Indien trotz der Krise

Warum es Sinn macht, sich heute mit Indien auseinanderzusetzen

(PresseBox) ( Bochum, )
Die Krise hat Deutschland fest im Griff. Horrormeldungen laufen über die Ticker der Nachrichtensender und der Maschinenbau rechnet mit einer Pleitewelle. Da scheint es nur selbstverständlich, dass man momentan „wichtigere“ Dinge zu tun hat, als sich mit neuen Absatzregionen auseinanderzusetzen. Man ist halt mit sich selbst beschäftigt, hat Absatzeinbrüche im In- und Ausland, muss sogar erst einmal die nächsten Monate liquiditätsmäßig überstehen und igelt sich daher ein wenig ein. Vielleicht will man auch erst einmal schauen, was die anderen so machen, bevor man sich selber bewegt. Und so steht Indien ganz sicher nicht im Vordergrund der Aktivitäten.

Dabei gibt es triftige Gründe, warum es vielleicht gerade jetzt, mitten in der Wirtschaftskrise, großen Sinn macht, sich strategisch mit einem der zukünftig wichtigsten Absatzmärkte der Welt zu beschäftigen:

Während Deutschland voll von der Rezession getroffen wurde, verlangsamte sich zwar auch in Indien das Wirtschaftswachstum - aber eben nur verlangsamte. Nach Zuwächsen in den Jahren 2007 und 2008 von rund 9% erwarteten internationale Analysten für die Jahre 2009 und 2010 für Indien immer noch ein Wachstum von 7% oder 6%.

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Das bedeutet: Selbst in der von den Medien als „ die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg“ titulierten Krise ist Indien eines der wenigen Länder, das nach wie vor ein deutliches Wirtschaftswachstum aufweisen kann.

Warum ist das so? Ganz einfach: Der indische Absatzmarkt ist groß genug und die indische Wirtschaft damit nicht so stark vom Export abhängig. Mag der Konsum in den USA noch so stark eingebrochen sein, der heimische Absatzmarkt bietet weiterhin ein so großes Potenzial, dass sich indische Unternehmen auf den Binnenmarkt konzentrieren können; ein Beispiel:

Während die Automobilindustrie weltweit zusammenbrach, verzeichneten indische Hersteller weiterhin satte Zuwächse. Das war auch der Grund, warum VW bereit war, selbst in der Krise rund EUR 500 Mio. in ein indisches Werk zu investieren. Auch Mercedes, BMW und sogar Porsche gaben bekannt, ihr Engagement in Indien deutlich ausweiten.

Die Wirtschaftskrise hat auch positive Aspekte; so ist Indien in den letzten Monaten deutlich billiger geworden. Insbesondere die Immobilienkosten haben sich selbst in den Megastädten Mumbai und Delhi in den letzten Monaten merklich nach unten bewegt. Hier zeigt sich deutlich das Ende der Spekulationsblase.

Indien präsentiert sich trotz Wirtschaftskrise robust und vor allem selbstbewusst. So stellte denn auch der indische Premierminister Manmohan Singh auf dem G20-Gipfel Anfang April klar: „Die Nachfrage auf dem Inlandsmarkt bleibt stark. Wenn wir vor etwas Angst haben müssen, dann nur vor wachsendem Protektionismus in den USA und Europa“. Unterstützung erfährt er dabei auch durch internationale Wirtschaftsanalysten, wie die amerikanische Newsweek Anfang April konstatierte: „The worst global recession in 70 years is in fact not global. It is shrinking the richest economies, but only slowing the emerging giants. This year GDP is expected to contract in the U.S. and Europe, while continuing to expand in China and India. The grim consumer outlook that’s taken hold in the West is also largely absent in Asia. In China and India, sales of cars, white goods and many other types of consumer products are still rising".

Die indische „Aufbruchsstimmung“ hält nach wie vor an, die Inder lassen sich von der allgemein negativen Stimmung einfach nicht anstecken. Ebenso wie es in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland der Fall war, besitzt die heutige Generation der 20 bis 40jährigen Inder den starken Willen und die Zielstrebigkeit, sich in Punkto Wohlstand und Konsum dem westlichen Niveau anzunähern.

Was heißt das für die deutsche Industrie?

Die geschäftlichen Aussichten sind in Indien nach wie vor positiv. Letztendlich kann Indien sogar von strategischer Bedeutung für deutsche Unternehmen sein, weil Umsatzrückgänge in den traditionellen Märkten durch Indien zumindest teilweise wieder ausgeglichen werden können.

Insbesondere deutsche Technologieführer und „Nischenkönige“ sollten sich heute mit Indien auseinandersetzen. Denn wer zu lange wartet, verpasst die Chancen, die Indien gerade heute bietet, einschließlich der Nutzung des momentanen Kostenvorteils.

Außerdem gibt es vielleicht auch im deutschen Stammhaus eigentlich keinen besseren Zeitpunkt, als jetzt in der Krise strategische Aufgabenstellungen zu bearbeiten. In den letzten Jahren haben wir immer wieder erlebt, dass Unternehmen, die bereits am Rande Ihrer Ressourcen und Kapazitäten waren, mal eben „im Schnelldurchgang“ nach Indien gegangen sind - eine gute Vorbereitung ist dabei vielfach auf der Strecke geblieben. Das Motto war häufig "Es wird schon gut gehen", die Folgen waren leider oft fatal. Denn nachdem viele Unternehmen bereits den "Point of No Return" überschritten hatte, musste sie feststellen, dass das innerhalb weniger Wochen beschlossene Joint Venture in der Praxis doch nicht funktionierte, der indische Handelsvertreter die vollmundigen Versprechungen nicht erfüllen konnten, der indische Geschäftspartner den Anforderungen nicht entsprach, der eingestellte indische Geschäftsführer ein zweifelhaftes Spesenverhalten an den Tag legte oder ganz einfach auch, dass man den Markt aufgrund der überhöhten Prognosen bekannter Wirtschaftszeitungen falsch eingeschätzt hatte.

Um so mehr macht es Sinn, die jetzige „Flaute“ zu nutzen, vielleicht auch, weil man ganz einfach ein wenig mehr Ruhe hat und sich ohne Hast und mit der gebotenen Sorgfalt mit der zukünftigen Aufstellung in Indien beschäftigen kann. Langfristig werden sich die deutschen Unternehmen ohnehin verstärkt in Indien engagieren müssen, denn dafür ist der Subkontinent inzwischen einfach viel zu wichtig geworden, um ihn in dem kommenden Jahrzehnt links liegen zu lassen.
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