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Pressemitteilung BoxID: 373318 (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin))
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Deutsche Akademiker zieht es ins Ausland - aber nur auf Zeit

(PresseBox) (Berlin, ) Deutschland ist nicht nur Einwanderungsland sondern auch Auswanderungsland - vor allem für die Deutschen selbst. 2009 hat jeder Achte ernsthaft darüber nachgedacht, Deutschland den Rücken zu kehren - darunter viele junge Akademiker. Doch die Mehrheit der hochqualifizierten Auswanderungsbereiten will nach einiger Zeit zurückkehren, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). "Die Sorge, dass Deutschland dauerhaft immer mehr Hochqualifizierte an das Ausland verliert, ist zurzeit unbegründet", sagt Jürgen Schupp, Autor der DIW-Studie.

Jeder achte Deutsche plant auszuwandern - doch nur ein Bruchteil geht wirklich

Nach Ergebnissen des Soziooekonomischen Panels (SOEP) beabsichtigte 2009 jeder achte Deutsche ins Ausland auszuwandern. Nur jeder Zwölfte davon will diese Pläne binnen des nächsten Jahres umsetzen. Damit ergibt sich hochgerechnet ein Auswanderungspotential von gut 661.000 Deutschen für den Zeitraum von Juli 2009 bis Juni 2010. "Die Zahlen der Vergangenheit zeigen allerdings, dass zwischen geäußerter Absicht und tatsächlicher Auswanderung erhebliche Differenzen liegen", so der DIW-Experte Jürgen Schupp. Auf die Gesamtbevölkerung von 1998 bezogen, zogen bis 2009 nur gut ein Prozent aller Deutschen aus Deutschland fort. "Zudem wollen viele der wanderungsbereiten Deutschen ihrer Heimat lediglich auf Zeit den Rücken kehren."

Akademiker zieht es verstärkt ins Ausland - jedoch nur auf Zeit

Langzeitarbeitslose, Personen in Arbeiterberufen sowie Haushalte mit Kindern denken besonders selten über eine Auswanderung nach. Dagegen tragen sich Besserverdienende häufiger mit dem Gedanken, wobei es weniger auf die Einkommenshöhe an sich ankommt, als auf die Zufriedenheit mit dem Haushaltsnettoeinkommen. Wenn sie wächst, sinkt die Wahrscheinlichkeit, über einen Fortzug aus Deutschland nachzudenken. "Besonders häufig denken junge Personen mit hoher Bildung über eine Auswanderung nach - allerdings wollen sie nur auf Zeit weggehen", sagt Elisabeth Liebau, Co-Autorin der Studie. "Unter denen, die dauerhaft auswandern wollen, sind sie sogar unterrepräsentiert."

Freunde und Aufenthalte im Ausland beeinflussen die Auswanderungsabsichten

Neben der Hoffnung auf eine finanzielle Verbesserung ist die berufliche Weiterbildung ein zentrales Motive fürs Auswandern. Besonders persönliche Kontakte im Ausland gelten als einflussreiche Triebfedern für den Fortzug. Auch die Erfahrung eines längeren Auslandsaufenthalts senkt die Hemmschwelle auszuwandern. Bereits jeder neunte Deutsche hat sich in der Vergangenheit länger im Ausland aufgehalten.

"Deutsche mit Auswanderungsplänen unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf ihre Auslandskontakte und erfahrungen von Personen ohne Fortzugsgedanken", sagt Soziologin Elisabeth Liebau. Nach den SOEP-Daten hat mehr als die Hälfte der Auswanderungswilligen regelmäßig Kontakt zu Freunden im Ausland - doppelt so viele wie jene ohne Auswanderungsabsichten. Darüber hinaus hat jeder Vierte bereits selbst für längere Zeit im Ausland gelebt. Dies trifft nur auf jeden Elften ohne Fortzugspläne zu. "Auch die Einstellung des Partners beflügelt beziehungsweise hemmt die Auswanderungsbereitschaft", so die DIW-Expertin.

Deutschland kann von zeitlich befristeten Auswanderungen profitieren

Die DIW-Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Mobilitätsbereitschaft der Deutschen aus volkswirtschaftlicher Sicht positiv zu beurteilen ist. "Viele Arbeitskräfte verlassen Deutschland, um sich im Ausland weiterzuqualifizieren. Kehrt ein Großteil von ihnen zurück, wirkt sich ihr Fortzug langfristig eher zum Vorteil Deutschlands aus", so Jürgen Schupp. "Gerade für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland stellen die Kompetenzen der Bevölkerung das eigentliche Kapital dar."

Erst wenn sich immer mehr Akademiker und Fachkräfte dauerhaft in der Fremde niederlassen und weniger qualifiziertes Personal aus anderen Ländern einwandert, leidet auch die heimische Wirtschaft. "Ein solcher Wissensverlust ist aufgrund der vielfach zeitlich befristeten Auslandsaufenthalte derzeit nicht zu befürchten", so Elisabeth Liebau. Für wichtiger erachteten die Autoren ein attraktives Zuwanderungsangebot für hoch qualifizierte Personen aus dem Ausland. "Für Ausländer ist es mit erheblichen Mühen verbunden, im Ausland erworbene Qualifikationen hier anerkannt zu bekommen und ohne Statusverlust in den Arbeitsmarkt einzutreten."