Dr. Michael Otto erhält den "Deutschen CSR-Preis für herausragendes CSR-Engagement"

Festrede von Jakob von Uexküll, Gründer des "Right Livelihood Award" ("Alternativer Nobelpreis") und des World Future Council

(PresseBox) (Stuttgart, ) Guten Abend, es ist mir eine große Ehre, hier die Laudatio auf Dr. Michael Otto zu halten, bei der Verleihung des Deutschen CSR-Preises für herausragendes CSR-Engagement.

Die Jury konnte keine bessere Wahl treffen, denn Michael Otto hat nicht nur dafür gesorgt, dass die Otto-Gruppe bei CSR eine Vorreiter-Rolle gespielt hat und weiterhin spielt, sondern auch viele andere Unternehmer im In- und Ausland für CSR gewinnen, ja begeistern können. So ist er sowohl Vor-Denker wie Vor-Praktiker bei Corporate Social Responsibility! Denn, wie wir wissen, ist Nachhaltigkeit, Verantwortung und Ökologie zwar alternativlos, wenn wir eine lebenswerte Erde für unsere Kinder und zukünftige Generationen erhalten wollen, aber in der Praxis eine große Herausforderung, besonders unter den jetzigen gesetzlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Erwartungen.

So schreibt Pavan Sukhdev – der von der Deutschen Bank zur UNEP ging, um die Kosten der Zerstörung der Artenvielfalt zu ermitteln – in seinem Buch “Corporation 2020“, die Externalisierung von Produktionskosten, also ihre Abwälzung auf die Um- und Nachwelt, sei unlauterer Wettbewerb, ja Betrug am Kunden. Aber ihre vollständige Internalisierung würde viele Unternehmer in den Bankrott treiben – ganz abgesehen von den praktischen Schwierigkeiten, da die meisten dieser Kosten bei Zulieferern in oft weltweiten Produktionsketten verursacht werden.

Dr. Michael Otto hat diese Herausforderung angenommen, um eine zukunftsfähige Welt als Unternehmer mitzuschaffen. Er weiß, dass diese Aufgabe noch lange nicht gelöst ist, ja, dass viele unangenehme Wahrheiten (Al Gore) uns noch bevorstehen.

Der britische Unternehmer-Berater und Ökologe Jonathon Porritt schreibt dazu in seinem 

Buch “Capitalism as if the world matters“: „Ich fürchte mich bei dem Gedanken, wie wütend junge Menschen sein werden, wenn ihnen das volle Ausmaß der Fahrlässigkeit meiner Generation klar wird.“

Michael Otto begann schon sehr früh, umzusteuern. 1971 begann er seine Karriere in dem von seinem Vater Werner gegründeten Versandhaus. Kurz darauf führte er Verpackungen aus Recyclingmaterialien ein, eine damals in Deutschland unerhörte Idee. 1981 wurde er Vorstandsvorsitzender. 1986 erklärte er Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu Unternehmenszielen. Otto war das erste Handelsunternehmen in Deutschland, das die ISO-Norm 14.001 für Umweltmanagement eingeführt hat.

Die Otto Group hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 ihren CO2-Ausstoß um 50 Prozent gegenüber 2006 zu senken. Dazu verbessert das Unternehmen die Energieeffizienz stetig, betreibt vielerorts Blockheizkraftwerke, nutzt Solarenergie und kauft Ökostrom ein. 2003 führte Otto eine eigene Marke für biologische Baumwolle ein. Ein anderes Label bescheinigt Teppichen aus Nepal und Indien, dass sie ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Mit jedem Kauf gehen 1,5 Prozent des Wertes der importierten Ware an Projekte für ehemalige Kinderarbeiter.

Otto bündelt seit einigen Jahren nachhaltig hergestellte Produkte auf der eigenen Plattform "Ecorepublic". Dort findet man Waren aus Biobaumwolle, aber auch energiesparende Waschmaschinen und Möbel aus zertifiziertem Holz. Otto unterstützt auch die „Asian Floor Wage Campaign“, die in Asien existenzsichernde Mindestlöhne für Textilarbeiter durchsetzen will.

