Banken erwarten mehr Kreditausfälle

Eingetrübte Geschäftsprognose / Zahl der Mitarbeiter soll sinken / Restriktivere Kreditvergabe und höhere Risikovorsorge erwartet / Banken erwarten Beruhigung der Märkte

(PresseBox) ( Frankfurt, )
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise schlägt sich zunehmend auch im operativen Geschäft der Banken nieder. Die Banken blicken deutlich weniger optimistisch in die Zukunft als noch vor einem halben Jahr. Aufgrund der eingetrübten Geschäftslage ist zudem ein Beschäftigungsrückgang in der Bankenbranche zu erwarten. Das sind Ergebnisse des "Bankenbarometers 2008", einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 121 Banken in Deutschland.

Die Finanzkrise zeigt Wirkung bei den Banken in Deutschland: Vor einem halben Jahr bezeichneten noch 96 Prozent der Bankmanager die Geschäftslage ihres Instituts als positiv, aktuell tun dies nur noch 78 Prozent. Zudem haben die Führungskräfte ihre Erwartungen an die Geschäftsentwicklung deutlich herunter geschraubt: So erwartet jeder dritte Manager eine Verschlechterung der Geschäftslage. Vor einem halben Jahr lag der Anteil der Pessimisten nur bei neun Prozent.

"Die Finanz- und Wirtschaftskrise schwächt zunehmend auch die operative Kraft der Banken", stellt Joachim Spill, Mitglied des Vorstands bei Ernst & Young, fest. Es sind längst nicht mehr nur Kursverluste bei Wertpapieren, sondern demnächst wohl auch Kreditverluste, die den Banken zu schaffen machen werden".

Drei Viertel der befragten Führungskräfte haben sich darauf eingestellt, dass die Gewinne ihrer Institute langfristig deutlich niedriger ausfallen werden als in den vergangenen Jahren. Dass sie damit ihre Anteilseigner verschrecken könnten, glaubt nur eine Minderheit - 78 Prozent sind überzeugt, dass Aktionäre, Gesellschafter und Genossen niedrigere Renditen zugunsten eines niedrigeren Risikos in Kauf nehmen werden.

Trotz der insgesamt noch eher positiven Geschäftserwartungen ist für die Branche von einem Arbeitsplatzabbau zu rechnen: Fast jede dritte Bank will die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, nur jede achte Bank will zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Nach den Aussagen der Manager werden die Auslandsbanken vom Beschäftigungsabbau besonders betroffen sein.

Banken erwarten restriktivere Kreditvergabe

Für Unternehmen wird es zukünftig schwieriger werden, einen Kredit zu erhalten: 63 Prozent, also fast zwei Drittel der Banken, meinen, dass die Kreditvergabe an Unternehmen künftig restriktiver gehandhabt wird. Nur fünf Prozent der befragten Institute erwarten für die kommenden sechs Monate eine weniger restriktive Kreditvergabepolitik. "Das Risikobewusstsein der Banken ist weiter gestiegen, was sich in noch intensiveren Kreditwürdigkeitsprüfungen niederschlägt", so Dirk Müller-Tronnier, Head Banking bei Ernst & Young.

Eine vorsichtigere Kreditvergabe geht einher mit einem insgesamt gestiegenen Risikovorsorgebedarf: Bei immerhin 68 Prozent der befragten Banken ist der aus dem üblichen Kreditgeschäft resultierende Risikovorsorgebedarf gestiegen - nur bei sieben Prozent der Banken ist er gesunken. "Die drastisch verschlechterte Wirtschaftslage in Deutschland wird zu deutlich mehr Insolvenzen und Kreditausfällen führen - dafür müssen die Banken nun Vorsorge treffen", fasst Müller-Tronnier zusammen.

