Bayerns Wirtschaft appelliert an die Politik

1. Bayerisches Wasserstoff-Forum in Hirschaid abgehalten

Berlin, (PresseBox) - Was überall sonst gilt, gilt auch in Bayern: Wasserstoff und Brennstoffzellen sind ein unabdingbarer Teil der Energiewende. Eine ganze Reihe bayerischer Unternehmen sind auf diesem Gebiet führend. Auf dem 1. Bayerischen Wasserstoff-Forum am 1. April in Hirschaid bei Bamberg appellierten sie an Legislative und Exekutive in Bayern, diese Entwicklung stärker zu unterstützen.


Erwin Huber (CSU, MdL, Vorsitzender des Landtagsausschusses für Wirtschaft, Energie usw.) erklärte bei der Eröffnung zwar, Wasserstoff als Speichermedium und Kraftstoff seien ein wichtiger Teil eines vornehmlich auf erneuerbaren Energien basierenden Energie- und Verkehrssystems. Nur hat man sich bei der Bayerischen Staatsregierung diese Sicht offensichtlich noch nicht überall zu eigen gemacht, denn bisher tritt Bayern unter den deutschen Bundesländern nicht als großer Pionier auf diesem Gebiet hervor, soweit es um praktische Maßnahmen geht. Die Referenten des Forums machten deutlich, dass es Gründe dafür gibt, das zu ändern.

Johannes Töpler, stellvertretender Vorsitzender des DWV, machte deutlich, dass man größere Energiemengen über längere Zeit nur mittels eines chemischen Energiespeichers effizient und kostengünstig speichern kann. Wasserstoff ist der erste und einzige chemische Speicher, der direkt aus Strom abgeleitet werden kann. Er ist damit ideal geeignet im Zusammenspiel mit Strom die Sektorkopplung zwischen Strom, Wärme und Mobilität zu ermöglichen.

Das Speicherthema vertiefte Uwe Albrecht, Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH. Er zeigte, dass Wasserstoff den Klimaschutz sowie die Energie- und Verkehrswende erst möglich macht. Da das Energiesystem in den nächsten Dekaden schrittweise von einem auf Brennstoffen gegründeten auf ein auf Strom gegründetes umgestellt wird, wird ein mächtiges Speicherelement wie Wasserstoff zwingend. Aber weder Pumpspeicherkraftwerke noch zahlreiche Batterieautos können die erforderlichen Mengen und Speicherdauern leisten.

Praktische Beispiele dafür demonstrierte Erik Wolf von Siemens. Wasserstoff lässt sich z. B. in Salzstöcken oder anderen unterirdischen Strukturen speichern. Dafür braucht man aber leistungsfähige Elektrolyseure („Power-to-Gas“). Die derzeit größte Anlage dieser Art wurde mit Beteiligung von Siemens im Energiepark Mainz errichtet.

Wasserstoff kann man nicht nur als Gas speichern, sondern auch in chemischen Verbindungen. Die Firma Hydrogenious Technologies GmbH benutzt dafür eine ölähnliche Flüssigkeit. Dominik Herzog von Hydrogenious und Philipp Luchschneider vom ZAE Bayern referierten über den Stand der Arbeiten.

Wasserstoff und Klimaschutz war das Thema von Reinhold Wurster, DWV-Vorstandsmitglied. Er demonstrierte, was die bisher beschlossenen Ziele hinsichtlich der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, nämlich um 40 % bis 2030, für den Verkehr bedeuten. Außerdem gab er einen Überblick über aktuelle und bevorstehende Aktivitäten der Hersteller von Brennstoffzellenautos sowie den Aufbau eines Tankstellennetzes.

Auf Bundesebene ist 2016 die auf zehn Jahre angelegte erste Phase des NIP („Nationales Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzelle“) abgeschlossen worden, und die zweite Phase hat angefangen. Sie soll bis 2026 dauern. Dies ist kein Forschungsprogramm, sondern dient in erster Linie der Marktaktivierung und -einführung. Christopher Stanik von NOW gab einen Überblick darüber.

Wie wirksame Förderung auf Landesebene aussieht, zeigte Manuel Schaloske von e-mobil BW am Beispiel von Baden-Württemberg. e-mobil BW verfolgt einen integralen Ansatz, der Umweltaspekte, Wirtschaft und Technologie sowie gesellschaftliche Anforderungen berücksichtigt. Im „Cluster Brennstoffzellen“ werden Erzeugung und Infrastruktur, Transport, Energie und Fertigung behandelt, wobei auch Wissenstransfer und Bildung eine Rolle spielen.