Im Bereich der Sozialen Verantwortung engagierte sich Michael Otto u. a. für die Hamburger Jugendmusik-Schule, das Konzerthaus Elbphilharmonie, die Hauptkirche St. Katharinen, den Neubau eines Kinderkrankenhaus des Universitätsklinikums der Hansestadt oder die Flüchtlingshilfe für im Krieg traumatisierte Frauen. Im Jahr 2015 hat Dr. Otto seiner Stiftung einen Großteil seines auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Vermögens und einen Großteil seiner Gesellschafteranteile an der Otto Group übereignet.

1993 errichtete er die „Michael Otto Stiftung für Umweltschutz“. Sie entwickelt als Inkubator innovative Ideen und fördert unter der Geschäftsführung des Vorstands für Corporate Responsibility der Otto Group, Dr. Johannes Merck, zukunftsweisende Perspektiven im Umwelt- und Naturschutz. Jährlich veranstaltet sie die „Hamburger Gespräche für Naturschutz“ zu wechselnden Themen-Schwerpunkten. Michael Otto ist ebenfalls Stifter von mehreren Professuren im Nachhaltigkeitsbereich. 1998 initiierte er eine der mittlerweile bedeutendsten Unternehmensberatungen für Nachhaltigkeit und Umwelt in Deutschland, die Systain Consulting GmbH. Anfangs mit Aufgaben im eigenen Konzern befasst, ist sie mittlerweile für viele Unternehmen in Deutschland und der Welt tätig.

Ebenfalls 2004 ist die Otto Group Mitgründerin der „Business Social Compliance Initiative (BSCI)“. Sie will in der Lieferkette Mindeststandards in der Entlohnung sichern und arbeitet mit eigenen Kontrolleuren. Zu ihr zählen zurzeit rund 1.500 Firmen weltweit. 2005 initiierte Otto die Stiftung „Aid by Trade“ mit der Initiative „Cotton made in Africa“, in der er bis heute als Kuratoriumsvorsitzender wirkt. Sie will mit Unterstützung unterschiedlicher Partner aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) die Entwicklungszusammenarbeit durch den Handel stärken. Das namensgebende Projekt engagiert sich erfolgreich dabei, Baumwolle aus Afrika auf eine höhere Qualitätsstufe zu heben und dadurch den Baumwollbauern bessere Erträge zu ermöglichen. Heute leistet sie Hilfe für über 670.000 Baumwollbauern und ihre Familien in Afrika.

Seit 2012 engagiert er sich und sein Unternehmen als Gründungsmitglied und Vorsitzender des Präsidiums in der „Stiftung 2 Grad“, die sich für langfristiges unternehmerisches Engagement im Klimaschutz einsetzt. Gemeinsam mit Wissenschaft, Gesellschaft und Politik arbeiten die Unterstützer der Stiftung an konkreten Lösungen für einen ambitionierten und effizienten Klimaschutz.

Im Jahr 2012 wurde auf Initiative der Otto Group zusammen mit sieben weiteren deutschen Handelsunternehmen die „Carbon Performance Improvement Initiative (CPI2)“ gegründet. Sie verfolgt das Ziel, auch in der weltweiten Lieferkette Energie zu sparen und damit das Klima zu schützen. Die Basis von CPI2 ist ein Onlineprogramm, mit dem Fabriken ihren Energieverbrauch in allen Unternehmensbereichen evaluieren und steuern können. Somit bietet CPI2 Fabriken die Möglichkeit, ihren Energieverbrauch deutlich zu senken und auf diese Weise erhebliche Kosten einzusparen – zum Nutzen der Umwelt.

Ich lernte Michael Otto vor über zehn Jahren näher kennen, als ich den Vorschlag für einen Weltzukunftsrat entwickelte, der als „Stimme zukünftiger Generationen“ politischen Entscheidungsträgern zukunftsgerechtes Handeln erleichtert, indem sie weltweit nach zukunftsgerechten Gesetzen- und Politik-Ansätzen recherchiert und deren konkrete Umsetzung unterstützt.

