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Deutsche Automobilindustrie fährt 2014 Doppelrekord ein

So viel Umsatz und so viele Beschäftigte wie noch nie / Außerhalb Europas ist das Wachstum am größten - deutscher Markt geht zurück / Bayern und Baden-Württemberg sind die größten Automobilstandorte in Deutschland, Niedersachsen wächst am schnellsten

(PresseBox) (Stuttgart, ) Die deutsche Automobilindustrie konnte 2014 gleich zwei Rekorde verzeichnen: Noch nie war der Umsatz von Herstellern und Zulieferern höher und noch nie beschäftigten sie so viele Mitarbeiter. Die Betriebe setzten im vergangenen Jahr 385,48 Milliarden Euro um, das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um knapp 7 Prozent - der stärkste Zuwachs seit 2011. Damit stiegen die Umsätze seit dem Jahr 2006 um ein Viertel. Die Beschäftigung entwickelte sich etwas langsamer nach oben. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf knapp 775.000. Im Vergleich zu 2006 beschäftigten die Unternehmen damit 6 Prozent mehr Mitarbeiter, seit dem vorübergehenden Tiefpunkt im Nachkrisenjahr 2010 mit etwa 702.000 Beschäftigten kletterte die Zahl um 10 Prozent nach oben.

Die Rekordzahlen hat die deutsche Automobilindustrie vor allem den guten Geschäften im Ausland zu verdanken. Während der Inlandsumsatz von 2006 auf 2014 gerade einmal um 6 Prozent auf 133,0 Milliarden Euro kletterte, machte der Auslandsumsatz einen Sprung um fast 40 Prozent auf 252,5 Milliarden Euro. Damit erwirtschaften die deutschen Niederlassungen der Automobilhersteller und zulieferer inzwischen zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland. 2006 betrug der Anteil noch 59 Prozent.

Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zur Entwicklung der deutschen Automobilindustrie unter allen Herstellern und Zulieferern ab einer Größe von 50 Mitarbeitern.

Auch in der Eurozone steigen die Umsätze wieder

Auch die Eurozone leistete 2014 endlich wieder einen Beitrag zum Umsatzanstieg. Die Umsätze in den Euroländern stiegen nach drei Jahren in Folge mit Rückgängen erstmals wieder - und dann gleich um 9 Prozent auf knapp 65 Milliarden Euro. Unterm Strich steht aber ein Minus von 10 Prozent seit 2006. Im übrigen Ausland betrug das Wachstum im vergangenen Jahr knapp 8 Prozent: auf 188 Milliarden Euro. Dafür legten hier die Umsatzzahlen seit 2006 um 71 Prozent zu.

Das spiegelt sich auch in der Verteilung wider. Inzwischen wird fast jeder zweite Euro außerhalb der Eurozone verdient. Der weitgehend gesättigte deutsche Markt macht inzwischen nur noch 34 Prozent der Umsätze aus.

"Das außereuropäische Ausland ist für die deutschen Autohersteller und zulieferer so wichtig wie noch nie. Fast die Hälfte des Umsatzes wird inzwischen außerhalb der Eurozone erzielt. Bemerkenswert ist, dass es trotz der massiv steigenden Bedeutung der außereuropäischen Märkte nicht zu einem Personalabbau in Deutschland gekommen ist. Im Gegenteil, die zunehmende Globalisierung hat in den vergangenen Jahren den Automobilstandort Deutschland und damit auch das Beschäftigungsniveau gestärkt", kommentiert Peter Fuß, Partner bei EY, die Zahlen. "Erfreulich ist, dass zuletzt auch in der Eurozone die Umsätze inzwischen wieder nach oben gehen. Das Tal der Tränen scheint damit durchschritten."

Hersteller wachsen stärker als Zulieferer

Allerdings profitieren Hersteller und Zulieferer vom Branchenwachstum höchst unterschiedlich. Während die Autohersteller mit ihren Betrieben in Deutschland seit 2006 ihren Umsatz um 29 Prozent steigern konnten, war der Anstieg für die Zulieferer nur halb so groß (plus 14 Prozent). Im vergangenen Jahr betrug das Umsatzwachstum der Hersteller 7 Prozent, das der Zulieferer 5 Prozent. Während die Autobauer damit 303 Milliarden Euro verdienten, kamen die Zulieferer auf gut 73 Milliarden Euro.

Auch beim Beschäftigungsaufbau haben die Hersteller die Nase vorn. Mit gut 447.000 Mitarbeitern beschäftigten sie 3 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr und 6 Prozent mehr als 2006. Dem steht eine Steigerung bei den Zulieferern um 1,6 (seit 2006) beziehungsweise 5 Prozent (seit 2013) auf gut 295.000 Mitarbeiter gegenüber.

"Die Zulieferer können von der Nachfrage nach deutschen Autos nicht in dem Maße profitieren wie die Hersteller", so Fuß. "Von wenigen Branchenriesen abgesehen, zeigen sie sich anfälliger für Marktschwankungen und sind damit vorsichtiger bei ihrer Personalpolitik. Auch ihre Verhandlungsposition gegenüber den Herstellern ist meistens schwächer."

Bayern Deutschlands Automobilstandort Nr. 1; stärkstes Beschäftigungswachstum in Niedersachsen ist

Unter den Bundesländern ist Bayern der Automobilstandort Nummer eins. Im Freistaat als Sitz u. a. von BMW, Audi und MAN arbeiten die meisten Beschäftigten (233.000) und werden die meisten Umsätze (104 Milliarden Euro) generiert. Baden-Württemberg mit dem Sitz von Daimler und Porsche sowie von großen Zulieferern wie Bosch und ZF Friedrichshafen folgt jeweils auf dem zweiten Platz mit 207.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 87,9 Milliarden Euro. Niedersachsen mit dem mit Abstand größten deutschen Autobauer Volkswagen kommt bei Beschäftigung (133.000) und Umsatz (77 Milliarden Euro ) auf Platz drei.

Die höchsten Wachstumsraten unter den drei Ländern verzeichnet aber Niedersachsen. Hier ist die Zahl der Beschäftigten seit 2008 um 11 Prozent gestiegen, von 2013 auf 2014 betrug der Anstieg 6 Prozent. Bayern kommt auf Steigerungsraten von 10 beziehungsweise 4 Prozent, Baden-Württemberg auf 6 beziehungsweise 2 Prozent. Unter den vier größten Automobilstandorten Deutschlands ist Nordrhein-Westfalen der einzige, an dem die Beschäftigung seit 2008 zurückging. 94.000 Beschäftigten im Jahr 2008 stehen heute noch 90.000 Beschäftigte gegenüber, ein Rückgang um 4 Prozent.

"Die deutschen Autohersteller und mit ihnen die Zulieferer haben seit der Krise ein nicht mehr für möglich gehaltenes Wachstum hingelegt. Für die Stammsitze der deutschen Hersteller Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen war das ein Jobmotor. Für viele Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen waren es hingegen harte Jahre", sagt Fuß. So ist das Opel-Werk in Bochum mittlerweile geschlossen. "Gerade der Automobilstandort Nordrhein-Westfalen war sehr abhängig vom europäischen Markt. Die Krise in Südwesteuropa schlug dort deswegen am heftigsten und nachhaltigsten zu."