorge schrumpfen / Überwiegend Zustimmung zu Regulierung

(PresseBox) (Frankfurt, ) Angesichts des stabilen Aufschwungs in Deutschland blicken Deutschlands Bankmanager mit wachsendem Optimismus in die Zukunft. Fast jede vierte Bank berichtet über eine sehr positive Geschäftslage, weitere 75 Prozent äußern sich eher zufrieden. Und 93 Prozent der Institute erwarten eine positive Entwicklung in den kommenden sechs Monaten. Die Turbulenzen in der Eurozone scheinen die deutschen Bankmanager dabei weitgehend kalt zu lassen: Zwar erwartet jeder zweite den Ausfall eines europäischen Staatsschuldners, nur jeder vierte befürchtet aber negative Konsequenzen für das eigene Institut. Das sind Ergebnisse des vierten "Bankenbarometers" der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Die Studie basiert auf einer Umfrage bei Führungskräften von 120 Banken in Deutschland.

Geschäftslage weiter verbessert

Die Geschäftslage im deutschen Bankensektor hat sich in den vergangenen Monaten weiter verbessert. Derzeit äußern sich 23 Prozent der Banker sehr zufrieden, vor sechs Monaten lag der Anteil bei 13 Prozent. Weitere 75 Prozent bezeichnen die Lage als zufriedenstellend. Auch die Geschäftsprognosen fallen überwiegend optimistisch aus: Der Anteil der Banken mit ungetrübt positivem Geschäftsausblick steigt von 7 auf 12 Prozent. Weitere 81 Prozent prognostizieren eine eingeschränkt positive Entwicklung.

Zudem zeigen sich die deutschen Bankmanager von der Eurokrise unbeeindruckt: Immerhin jeder zweite Bankmanager hält zwar eine Zahlungsunfähigkeit staatlicher Schuldner in Europa für möglich, nur jeder vierte glaubt aber, dass solch eine Entwicklung negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft hätte. "Die große Mehrheit der befragten Banken dürfte kaum oder keine Papiere der wackelnden Staaten halten und hat daher auch keine direkten Ausfälle zu befürchten", stellt Claus-Peter Wagner, Leiter des Bereiches Financial Services bei Ernst & Young, fest. Zudem hätten sich die "Piigs-Papiere" durch die Maßnahmen der EZB stabilisiert, was dem gesamten Markt etwas Stabilität gebracht habe. Sollte es allerdings tatsächlich zur Zahlungsunfähigkeit eines Staats kommen, hätte dies katastrophale Folgen, die alle Marktteilnehmer zu spüren bekämen, warnt Wagner. "Sollten massive Abschreibungen bei einigen großen Häusern nötig werden, würde dies zu erneuten Turbulenzen im gesamten Wertpapiermarkt führen".

Der aktuelle Optimismus der Banker speist sich vor allem aus der guten Konjunkturlage in Deutschland und der positiven Entwicklung an den Aktienmärkten. So brachte das zweite Halbjahr 2010 aus Sicht von 74 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Lage auf den Finanzmärkten, 44 Prozent erwarten eine weiterhin positive Entwicklung - nur jeder siebte Banker prognostiziert eine Verschlechterung der Lage an den Finanzmärkten.

Beste Aussichten im Firmenkundengeschäft - keine Kreditklemme

Nach Ansicht der Bankmanager haben sich die Aussichten in den meisten Geschäftsbereichen verbessert. Dabei stützt die Aktienkursentwicklung der letzten Monate besonders die Zuversicht im Wertpapierhandel. Dies dürfte auch das Zutrauen in die Entwicklung des Privatkundengeschäfts gestärkt haben, dem nun 90 Prozent der Befragten gute oder eher gute Perspektiven bescheinigen. Die besten Aussichten bietet nach Meinung der Bankmanager aber derzeit das Firmenkundengeschäft: 95 Prozent erwarten eine positive Entwicklung in diesem Segment. Dazu passt, dass sich auch die Kreditvergabe an Unternehmen entspannt: Nur noch 20 Prozent der Banker gehen davon aus, dass die Banken die Kreditvergabe in den kommenden Monaten restriktiver handhaben werden, 16 Prozent sehen eine gegenläufige Tendenz. Im Dezember 2009 erwarteten noch 38 Prozent eine restriktivere Kreditvergabe, im Juni 2009 lag der Anteil sogar bei 57 Prozent.

Die gute konjunkturelle Lage ermöglicht den Banken zudem einen Abbau der Risikovorsorge: Nur noch 22 Prozent der Befragten sehen einen steigenden Risikovorsorgebedarf - vor sechs Monaten lag der Anteil noch bei 43 Prozent. Einen gesunkenen Risikovorsorgebedarf sehen hingegen 34 Prozent der Bankmanager. "Die Konjunkturentwicklung kommt den Banken zu Hilfe", kommentiert Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei Ernst & Young. "Sie ist der Haupttreiber des insgesamt relativ gut verlaufenen Jahres 2010, denn der sinkende Risikovorsorgebedarf ermöglicht es den Banken, bessere Ergebnisse auszuweisen".

