Autohersteller weltweit mit starkem Wachstum - aber Krise in Europa spitzt sich zu

Bilanzanalyse der 17 größten Automobilhersteller der Welt

(PresseBox) ( Frankfurt, )

Spaltung der Branche verfestigt sich
Werkschließungen in Europa unvermeidbar
Deutsche Hersteller kämpfen mit sinkenden Margen - BMW bleibt aber profitabelster Autokonzern
Koreaner schließen auf


Trotz der Krise auf dem europäischen Absatzmarkt: Die weltweit führenden Autohersteller sind weiter auf Wachstumskurs. Im dritten Quartal dieses Jahres verzeichneten die weltweit größten 17 Autokonzerne ein Umsatzwachstum von 13 Prozent, die Gewinne stiegen sogar um 21 Prozent. Und auch bei den Absatzzahlen legten die Unternehmen zu: Das Plus beträgt hier 7 Prozent.

Während die Autobranche in Europa in einer Krise steckt, weisen andere Absatzmärkte beeindruckende Wachstumszahlen auf: In den USA wurden 15 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum, in China lag das Plus immerhin noch bei 9 Prozent. In Westeuropa hingegen brach der Pkw-Absatz um 9 Prozent ein.

Die deutschen Konzerne schafften trotz der Schwäche auf dem europäischen Absatzmarkt ein starkes Umsatzwachstum von 18 Prozent - die Gewinne hingegen sanken um 5 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young quartalsweise erstellt*.

Während die deutschen, japanischen und koreanischen Hersteller deutlich wuchsen, kämpfen die südeuropäischen Hersteller PSA, Renault und Fiat (ohne Chrysler) mit sinkendem Umsatz und rückläufigen Verkaufszahlen: Die Zahl der verkauften Autos ging um 4 Prozent zurück, der Umsatz der drei Konzerne sank im dritten Quartal um 7 Prozent. Die japanischen Hersteller hingegen steigerten ihren Umsatz um 12 Prozent, die deutschen sogar um 18 Prozent.

Von der Schwäche auf dem westeuropäischen Absatzmarkt waren vor allem die südeuropäischen und US-amerikanischen Konzerne betroffen: Fiat, PSA und Renault verkauften in Westeuropa 15 Prozent weniger Pkw als im Vorjahr, bei den US-Konzernen lag das Minus sogar bei 17 Prozent. Die deutschen und japanischen Hersteller verbuchten ebenfalls Rückgänge, allerdings nur um 5 bzw. 6 Prozent. Lediglich die südkoreanischen Hersteller Hyundai und Kia konnten sich dem Negativ-Trend entziehen und steigerten ihren Absatz in Westeuropa um 7 Prozent.

Eine Entspannung der Lage in Europa erwartet Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young, vorerst nicht - im Gegenteil: "Wir stehen vor mindestens einem weiteren Krisenjahr in Europa. Die europäischen Volumenhersteller müssen jetzt dringend alles tun, um die Kapazitäten massiv herunterzufahren - das schließt auch komplette Werksschließungen mit ein. Unausgelastete Fabriken kosten enorm viel Geld - Geld, das die Unternehmen nicht haben".

Derzeit scheuten sich die meisten betroffenen Konzerne aber, die notwendigen Schritte einzuleiten - aus Sorge vor dem Imageschaden, aber auch angesichts des massiven politischen Drucks, auf Stellenstreichungen zu verzichten. "Die Unternehmen verlieren Zeit und rutschen nur noch tiefer in die Krise", warnt Fuß. Letztlich führe das Aufschieben der Entscheidungen nur zu einer Verlängerung der Leidenszeit und zu einer Vertiefung der Krise.

Die schwierige Lage der südeuropäischen Hersteller sieht Fuß mit Sorge: "Das weitere Auseinanderdriften birgt erheblichen Sprengstoff. Die deutschen, koreanischen und japanischen Hersteller haben die Finanzkraft, die europäische Krise durchzustehen - die Südeuropäer stehen hingegen mit dem Rücken zur Wand". Neben sinkenden Absatzzahlen und stark rückläufigen Gewinnen kämpfen diese mit deutlich höheren Refinanzierungskosten. "Die deutschen Hersteller profitieren von dem niedrigen Zinsniveau und können sich problemlos refinanzieren. Sie können den Kunden daher sehr günstige Finanzierungskonditionen anbieten, ohne ihre Marge zu belasten - ein erheblicher Wettbewerbsvorteil". Die europäischen Volumenhersteller hingegen sind gezwungen, Rabatte zu gewähren und Verluste in Kauf zu nehmen, um wenigstens die Verkaufszahlen einigermaßen stabil zu halten. "Einige europäische Hersteller drohen an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu gelangen", fasst Fuß zusammen.

