Deutsche Autohersteller überflügeln die Konkurrenz - aber Risiko einer Absatzkrise nimmt zu

Bilanzanalyse der 17 größten Automobilkonzerne der Welt

(PresseBox) ( Stuttgart, )
.
- Volkswagen bleibt Gewinnweltmeister
- Deutsche und koreanische Hersteller am profitabelsten
- Aber Investitionen drücken die Marge
- Comeback der Japaner
- Wachstumsmarkt USA
- Unsichere Aussichten wegen Schuldenkrise

Die deutschen Autokonzerne sind trotz der schwachen Entwicklung auf dem europäischen Absatzmarkt im ersten Quartal dieses Jahres überdurchschnittlich stark gewachsen: Sie steigerten den Umsatz um 18 Prozent, die Gewinne wuchsen um 11 Prozent. Von den vier Autokonzernen mit dem höchsten Gewinn kommen drei aus Deutschland, den mit Abstand höchsten Gewinn (1) erwirtschaftete im ersten Quartal Volkswagen: Der Wolfsburger Hersteller verdiente 3,2 Milliarden Euro und lag damit deutlich vor Toyota, BMW und Daimler mit jeweils 2,2 bzw. 2,1 Milliarden Euro Gewinn.

Insgesamt steigerten die Automobilhersteller bei einem weltweiten Absatzplus im Pkw-Markt (2) von 9 Prozent ihren Umsatz um 15 Prozent auf über 326 Milliarden Euro. Allein die drei deutschen Konzerne setzten 92,6 Milliarden Euro um, was einem Marktanteil von 28 Prozent entspricht. Die Gewinne der Unternehmen stiegen um 15 Prozent auf knapp 18 Milliarden Euro, wovon 7,5 Milliarden Euro auf die deutschen Hersteller entfiel (Marktanteil: 42 Prozent).

Die höchste Gewinnmarge wies mit BMW ein deutscher Autokonzern auf: Der Münchner Konzern steigerte seine EBIT-Marge von 11,2 auf 11,7 Prozent und war damit der profitabelste Autokonzern der Welt - dich gefolgt von dem koreanischen Hersteller Hyundai (11,3 Prozent).

Noch bleiben die kurzfristigen Aussichten gerade für die deutschen Hersteller gut - allerdings steigt das Risiko, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu herben Rückschlägen für die Autoindustrie kommen könnte: Bei einem Umschlagen der aktuellen Schuldenkrise in eine allgemeine Finanzkrise stünde die Automobilindustrie vor drastischen Absatzrückgängen.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young quartalsweise erstellt (3).

Deutsche und koreanische Unternehmen am profitabelsten

Vor allem dank eines sehr starken US-Geschäfts und eines robusten Wachstums in China ging die Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt bislang fast spurlos an den deutschen Herstellern vorbei. Sie konnten bei Absatz, Umsatz und Gewinn weiter zulegen und behaupten sich an der Spitze der weltwei-ten Automobilindustrie - allerdings stark bedrängt von den koreanischen Konkurrenten Hyundai und Kia, die in punkto Profitabilität sogar an zwei der drei deutschen Hersteller vorbeigezogen sind. BMW konnte allerdings seine Position als profitabelster Automobilkonzern der Welt verteidigen: Der bayerische Hersteller erzielte eine EBIT-Marge von 11,7 Prozent (Vorjahresquartal: 11,2 Prozent). Bei Daimler und Volkswagen ging die EBIT-Marge leicht zurück, während Hyundai und Kia noch bessere Margen als im Vorjahreszeitraum erwirtschafteten.

Die leicht sinkende Profitabilität bei zwei der drei deutschen Hersteller bewertet Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, nicht als kritisch, zumal sie teilweise durch Sondereffekte bedingt sei: "Die Margen der deutschen Hersteller sind nach wie vor überdurchschnittlich hoch. Dank ihrer globalen Aufstellung, ihrer Fokussierung auf das Premiumsegment und der stabilen Entwicklung auf dem deutschen Absatzmarkt konnte ihnen die Krise in Europa bislang kaum etwas anhaben". Umsatz- und Gewinnzahlen zeigten weiter in die richtige Richtung, so Fuß.

Die aktuellen Zahlen der Autohersteller zeigen nach Fuß' Einschätzung das Bild einer Zwei-Klassen-Gesellschaft: "Die deutschen und koreanischen Autokonzerne geben den Takt vor und zeigen der Konkurrenz, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen dynamisches Wachstum weiter möglich ist. Die französischen und - trotz der guten Entwicklung in den vergangenen Monaten - auch die amerikanischen Hersteller haben derzeit bei der finanziellen Performance das Nachsehen."

Für die kommenden Quartale prognostiziert Fuß allerdings keine deutliche Verbesserung der Margen der deutschen Konzerne: "Zu den hohen Investitionen in die Entwicklung neuer Antriebe kommen steigende Ausgaben für neue Modelle und Kapazitätserweiterungen in Wachstumsmärkten. Das kostet alles erst einmal viel Geld, ist aber für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unbedingt notwendig".

