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Pressemitteilung BoxID: 375963 (Deutscher Industrie- und Handelskammertag)
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EU-Kommission gegen Rohstoffklemme

tschaft braucht freien Marktzugang

(PresseBox) (Berlin, ) Indium in Flachbildschirmen, Tantal in Handys oder Gallium in Solarzellen: Das sind nur drei der 14 Rohstoffe, die aus Sicht der EU-Kommission zukünftig von den Unternehmen verstärkt nachgefragt werden und bei denen Versorgungsengpässe drohen. Aufgrund der weltweit ungleichen Verteilung von Rohstoffvorkommen sind die Unternehmen auf Rohstoffimporte aus nur wenigen Ländern angewiesen. Mit steigender Nachfrage kommt diesen Ländern eine Marktmacht zu, die sie vielfach für Preisfestsetzungen oder Exportzöllen nutzen - drastische Verteuerungen wären die Folge. Die Bundesregierung hat daher im April 2010 mehr Transparenz auf den internationalen Rohstoffmärkten gefordert. Nun hat sich auch die EU-Kommission das Thema Rohstoffsicherheit auf die Fahnen geschrieben - als eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Europa. Im November 2010 will sie ihre Rohstoffstrategie vorstellen.

Ziel: Rohstoffabkommen für freie und transparente Märkte

Europäische, besser noch internationale Rohstoffabkommen mit fairen Regelungen für alle Export- und Importländer von Rohstoffen sind unabdingbar. Diesem Thema sollte aus Sicht des DIHK nicht nur im Rahmen der europäischen Rohstoffstrategie, sondern auch in der EU-Handelspolitik ein höherer Stellenwert eingeräumt werden. Bisher ist es die Ausnahme, dass die Rohstoffsicherung Bestandteil von Handelsvereinbarungen ist. Auch ein ungehinderter Marktzugang zu Rohstoffen ohne Exportbeschränkungen und klare Handelsregeln müssen sowohl auf multilateraler Ebene als auch bei regionalen und bilateralen Abkommen oben auf der Agenda stehen.

Absicherungsgeschäfte berücksichtigen

Bei strategischen Überlegungen zur Rohstoffsicherheit müssen die Absicherungsmöglichkeiten der Unternehmen gegen Rohstoffpreisausschläge - wie zum Beispiel Derivate, mit denen man sich am Finanzmarkt einen bestimmten Rohstoffpreis auf Termin sichern kann - bedacht werden. Denn angesichts einer strengeren Finanzmarktregulierung haben viele Unternehmen die Sorge, dass diese Möglichkeiten eingeschränkt werden.

Keine EU-Rohstoffverteilungsbehörde

Auf europäischer Ebene wird eine zentral organisierte Bereitstellung und Lagerung der knappen Rohstoffe ins Auge gefasst. Dies lehnt der DIHK ab. Die EU-Kommission hat nicht die Kompetenz, den Magnesium-Bedarf der Unternehmen zu planen, den Graphit-Verbrauch zuzuteilen oder den Preis für Kobalt festzulegen. Diese Entscheidung muss bei den Unternehmen verbleiben, die selbst bestimmen müssen, wie viele Rohstoffe sie benötigen und woher sie diese beziehen.

Keine Rohstofflenkung

Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs einer europäischen Rohstoffstrategie wird sein, welche Instrumente die EU-Kommission zur Umsetzung einsetzen wird. Die EU-Kommission sollte sich darauf konzentrieren, durch eine weitsichtige Handelspolitik den ungehinderten Zugang zu Rohstoffen abzusichern und die technologieoffene Forschung und Entwicklung zur Rohstoffeffizienz zu fördern. Hingegen gehen ihre jüngsten Überlegungen, eine EU-Steuer auf den Rohstoffverbrauch einzuführen oder gar bestimmte rohstoffintensive Produkte zu verbieten, in die falsche Richtung. Noch höhere finanzielle Belastungen der Unternehmen, Engpässe in der aktuellen oder künftigen Rohstoffversorgung wären die Folge. Immer knapper werdende Ressourcen und steigende Preise zwingen die Firmen ohnehin, Rohstoffe effizient zu nutzen. Sie wissen am besten, wo sie auf Rohstoffe verzichten und Ersatzstoffe einsetzen können.