"Angesichts der guten Konjunkturentwicklung und der steigenden Bereitschaft der Banken, Kredite zu vergeben, wird eine Kreditklemme immer unwahrscheinlicher", ergänzt Wagner. Allerdings müssen entsprechend der allgemeinen Markteinschätzungen die Unternehmenskunden zukünftig mit höheren Kreditzinsen rechnen: 54 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Zinsen bei Unternehmenskrediten, nur 8 Prozent erwarten sinkende Zinsen. "Die Banken scheinen momentan ihre Risikokosten besser in den Konditionen durchsetzen zu können, also bei höheren Risiken auch höhere Zinsen verlangen zu können", beobachtet Müller-Tronnier. "Das ist insbesondere vor dem Hintergrund bedeutsam, dass alle Banken ihr rares Gut Eigenkapital bewusst einsetzen müssen, um die aktuellen und kommenden Eigenkapitalregeln erfüllen zu können".

Aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage fällt auch das Urteil der Banken über die wichtigsten Branchen milder aus als im Vorjahr: Die Automobilwirtschaft wird nur noch von 20 Prozent als kritisch eingestuft - vor 6 Monaten lag der Anteil noch bei 59 Prozent, Anfang 2010 sogar bei 85 Prozent. Verbessert hat sich auch die Beurteilung des Maschinenbaus, dessen Kredite 15 (26 bzw. 37) Prozent der befragten Manager als besonders ausfallgefährdet ansehen. Am kritischsten wird derzeit die Bauwirtschaft beurteilt, wo die Lage aus Sicht von 40 (Mitte 2010: 46) Prozent relativ kritisch ist.

Regulierung stößt überwiegend auf Zustimmung

Überraschend groß ist die Zustimmung zur zunehmenden Regulierung der Branche. Als Folge der Finanzmarktkrise haben die Regulatoren weltweit Anstrengungen unternommen, den Finanz- und Bankensektor verstärkt zu regulieren - etwa durch Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften und Vergütungsregeln. Etwas mehr als die Hälfte der Bankmanager (53 Prozent) beurteilen die volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser zunehmenden Regulierungsaktivitäten positiv. Ebenfalls 53 Prozent sehen sogar positive Auswirkungen der Regulierungsanstrengungen auf das eigene Geschäft.

"Der öffentliche Druck auf die Banken ist groß", stellt Wagner fest. "Sie müssen nun zeigen, dass sie aus der Krise gelernt haben und bei fragwürdigen Entwicklungen gegengesteuert wird. Auch den Anteilseignern ist bewusst geworden, dass mit vermeintlich großen Chancen immer hohe Risiken einhergehen. Daher ist auf allen Seiten der Boden bereitet, um noch intensivere Regulierung durchsetzen zu können. Wenn zudem die imageschädigende Diskussion um Gehälter oder versagende Kontrollorgane eingedämmt wird, dürfte das Zutrauen in Banken wieder wachsen. Damit wäre der gesamten Branche gedient".

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat seit Sommer 2010 vom Gesetzgeber mehr Kompetenzen erhalten, um künftige Krisen zu vermeiden. Unter anderem kann die BaFin gegen Aufsichtsräte von Geldinstituten vorzugehen, die sie für nicht ausreichend kompetent hält. Aufsichtsräte müssen laut Gesetz zumindest ein Verständnis für die Geschäftsabläufe in einer Bank haben, Interessenkonflikte müssen ausgeschlossen sein. Diese verschärfte Aufsichtsratskontrolle stößt bei den Bankmanagern grundsätzlich auf Zustimmung: Vier von fünf befragten Bankmanagern halten sie für sinnvoll, zwei von drei sogar für überfällig. Bei der Umsetzung scheiden sich allerdings die Geister: nur 57% sind von der Praktikabilität des Vorhabens überzeugt. "Offenbar vermuten auch die direkt Beaufsichtigten in den Aufsichtsgremien deutlichen Nachholbedarf, was auf eine nicht immer problemlose Zusammenarbeit schließen lässt", kommentiert Müller-Tronnier. "Es gibt genug positive Beispiele für gute Aufsichtsratsarbeit, aber offenbar versprechen sich viele Banken mehr von kritischen, aber konstruktiven Aufsichtsräten als bisher erlebt".

Steigende Kreditkosten wegen Basel III

Die neue Regeln für Finanzinstitute, die unter dem Überbegriff "Basel III" bekannt sind, werden aus Sicht der Mehrheit der Bankmanager (69 Prozent) zu steigenden Kreditkosten für Unternehmen führen - allerdings auch zu einer höheren Stabilität des Finanzsystems, wie 63 Prozent der Befragten erwarten.

Während einige Banken sich bereits auf die kommenden Anforderungen an das Eigenkapital und die Liquidität einstellen, sieht die Mehrheit hier offenbar noch keinen akuten Handlungsbedarf: Für 55 Prozent der Institute hat die Vorbereitung auf Basel III derzeit geringe oder keine Bedeutung. "Die Übergangsregeln scheinen zwar komfortabel, allerdings dürfte sich der Handlungsdruck schnell erhöhen, wenn die ersten Wettbewerber bereits Vollzug melden", erwartet Müller-Tronnier. "Insbesondere bei erforderlich werdenden Kapitalmaßnahmen sollte man sich bzw. den Kreis der Anteilseigner frühzeitig vorbereiten", rät Müller-Tronnier.

Ernst & Young AG

Ernst & Young* ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorga-nisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt 6.900 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Ge-schäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 141.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerbera-tung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilien-beratung.

Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@pressebox.de.