Zudem mahnt Fuß: "Die Erfolge der koreanischen Hersteller zeigen, dass die deutschen Autobauer nicht unangefochten an der Spitze der Branche stehen und sich auf keinen Fall auf ihren Erfolgen ausruhen können". Fuß sieht auch bei den deutschen Konzernen weiteren Verbesserungsbedarf: "Nicht nur Investitionen in Zukunftstechnologien sind notwendig. Die deutschen Konzerne müssen sich auch weiter um den Ausbau und die Optimierung der Fertigungs-strukturen und um die Abrundung ihrer Modellpaletten kümmern". Zudem erfordere das starke Wachstum in Schwellenländern Anpassungen bei der Unternehmens- und Managementstruktur.

Comeback der Japaner

Nachdem die japanischen Hersteller im vergangenen Jahr massiv unter den Folgen der Erdbeben- und Tsunamie-Katastrophe gelitten hatten, schafften sie in den ersten drei Monaten dieses Jahres ein bemerkenswertes Comeback: Der Umsatz der sechs japanischen Konzerne stieg insgesamt um 23 Prozent, der Gewinn sogar um 108 Prozent. Toyota steigerte den Umsatz um fast ein Drittel auf knapp 52 Milliarden Euro und liegt im Umsatzranking nun wieder deutlicher vor Volkswagen - der Wolfsburger Konzern setzte im ersten Quartal 47,3 Milliarden Euro um.

Bei der Profitabilität sind die japanischen Hersteller aber noch weit von der deutschen und koreanischen Konkurrenz entfernt: Während die deutschen Hersteller eine durchschnittliche EBIT-Marge von 8,8 Prozent erzielten, lag der Wert bei den japanischen Unternehmen nur bei 4,2 Prozent (Vorjahr 3,0 Prozent).

Fuß prognostiziert: "Die japanischen Hersteller werden auch in den kommenden Monaten weiter mit überdurchschnittlich hohen Zuwachsraten glänzen - was allerdings in erster Linie auf den starken Einbruch im vergangenen Jahr zurückzuführen ist".

Krise in Europa - Boom in den USA

Während die deutschen und vor allem die koreanischen Hersteller es schafften, in Europa - trotz schwieriger Rahmenbedingungen - mehr Autos zu verkaufen als im Vorjahreszeitraum, mussten die japanischen und französischen Hersteller sowie der italienische Autobauer Fiat zum Teil erheblich Absatzrückgänge verkraften. Insgesamt ging die Zahl der in Europa verkauften Fahrzeuge um 7 Prozent zurück.

"Der europäische Absatzmarkt entwickelt sich in diesem Jahr sehr schwach - und es ist keine Besserung in Sicht", so Fuß. "Das ist gerade für die europäischen Volumenhersteller eine erhebliche Herausforderung - die Überkapazitäten werden weiter zunehmen, der Druck auf die Margen wächst".

Ganz anders in den Vereinigten Staaten: Insgesamt stiegen die Verkaufszahlen um 17 Prozent - besonders stark wuchsen aber die deutschen (plus 24 Prozent) und japanischen Hersteller (plus 23 Prozent), während die amerikanischen Unternehmen auf dem Heimatmarkt "nur" 12 Prozent mehr Fahrzeuge verkauften als im ersten Quartal 2011.

"Der amerikanische Markt hat sich in den vergangenen Monaten sehr gut entwickelt - gerade die deutschen Hersteller kommen dort immer besser in Fahrt. Allerdings ist die US-Konjunktur nach wie vor anfällig - niemand weiß, wie nachhaltig das aktuelle Wachstum ist und wie sich die amerikanische Wirtschaft entwickeln wird, wenn es nach der Präsidentschaftswahl zu deutlichen Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten kommt".

Unsichere Aussichten in China - Eskalation der Schuldenkrise befürchtet

Nach dem starken Start ins Jahr erwartet Fuß, dass gerade die deutschen Hersteller auch in den kommenden Monaten gute Zahlen vorlegen werden - trotz der schwierigen weltweiten konjunkturellen Entwicklung. "Es dürfte allerdings schwer werden, die Wachstumsdynamik des vergangenen Jahres aufrecht zu erhalten. Sollte es zudem zu einer weiteren Eskalation der Schuldenkrise in Europa kommen, könnten sich alle Wachstumsprognosen schnell als Makulatur erweisen". Solange es sich um eine Konjunkturkrise in einigen südeuropäischen Ländern handele, sei die Lage beherrschbar, so Fuß. "Aber wenn die Schuldenkrise in Europa nicht zügig eingedämmt wird, könnte sie sich wieder zu einer weltweiten Finanzkrise entwickeln - mit wie gehabt katastrophalen Folgen für die Autoindustrie".

Zudem sei die weitere Entwicklung im bisherigen Wachstumsmotor China schwer zu prognostizieren: "In China mehren sich die Anzeichen, dass die Konjunktur merklich abkühlt - das wird sich auch in den Verkaufszahlen niederschlagen." Der chinesische Markt bleibe aber mittelfristig ein Wachstumsmarkt, so Fuß: "Die deutschen Hersteller tun gut daran, trotz der konjunkturellen Unsicherheiten weiter auf die chinesische Karte zu setzen".

(1) EBIT
(2) Inkl. Vans
(3) Für die Studie wurden die Geschäftsberichte bzw. Quartalsberichte der Autokonzerne (inkl. Finanzdienstleistungen) im ersten Quartal des Kalenderjahres 2012 im Vergleich zum Vorjahrjahreszeitraum analysiert. Die jeweiligen Währungen wurden in Euro umgerechnet.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@pressebox.de.