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Pressemitteilung BoxID: 239114 (Deutsches Krebsforschungszentrum)
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Eingriff in die zelluläre Proteinproduktion treibt Brustkrebszellen in den Tod - International Journal of Cancer, Band 124 (4), erschienen

(PresseBox) (Heidelberg , ) In der aktuellen Ausgabe des International Journal of Cancer beschreiben US-amerikanische Forscher, dass manipulierte Brustkrebszellen, die das krebsfördernde Protein HER2 nur noch in "verkrüppelter" Form herstellen, schlechter wachsen und vermehrt absterben. Außerdem im Heft: Französischen Wissenschaftlern zufolge erlauben es HPV-Tests, den Krankheitsverlauf bei Gebärmutterhalskrebs vorherzusagen. Die neue Ausgabe des IJC erschien gestern, am 15. Februar.

Tumorzellen, die unter Sauerstoffmangel leiden, produzieren vermehrt die Eiweißstoffe HIF-1 und HIF-2. Obwohl diese Proteine sich chemisch sehr ähnlich sind, haben sie offenbar völlig verschiedene Funktionen. Das hat ein Forscherteam um Takaaki Imamura vom Massachusetts General Hospital in Boston herausgefunden. HIF-1 und HIF-2 (Abkürzung von "hypoxia-inducible factor") sind so genannte Transkriptionsfaktoren, zelleigene Proteine, die das Ablesen bestimmter Gene fördern. Sie werden vermehrt in schnell wachsenden Tumoren gebildet, in denen aufgrund der raschen Größenzunahme ein Mangel an Sauerstoff herrscht. Sowohl HIF-1 als auch HIF-2 sind maßgeblich daran beteiligt, dass in wuchernde Tumoren neue Blutgefäße einsprossen, die die Sauerstoffversorgung der Krebszellen sicherstellen. Imamura und seine Kollegen hemmten sowohl HIF-1 als auch HIF-2 in Darmkrebszellen und beobachteten jeweils, wie sich dies auf das Tumorwachstum auswirkt. Die Hemmung von HIF-1 führte zu einem langsameren Tumorwachstum, die Hemmung von HIF-2 bewirkte das Gegenteil, beschleunigte also das Tumorwachstum. HIF-2 scheint in Darmkrebszellen somit krebshemmend zu wirken. Die Autoren warnen davor, dass HIF-Hemmstoffe, die entwickelt wurden, um die Neubildung von Tumor-Blutgefäßen zu unterdrücken, bevorzugt HIF-2 lahmlegen und somit zu einem rascheren Tumorwachstum führen könnten - das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung.

Eine gezielte Störung der zellulären Proteinproduktion kann möglicherweise helfen, Brustkrebs zu heilen. Wissenschaftler um Jing Wan von der University of North Carolina manipulierten Brustkrebszellen so, dass diese das Protein HER2 (human epidermal growth factor receptor 2) nur noch in verkrüppelter Form bilden konnten. HER2 wird von vielen Krebszellen im Überschuss gebildet und beeinflusst das Wachstum sowie die Ausdifferenzierung der Zellen; Tumorzellen mit einer abnorm gesteigerten HER-2-Produktion gelten als hoch aggressiv. Krebsmedikamente wie Trastuzumab richten sich daher gezielt gegen dieses Protein. Die Forscher um Jing Wan griffen in die HER2-Produktion von Brustkrebszellen ein, so dass die Zellen nur noch deformierte HER2-Proteine herstellen konnten. Die Tumorzellen wuchsen daraufhin schlechter und gingen öfter in den programmierten Zelltod. Die direkte Behandlung der Zellen mit "verkrüppelten" HER2-Proteinen zeigte ähnliche Wirkungen. Wie die Autoren der Studie betonen, sollten beide Verfahren - die Störung der Proteinproduktion und die direkte Gabe von deformierten Proteinen - als potenzielle Behandlungsmethoden bei Krebs weiter erforscht werden.

HPV-Tests sagen den Krankheitsverlauf bei Gebärmutterhalskrebs vorher. Zu diesem Ergebnis kommt ein französisches Forscherteam um Patricia de Cremoux vom Institut Curie in Paris. Die Wissenschaftler führten eine retrospektive Untersuchung an 515 Gebärmutterhalskrebs-Patientinnen durch. Dabei zeigte sich, dass siebzig Prozent der Frauen mit humanen Papillomviren (HPV) der Hochrisiko-Typen 16 und 18 infiziert waren, weitere 26 Prozent mit anderen HPV-Typen. Nur bei vier Prozent der Krebspatientinnen konnten die Forscher keine HPV-Infektion nachweisen. Frauen, die mit den Hochrisiko- Typen HPV 16 und 18 infiziert waren, erkrankten früher an Gebärmutterhalskrebs und litten unter einem schlechteren Krankheitsverlauf als Frauen, die mit anderen HPV-Typen infiziert waren. Die Autoren sehen durch diese Ergebnisse bestätigt, dass HPV-Tests einen hohen prognostischen Wert bei Gebärmutterhalskrebs haben.

Imamura et al. HIF-1 and HIF-2 have divergent roles in colon cancer. DOI: 10.1002/ijc.24032

Wan et al. Modification of HER2 pre-mRNA alternative splicing and its effects on breast cancer cells (p 772-777). DOI: 10.1002/ijc.24052

Cremoux et al. Different outcome of invasive cervical cancer associated with high-risk versus intermediate-risk HPV genotype. DOI: 10.1002/ijc.24075

Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar: http://www3.interscience.wiley.com/journal/121562266/issue