Die deutschen Autokonzerne sind bislang glimpflich durch die europäische Autokrise gekommen - dank des relativ stabilen deutschen Automarktes und vor allem dank der hohen Zuwachsraten in den USA und China. An dieser Grundkonstellation werde sich im kommenden Jahr wenig ändern, so Fuß: "In Europa wird es weiter abwärts gehen - aber dank der Absatzzuwächse in China und den USA dürften die deutschen Hersteller vorerst ohne größere Blessuren durch die Krise kommen".

Deutsche Konzerne kämpfen mit sinkenden Margen

Während die Umsätze der deutschen Hersteller weiter steigen, sind die Margen im dritten Quartal allerdings stark unter Druck geraten: Der Gewinn ging um 5 Prozent von 6,6 auf 6,3 Milliarden Euro zurück, die durchschnittliche EBIT-Marge sank in den ersten neun Monaten 2012 von 8,5 auf 7,4 Prozent. Zum Teil ist dieser Rückgang auf Sondereffekte (beispielsweise bei Volkswagen die Vollkonsolidierung von Porsche) zurückzuführen, zum Teil auf hohe Investitionen in neue Modelle. Dennoch warnt Fuß: "Die deutschen Hersteller haben den Anspruch, nicht nur in Sachen Qualität und Innovationskraft zur Weltspitze zu gehören, sondern auch bei der Profitabilität. Derzeit drohen ihnen aber andere Konzerne den Rang abzulaufen". In den ersten neun Monaten des Jahres wies BMW zwar mit 11,4 Prozent noch die höchste EBIT-Marge aller untersuchten Konzerne aus (Vorjahr: 12,6). Hyundai ist dem bayerischen Autohersteller mit einer EBIT-Marge von 10,8 Prozent (Vorjahr ebenfalls 10,8 Prozent) aber bereits dicht auf den Fersen. Kia konnte seine Marge sogar von 8,4 auf 8,9 Prozent steigern und verdrängt Daimler vom dritten auf den vierten Platz.

Autokonzerne müssen flexibler werden

Zwar sei die Entwicklung in den USA derzeit schwer zu prognostizieren, da sie stark von politischen Entscheidungen abhänge, dennoch prognostiziert Fuß für den US-Markt eine weiterhin positive Entwicklung. Vor allem aber verspreche der chinesische Absatzmarkt deutliches Wachstum: "In China dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr wieder an Dynamik gewinnen, wovon auch der Autoabsatz profitieren wird. Die Gewichte verschieben sich daher weiter: China und Nordamerika gewinnen immer stärker an Bedeutung, während Europa auf absehbare Zeit ein Restrukturierungsfall bleibt".

Vor diesem Hintergrund stehen gerade die deutschen Hersteller, die stark auf dem europäischen Markt engagiert sind, vor erheblichen Herausforderungen: "Die schwache Entwicklung in Europa belastet die Unternehmen und führt zu sinkenden Gewinnen. Gleichzeitig müssen aber hohe Investitionen in Zukunftstechnologien getätigt werden, was die Margen weiter belastet und Ressourcen bindet".

Dementsprechend sieht Fuß keine Alternativen zu einem konsequenten Spar- und Flexibilisierungskurs: "Die Kosten müssen runter - sonst droht ein weiterer Margenrückgang und damit ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit". Denn: "2013 wird hart - die Unternehmen sollten sich für eine längere Durststrecke wappnen."

Ziel müsse es sein, auf Nachfrageänderungen flexibel reagieren zu können, auf Wachstumsmärkten präsent zu sein und gleichzeitig die richtigen Investitionsentscheidungen zu treffen. "Die Kunst bestehe also darin, trotz Sparkurs agil und handlungsfähig zu bleiben, um die Chancen, die sich auch in schwierigen Zeiten noch bieten, ergreifen zu können".

Fuß ist aber optimistisch, dass dies gelingt: "Gerade die deutschen Unternehmen haben in der letzten Krise bewiesen, dass sie einen heftigen Einbruch überstehen können, ohne dass die Substanz gefährdet wird. Und dass sie nach der Krise stärker dastehen als zuvor."

*Für die Studie wurden die Geschäftsberichte bzw. Quartalsberichte der Autokonzerne (inkl. Finanzdienstleistungen) im zweiten Quartal des Kalenderjahres 2012 im Vergleich zum Vorjahrjahreszeitraum analysiert
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