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Pressemitteilung BoxID: 595506 (Ernst & Young AG)
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Analyse von Ernst & Young: Deutsche Großbanken auf Schrumpfkurs: Gewinnrückgang und Beschäftigungsabbau

Zins- und Provisionsüberschüsse rückläufig / Stark gestiegene Risikovorsorge belastet Institute / Kernkapitalquoten und Eigenkapitalausstattung steigen / Belegschaften schrumpfen

(PresseBox) (Frankfurt, ) Die deutschen Groß- und Landesbanken kämpfen mit den Auswirkungen der Konjunkturflaute und der Niedrigzinspolitik der EZB: Im vergangenen Jahr verzeichneten die größten Banken in Deutschland (13 Groß- und Landesbanken) einen Gewinnrückgang um 18 Prozent von 9,5 auf 7,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Vorkrisenjahr 2007 betrug der Vorsteuergewinn der Institute noch 18,4 Milliarden Euro, 2006 sogar 21,5 Milliarden Euro.

Belastend wirkte sich im vergangenen Jahr vor allem die schwächelnde Konjunktur aus: Aus Sorge vor steigenden Kreditausfällen erhöhten die Banken die Risikovorsorge um 44 Prozent von 4,9 auf 7,0 Milliarden Euro. Aber auch im operativen Geschäft lief es nicht rund: Die Provisionsüberschüsse sanken trotz der guten Entwicklung an den Aktienmärkten um gut 2 Prozent, die Zinsüberschüsse gingen um knapp 8 Prozent zurück.

Um sich für schwierigere Zeiten zu wappnen, drücken viele Banken auf die Kostenbremse und reduzieren die Belegschaften: Die Zahl der Mitarbeiter sank im Verlauf des Jahres um 3,4 Prozent auf knapp 250.000.

Im Bestreben, die Kernkapitalquoten zu erhöhen, kamen die Banken immerhin weiter voran: 12 der 13 analysierten Banken konnten ihre Kernkapitalquote erhöhen: die durchschnittliche Kernkapitalquote stieg von 12,1 auf 13,8 Prozent. Und auch die Eigenkapitalausstattung der Banken hat sich erhöht: um knapp 8 Prozent auf 174 Milliarden Euro. Elf der 13 untersuchten Banken verfügten zum Jahresende über mehr Eigenkapital als zu Jahresbeginn.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die auf den Jahresberichten von 13 deutschen Groß- und Landesbanken basiert.

Zwar konnten im vergangenen Jahr immerhin 10 der 13 Institute ihre Gewinne steigern, aufgrund des starken Gewinnrückgangs bei der Deutschen Bank sank das kumulierte Nettoergebnis der untersuchten Banken im Vergleich zum Vorjahr aber um 18 Prozent von 9,5 auf 7,8 Milliarden Euro.

Das mit Abstand höchste Konzernergebnis konnte die Hypovereinsbank verbuchen, die 2012 vor Steuern gut 2,0 Milliarden Euro verdient hat, vor der DZ Bank (1,3 Milliarden Euro). Ein Institut (HSH Nordbank) erwirtschaftete ein negatives Konzernergebnis.

Weiterer Gewinnrückgang erwartet

Zu schaffen machen den Banken neben dem niedrigen Zinsniveau und der schwachen Konjunkturentwicklung auch die Krisen der Schifffahrts- und der Solarbranche, die erhebliche Risiken für diejenigen Institute bergen, die sich stark in diesen Bereichen engagiert haben. Insgesamt haben deutsche Banken allein im Bereich Schiffsfinanzierung weiterhin Kredit-Engagements in Höhe von über 100 Milliarden Euro in ihren Büchern..

Und trotz zum Teil hoher bereits erfolgter Abschreibungen und trotz des Bemühens vieler Banken, ihre Risikopositionen zu reduzieren, sind die deutschen Groß- und Landesbanken immer noch in erheblichem Umfang in den europäischen Krisenländern engagiert: "Solange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern", so Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei Ernst & Young.

Müller-Tronniers Ausblick auf das Jahr 2013 fällt daher skeptisch aus: "Die Konjunktur in Deutschland entwickelt sich schwächer als erhofft, steigende Insolvenzzahlen werden das Risiko von Kreditausfällen weiter erhöhen. Hierfür müssen die Banken vorsorgen, was wiederum die Gewinne drückt. Daneben wird auch die nötige höhere Liquiditätsbevorratung die Ertragsentwicklung bremsen". Hinzu komme das zuletzt weiter gesunkene Zinsniveau, das zu schrumpfenden Zinserträgen führe.

"Von den Rekordgewinnen der Vorkrisenjahren sind die deutschen Banken inzwischen weit entfernt - allerdings auch von den Rekordverlusten nach Ausbruch der Finanzkrise", stellt Müller-Tronnier fest. 2006 lag der Vorsteuergewinn der untersuchten Banken bei 21,5 Milliarden Euro, 2007 immerhin noch bei 18,4 Milliarden Euro. 2008 erwirtschafteten die Banken hingegen ein Minus von knapp 22 Milliarden Euro, das im Folgejahr auf 2,6 Milliarden schrumpfte.

Zudem bleibe die weitere Entwicklung in der Eurozone weitgehend unberechenbar, so Müller-Tronnier: "Nach wie vor ist Europa von einer Lösung des Schuldenproblems weit entfernt. Da die Konzernergebnisse der Banken stark von der Entwicklung der Euro- und Staatsschuldenkrise sowie deren Auswirkungen auf die Kapitalmärkte beeinflusst werden, sind die Aussichten für die Banken auch weiter von größeren Unsicherheiten geprägt".

Banken im Sparmodus - weniger Mitarbeiter

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase, die auch in den kommenden Monaten und Jahren die Gewinne der Banken weiter drücken dürfte, und der drohenden Belastungen aus Schuldenkrise und Konjunkturschwäche treten die Banken weiter auf die Kostenbremse. Und: Die Gesamtzahl der Beschäftigten sank im Verlauf des Jahres um 3,4 Prozent von gut 258.000 auf knapp 250.000.

"Goldene Jahre sind für die Banken vorerst nicht in Sicht", stellt Müller-Tronnier fest. "Restrukturierungskosten, niedrige Zinsen, steigende Liquiditätsanforderungen, immer stärkere Regulierung: Vor den Banken liegen weiter schwierige Jahre". Müller-Tronnier sieht die Banken daher weiter auf Schrumpfkurs: "Die Banken schnallen den Gürtel enger und stellen sich so auf die neuen Realitäten ein. Alle Kostenarten werden auf den Prüfstand gestellt - einschließlich der Personalausgaben. Zudem trennen sich die Banken im Zuge der Konzentration auf das Kerngeschäft von Randaktivitäten - was ebenfalls zu rückläufigen Beschäftigungszahlen führt".