Müller-Tronnier weiter: "Aus Sicht der Banken ist die Zurückhaltung bei der Kreditvergabe durchaus verständlich. Aber wenn - womöglich mit gutem Grund - immer mehr Unternehmen der Geldhahn zugedreht wird, können sich daraus erhebliche Folgen ergeben. Die Banken müssen daher einen Mittelweg finden: Einerseits geht es darum, das eigene Haus zu schützen und bei der Kreditvergabe angemessene Vorsicht walten zu lassen - andererseits ist es von volkswirtschaftlicher Bedeutung, die Realwirtschaft mit der nötigen Liquidität zu versorgen."

Banken erwarten Beruhigung der Finanzmärkte

Die Mehrheit der befragten Banker geht davon aus, dass die Rettungsmaßnahmen von Notenbanken und nationalen Regierungen greifen werden: Fast 90 Prozent erwarten, dass es zu einer nachhaltigen Beruhigung auf den Finanzmärkten kommen werde - allerdings versehen 66 Prozent der Befragten ihren Optimismus mit Einschränkungen, nur 23 Prozent sind sich absolut sicher. "Die Vertrauenskrise dauert an", stellt Spill fest. "Zwar haben Regierungen und Notenbanken in aller Welt mit ihren Rettungsmaßnahmen erreicht, dass es nicht zum Kollaps des weltweiten Finanzsystems kam. Die Lage bleibt aber turbulent und unsicher. Das Vertrauen zwischen den Banken ist noch längst nicht wieder hergestellt".

Fast alle befragten Bankmanager (93 Prozent) erwarten, dass die Zahl der Banken, die Maßnahmen aus dem staatlichen Rettungspaket in Anspruch nehmen, in den nächsten Monaten steigen wird. Weitgehende Einigkeit herrscht auch darüber, dass die Staatshilfe ihren Preis hat: 83 Prozent rechnen damit, dass der Bankensektor in Deutschland künftig deutlich stärker reguliert werden wird, und drei von vier Bankern glauben überdies, dass der Staat in Zukunft eine aktivere Rolle im Bankensektor spielen wird als bisher.

Bankenbranche im Strukturwandel

Zwar ist die klare Mehrheit der befragten Bankmanager davon überzeugt, dass die Branche gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Dennoch stehen, so Spill, "die Banken vor harten Einschnitten" - nicht zuletzt aufgrund des gestiegenen Einflusses des Staates auf den Bankensektor und der verschärften Regulierung. Zwei von drei Bank-Entscheidern (71 Prozent) erwarten, dass es zukünftig deutlich weniger Institute in Deutschland geben wird als derzeit. Und fast jeder Zweite (46 Prozent) geht davon aus, dass es zu einer grundsätzlichen Neuordnung des deutschen und europäischen Bankenmarktes kommen wird.

Viele der Entwicklungen, die zu der aktuellen Krise geführt haben, sind darauf zurückzuführen, dass Anreize bestanden, zu hohe Risiken einzugehen - oder jedenfalls nicht genügend Instrumente bestanden, die das Eingehen dieser Risiken verhindert hätten. Nun setzen umgekehrte Trends ein: Zum einen treten der Umgang mit und die Begrenzung von Risiken noch stärker in den Vordergrund - für 87 Prozent der Befragten hat das Thema Risikomanagement derzeit hohe Priorität (sieben Prozentpunkte mehr als vor sechs Monaten). Zum anderen werden - so die Mehrheit der Befragten (79 Prozent) Vergütungs- und Anreizsysteme grundsätzlich überarbeitet. Und schließlich werden die Erschließung neuer Geschäftsfelder oder die Entwicklung neuer Produkte vorerst auf Eis gelegt: Mit dem Aufbau neuer Geschäftsbereiche beschäftigen sich derzeit nur 14 Prozent der Institute (Mitte 2008: 30 Prozent), die Erschließung neuer Auslandsmärkte steht sogar nur bei fünf Prozent im Fokus (Mitte 2008: 21 Prozent).

* Die Internationale Ernst & Young Organisation setzt sich aus selbstständigen und rechtlich unabhängigen Mitgliedsunternehmen zusammen. Eines davon ist die Ernst & Young AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft.
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