Michael Otto hat das Potenzial dieser Idee sofort erkannt und den damaligen 1. Hamburger Bürgermeister, Ole von Beust, überzeugt, Hamburg als Standort dieser neuen internationalen Organisation anzubieten, inklusive Finanzierung zu 50% für die ersten drei Jahre. Dr. Otto hat die restlichen 50 % garantiert und größtenteils selbst finanziert. Er unterstützt die Arbeit des WFC noch immer großzügig und hilft als Ehrenrats-Mitglied mit Rat und Tat.

Ohne ihn hätte es diese wegweisende Organisation nicht gegeben, die die wohl schwierigste Aufgabe auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufgegriffen hat, nämlich: Wie kommen wir rechzeitig dahin, bevor unsere Zivilisation zusammenbricht? Wie unmittelbar dies auch uns hier betrifft, zeigt z. B. die Warnung des ehemaligen Chefs des IWF, Michael Camdessus, dass sich mehrere hundert Millionen afrikanische Klima-Flüchtlinge in den nächsten 20 Jahren auf den Weg nach Europa machen werden, wenn wir ihnen nicht ermöglichen, zu Hause zu überleben. Hier geht es nicht um die üblichen Hilfeleistungen, sondern um die massive Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, um die Regeneration von verwüsteten und erodierten Landflächen, um das Recht der Menschen auf Wasser und Nahrung.

Mit seinem fundierten Wissen und seiner Liebe zu Afrika hat Michael Otto den WFC beim Aufbau der African Renewable Energy Alliance unterstützt und fördert jetzt – gemeinsam mit seiner Tochter – unsere Arbeit zur Stärkung von Kinder-Rechten.

Es ist fast 200 Jahre her, dass das Oberste Gericht der USA 1819 Corporations zu Bürgern erklärte, mit allen Rechten, aber ohne Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft. Die Gefahren dieser inzwischen weltweiten Ideologie kennen wir.

Dr. Michael Otto hat sehr früh gewusst, dass es keine Rechte ohne Pflichten und Verantwortlichkeiten geben kann und dies wegweisend in die Praxis ungesetzt, in einem weltweit agierenden Konzern. Wir wissen, wie schwierig diese Praxis ist, in einer Welt voller Konkurrenz, Neid und Gier nach Sensationen. Hier über Jahrzehnte erfolgreich seinen Weg zu gehen, mit immer neuen Initiativen, erfordert viel Kraft, Mut, Empathie und Intuition.

Vor 150 Jahren schrieb der britische Sozialkritiker John Ruskin: „Privates Unternehmertum sollte nie behindert werden, sondern, im Gegenteil, stark gefördert werden, so lange es sich wirklich um Unternehmertum handelt, d.h. die Ausübung von Einfallsreichtum und Kühnheit auf neuen Gebieten. Aber ‚privates Unternehmertum‘, das die Nachbarschaft vergiftet oder auf individuellen Gewinn auf Kosten der Gemeinschaft spekuliert, sollte sehr scharf behindert werden.“

Es ist mir eine große Freude, Michael Otto, als hervorragender Vertreter des Unternehmertums, welches laut Ruskin stark gefördert werden sollte, zu dem heutigen Preis zu gratulieren!

Alle Materialien zur Preisverleihung:

Preisverleihung www.csrforum.eu/F7/presse/2017-04-04-pri-DCP-Auflieger.pdf

Begründung www.csrforum.eu/F7/presse/2017-04-04-pri-DCP-Begruendung.pdf

Laudatio www.csrforum.eu/F7/presse/2017-04-04-pri-DCP-Laudautio.pdf

Sieger in den Kategorien www.csrforum.eu/F7/presse/2017-04-04-pri-DCP-Sieger.pdf

Fotos von Dr. Otto www.ottogroup.com/de/presse/material.php

Deutsches CSR-Forum www.csrforum.eu/F7/presse/2017-04-03-pri-DCF-Allgemein.pdf

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