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Energiewende: Nach langem Abwärtstrend steigt Zustimmung der deutschen Wirtschaft wieder leicht an

Deutscher Energiewende-Index Frühjahr 2014

(PresseBox) (Stuttgart, ) .
- Deutscher Energiewende-Index: Kritik von betroffenen Unternehmen an der Energiewende lässt erstmals leicht nach
- Energieintensive Industrieunternehmen profitieren von weiterhin reduzierter Ökostromumlage
- Aber: Weiterhin Sorge um Standort und Arbeitsplätze
- Trotz EEG-Reform stocken die Investitionen

Die Energiewende gewinnt in der deutschen Wirtschaft wieder leicht an Zustimmung: Aktuell zeigen sich mehr Unternehmen mit der Umsetzung der Energiewende zufrieden als noch vor drei Monaten. Der Deutsche Energiewende-Index erreichte im zweiten Quartal 2014 auf einer Skala von 0 (sehr negativ) bis 200 (sehr positiv) 91,8 Punkte.

Obwohl der Index damit weiterhin im negativen Bereich liegt, konnte damit ein langfristiger Abwärtstrend gestoppt werden: Im Herbst 2012 hatte der Deutsche Energiewende-Index den Höchstwert von 102,8 Punkten erreicht, vor einem halben Jahr lag er nur noch bei 92,7 Punkten. Im Frühjahr 2014 sank er dann auf das Allzeittief von 90,0 Punkten.

Ob mit der nun gemessenen leicht erhöhten Akzeptanz der Energiewende eine Trendwende erreicht ist, bleibt allerdings noch offen, denn zentrale Kritikpunkte an der Umsetzung der Energiewende sind nach wie vor nicht ausgeräumt. So bemängeln 85 Prozent der befragten Unternehmen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Energiewende (April 2014: 90 Prozent). Und nach wie vor erwarten rund zwei Drittel, dass die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands unter den Folgen der Energiewende leiden wird - 21 Prozent gehen sogar von erheblichen Beeinträchtigungen aus. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent, April 2014: 57 Prozent) sind der Meinung, dass ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt durch die Energiewende geschwächt wird; knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) spricht sogar von starken Wettbewerbsnachteilen.

Das könnte auch den Arbeitsmarkt belasten: Mehr als vier von zehn Unternehmen (42 Prozent) geben an, dass in ihrem Unternehmen im kommenden Jahr Arbeitsplätze durch die Energiewende verloren gehen werden - positive Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahl erwarten nur 16 Prozent der Befragten.

Das sind Ergebnisse des Deutschen Energiewende-Index der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für den Index werden vierteljährlich ein Panel aus 2.000 Akteuren und betroffenen Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft sowie Vertreter aus Politik und Verbänden befragt. An der aktuellen Ausgabe des Index nahmen rund 300 Befragte teil.

Hauptgrund für den leichten Stimmungsaufschwung im zweiten Quartal ist laut Thomas Kästner, Direktor Power & Utilities bei EY, die soeben verabschiedete Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): "Rechtliche Unsicherheiten, hohe Kosten, erschwerte Investitionen - an der Umsetzung der Energiewende gibt es aus Sicht der deutschen Unternehmen schwerwiegende Kritikpunkte. Da ist es gut, dass nach zähem Ringen die Reform des EEG zumindest an einigen Stellen Klarheit bringt."

Und auch der Kompromiss mit der EU-Kommission habe bei vielen betroffenen Unternehmen Erleichterung hervorgerufen: "Energieintensive Unternehmen behalten ihre Rabatte auf die Ökostromumlage - damit erhalten Energieverbraucher aus der Industrie ein Stück Planungssicherheit. Und die Regelung ist ein wichtiger Schritt, um die Energiekosten einigermaßen im Griff zu behalten - eine für die deutschen Unternehmen ungünstige Neuregelung hätte die Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt doch erheblich schwächen können."

Dementsprechend erhöht sich die Zustimmung zur Energiewende bei energieintensiven Unternehmen besonders stark. Sie haben in diesem Quartal erheblich zur Steigerung des Energiewende-Index beigetragen: In dieser Gruppe stieg der Index besonders stark an - von 81,9 Punkten im ersten Quartal 2014 auf aktuell 87,7 Punkte.

Wenig Spielraum für Investitionen

"Die Erleichterung in der Industrie angesichts der erfolgten EEG-Reform ist weithin spürbar - dennoch bleibt in Sachen Energiewende weiterhin viel zu tun", gibt Dr. Helmut Edelmann, Director Utilities bei EY, zu bedenken. "Es ist jetzt besonders wichtig, die Hoffnungen nicht zu enttäuschen, bekannte Schwierigkeiten anzugehen und bestehende Reformansätze konsequent zu Ende zu führen."

Besonders bedenklich ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft das schlechte Investitionsklima. Knapp sechs von zehn befragten Unternehmen (59 Prozent) geben an, dass sich die Rahmenbedingungen für Investitionen in Energiemaßnahmen und neue Technologien in den vergangenen drei Monaten verschlechtert haben - lediglich 4 Prozent sind der Meinung, dass sich die Rahmenbedingungen verbessert haben. Der eigene finanzielle Spielraum für Aktivitäten im Rahmen der Energiewende hat sich bei über einem Drittel der Befragten verschlechtert, nur bei 8 Prozent haben sich die finanziellen Möglichkeiten vergrößert.

"Investitionen in konventionelle Kraftwerke liegen schon länger auf Eis - dafür müsste erst einmal der Börsenpreis für Strom steigen", stellt Edelmann fest. "Besonders alarmierend ist aber, dass nun auch die Investitionspläne für Erneuerbare Energien nach unten zeigen - schließlich sollen die Förderungen für Erneuerbare Energien jetzt nach und nach zurückgefahren werden. Im schlimmsten Fall drohen wie schon bei der Stilllegungen von konventionellen Kraftwerken auch bei den Erneuerbaren Energien ein Investitionsstopp bis hin zu Desinvestitionen."

Insgesamt geben 58 Prozent der Unternehmen an, dass sich die Investitionsbedingungen für Erneuerbare Energien mit der Reform des EEG verschlechtert hätten - lediglich 18 Prozent nehmen eine Verbesserung wahr.

Investitionen wären dabei vor allem für den Netzausbau dringend nötig, ergänzt Kästner: "An dieser Stelle fehlen bislang sinnvolle Anreize, um den Ausbau der Netze wirklich voranzubringen. Das kann schwerwiegende Folgen haben: Ohne ausreichende Transport- und Verteilnetze kann der produzierte Strom nicht mehr im Stromversorgungsnetz aufgenommen und zu den Verbrauchsstellen weitertransportiert werden. Da könnte das Tempo der Energiewende erheblich drosseln - zumal sich auch in der Bevölkerung immer öfter Widerstand gegen den Netzausbau regt."

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