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Pressemitteilung BoxID: 521774 (Deutscher Industrie- und Handelskammertag)
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Energie trifft Breitband: Synergien beim Infrastrukturausbau nutzen

(PresseBox) (Berlin, ) Wirtschaftlicher Erfolg ist auf leistungsfähige Infrastrukturen angewiesen. In Deutschland besteht hier aber ein erheblicher Modernisierungsstau. Dies gilt vor allem für den ohnehin schleppend vorangehenden Aufbau von Glasfasernetzen und die Ertüchtigung der Verteilnetze für die Energiewende. Um diese Leitungen zu verlegen, muss meistens die Straße aufgerissen werden. Das stört die Anwohner und ist teuer. Etwa 70 Prozent sind Tiefbaukosten.

Mitverlegung: Eine geniale Idee ...

Die Lösung klingt so einfach wie genial: Unter den Straßen liegen viele Leitungen. Wird eine verlegt oder erneuert, dann kommen bei Bedarf gleichzeitig Glasfaser-, Strom-, Gas-, Fernwärme-, Wasser- und Abwasserleitungen hinzu. Dadurch können die Grabungskosten auf mehrere Gewerke verteilt werden. Kommunen, Infrastrukturunternehmen und Verbraucher können so bares Geld sparen. Für die deutsche Volkswirtschaft geht es um Milliarden.

... trifft auf Hürden in den Kommunen

Was sich so einfach anhört, stößt in der Praxis auf Hürden. Zu oft mangelt es an Kommunikation zwischen den Verantwortlichen. Viele kennen daher das ärgerliche Phänomen, dass innerhalb weniger Wochen Straßen mehrfach aufgerissen werden. Transparenz über Planungen ist hier der Schlüssel. Die Kommunen müssen dafür als lokale Koordinierungsstelle im Sinne eines "kommunalen Baustellenmanagements" fungieren.

Die Ausbaunotwendigkeiten der Infrastrukturen passen natürlich nicht immer zueinander. Während Glasfasernetze i. d. R. neu zu bauen sind, sind bei den anderen Gewerken oft nur einzelne Straßenzüge betroffen. Flächendeckende Mitverlegung ist in Neubaugebieten möglich, ansonsten beschränkt sie sich meist auf einzelne Ortsteile. Nichtsdestotrotz sollte kommunale Infrastrukturplanung immer alle technischen Infrastrukturen mitbetrachten, um Synergien so oft wie möglich zu heben.

... trifft auf Hürden in den Bundesländern

Alle Nutzer sollten von vermiedenen Kosten durch Mitverlegung profitieren. Die Infrastrukturen unterliegen aber unterschiedlichen Regulierungsvoraussetzungen: Während Glasfaser, Wasser und Abwasser nicht reguliert sind, wachen Behörden über die Strom- und Gasnetze. In Baden-Württemberg gibt es eine charmante Lösung: Die Durchleitungsentgelte der Energieversorger werden um neun Euro pro laufenden Meter beim Ansetzen der Netzbaukosten reduziert, wenn gleichzeitig Leerrohre für Glasfaser mitverlegt werden. Die Unternehmen haben dadurch Planungssicherheit und ausreichend Luft für Investitionen. Ein getrennter Ausbau wäre für alle deutlich teurer. Die anderen Regulierungsbehörden sollten sich am Modell Baden-Württemberg orientieren.

... trifft auf Hürden im Bund

Bislang fehlt der Rechtsrahmen für einen gemeinsamen Infrastrukturausbau von der Planung über Synergien bis zur Aufgabenteilung. Die Zuständigkeiten sind zudem innerhalb der Bundesregierung auf mehrere Ressorts verteilt. Das Thema "gemeinsamer Infrastrukturausbau" sollte auf Bundesebene gesetzlich geregelt und bei der Umsetzung der Energiewende mitberücksichtigt werden.

Nischendenken überwinden, um Qualität der Infrastruktur zu sichern

Eine im internationalen Vergleich gute Infrastruktur in allen Regionen ist eine Grundvoraussetzung für Deutschlands wirtschaftliche Stärke. Insbesondere in Gebieten mit schrumpfender Bevölkerungszahl kann vielerorts die Qualität nur noch durch die Nutzung von Synergien - und damit zu vertretbaren Kosten - aufrechterhalten werden. Dafür müssen Politik und Unternehmen ihr Nischendenken aufgeben und sich als gemeinsam verantwortlich für alle Infrastrukturen begreifen.