In der Schweiz funktioniert es offenbar schon ganz gut. Rolf Huber von H2 Energy AG zeigte, dass dort Batterie und Brennstoffzellen-LKW von der Maut befreit sind, so dass bereits heute eine wettbewerbsfähige Nullemissionslogistik mit regenerativem Wasserstoff und Brennstoffzellen-LKW machbar ist. Das Interesse ist groß und besteht in der Schweiz für rund 1000 LKW. Huber motivierte Deutschland, etwas mehr in die Regulatorik als in die Förderung zu stecken, um dieses Konzept auch hier zum Laufen zu bringen. Bereits eine Angleichung der Dieselbesteuerung an die von Benzin würde zu einer Machbarkeit führen.

Mehr Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie war auch der Wunsch von Anne Kleczka von BMW, wo unter den 6 Entwicklungssäulen für die mobilen Zukunftskonzepte Brennstoffzellen und Batterien die zwei wesentlichen Antriebsstrangentwicklungen sind. Die Klimaziele erfordern nach ihren Worten, dass ab 2030 ein großer Teil der Straßenfahrzeuge überhaupt keine Treibhausgase mehr emittieren darf. Das geht nur mit Elektroantrieben. Brennstoffzellenfahrzeuge bieten dem Kunden im Vergleich zu reinen Batteriefahrzeugen einen höheren Nutzen hinsichtlich Reichweite, Tankzeit und Zuladung.

Wer nicht erst 2020 oder 2025 ein solches Auto fahren will, der hat es gut, wenn er in München wohnt. Das Car Sharing-Programm BeeZero ermöglicht es 2500 registrierten Nutzern, einen von 50 Hyundai mit Brennstoffzelle auszuleihen und sie in der Stadt und in der Region zu nutzen. Thomas Schäfer von BeeZero berichtete von überwältigendem öffentlichen Interesse und praktisch nur positivem Echo. Es ist aber auch klar geworden, dass Brennstoffzellenautos noch sehr erklärungsbedürftig gegenüber dem Nutzer sind. Insgesamt jedoch scheint das Ziel, solche Autos durch Car Sharing auf die Straße zu bringen, erreicht worden zu sein.

Als Generalist auf dem Gebiet Wasserstoff präsentierte sich die Areva GmbH. Kerstin Gemmer-Berbilek stellte die wasserstoffbezogenen Aktivitäten ihrer Firma von der Erzeugung mittels PEM-Elektrolyseuren (hergestellt von der französischen Tochterfirma ArevaH2Gen) über die Speicherung in Drucktanks aus Verbundwerkstoffen oder auch flüssigen organischen Verbindungen sowie deren Einsatz bei Großkunden wie z. B. Busflottenbetreibern vor.

Auch bei Proton Motor ist man auf einer ganzen Reihe von Anwendungsgebieten tätig, wie Sebastian Goldner zeigte. Dazu gehören Hilfs- oder Notstromversorgungen für Baustellen usw., Kleinkraftwerke für Gebiete mit schwacher Netzstruktur, Range Extender für Batteriefahrzeuge sowie energieautarke Häuser.

Fazit: bayerische Unternehmen sind führend an der Entwicklung beteiligt. Sie könnten aber noch mehr für die wirtschaftliche Entwicklung tun, wenn die bayerische Politik dem Beispiel anderer Bundesländer folgen und das Gebiet systematisch unterstützen würde.

Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. (DWV)

Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV) ist seit 1996 als Interessenverband auf die Förderung einer zügigen Markteinführung des Energieträgers Wasserstoff und der Brennstoffzellentechnologie ausgerichtet. Ziel ist es, alle Aspekte einer künftigen Versorgungsinfrastruktur mit Wasserstoff, dessen Herstellung und energetische Nutzung - insbesondere die Energieumwandlung mittels Brennstoffzellen - in eine Sach- und Perspektivdiskussioneinzubringen sowie die Marktentwicklung aktiv mitzugestalten. Unsere 223 persönliche Mitglieder und 85 Mitgliedsinstitutionen und Unternehmen stehen für bundesweit mehr als 1,5 Millionen Arbeitsplätze; der Verband repräsentiert somit einen bedeutenden Teil der deutschenWirtschaft (www.dwv-info.de).

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