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Pressemitteilung BoxID: 82430 (Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS))
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Erneuerbare Energien in Russland – quo vadis?

(PresseBox) (München, ) Ist von Russland und Energie die Rede, denken die meisten sofort „Gaspipeline und Schröder“, „Androhung von Lieferstopp“ und „Einkauf russischer Unternehmen in die deutsche Energiewirtschaft“. Doch wie sieht es aber im Lande selbst aus? Welche Rolle spielen erneuerbare Energien? Uwe Hartmann, Geschäftsführer des DGS-Landesverbandes Berlin Brandenburg, hat bei einer von der Außenhandelskammer organisierten Geschäftsreise vor kurzem Moskau besucht.

Über das Potenzial erneuerbarer Energien in der russischen Förderation haben die Teilnehmer des Geschäftsreiseprogramms „Erneuerbare Energien“ auf einer von Außenhandelskammer (AHK) und Deutscher Energie-Agentur (Dena) vorbereiteten Tagung mit russischen Politikern und Geschäftsleuten diskutiert. Das Interesse an der Veranstaltung war groß. Mehr als 70 Teilnehmer waren gekommen, darunter Vertreter von Forschungsinstituten wie dem NIIES-Forschungsinstitut für Energieanlagen in Moskau, staatlichen Behörden wie dem Ministerium für Industrie und Energiewesen sowie der Industrie.

Die Situation der Energieversorgung in Russland ist zur Zeit von starken Widersprüchen geprägt. Das Land kann seinen Bedarf komplett selbst decken. Seine Energieversorgung beruht im Wesentlichen auf Gas (Anteil bei Strom 34%, bei Wärme über 65%), Kohle (Anteil bei Strom 29%, bei Wärme 27%), Öl (Anteil bei Strom 3%, bei Wärme 8%) und Uran (Anteil bei Strom 21%). Die Regierung will die Kernkraft bis zum Jahre 2020 stark ausbauen. Es besteht bei sämtlichen Großkraftwerken ein erheblicher Sanierungsbedarf. Erneuerbare Energien spielen mit einem Anteil von drei Prozent am Primärenergieverbrauch bis auf die große Wasserkraft (Anteil bei Strom 12 %) kaum eine Rolle.

Ökoenergien spielen praktisch keine Rolle

Russland besitzt rund 30 Prozent der weltweiten Gasreserven, etwa sechs Prozent der weltweiten Ölreserven und die weltweit zweitgrößten Kohlereserven (37 % der Weltkohlevorkommen). Mit dem Abbau von Erdgas und Erdöl sind angesichts der globalen Situation zur Zeit hohe Gewinne zu erzielen. Im Juli 2006 lag der durchschnittliche Strompreis für Privatkunden bei 2,81 Eurocent pro Kilowattstunde. Aus diesen Gründen und trotz des hohen technisch-wissenschaftlichen Niveaus im gesamten Spektrum der erneuerbaren Energien von der Photovoltaik bis zur Geothermie führen die erneuerbaren Energien ein Schattendasein. Bei entsprechender Weichenstellung durch die Regierung wäre der russische militärisch-industrielle Komplex durchaus in der Lage, rasch ausreichende Produktionskapazitäten für erneuerbare Energiesysteme aufzubauen.

Russland hinkt den westeuropäischen Staaten gegenwärtig weit hinterher, was eine effiziente Strom- und Wärmeversorgung, Energiesparen sowie den Einsatz von erneuerbaren Energien betrifft. Dabei wäre eine Stromversorgung von entlegenen Gebieten auf der Basis von Hybridanlagen (Wind, Photovoltaik, Wasserkraft) schon heute betriebswirtschaftlich sinnvoll. Denn durch die hohen Transportkosten über weite Entfernungen entstehen bei Dieselgeneratoren beispielsweise Stromgestehungskosten von bis zu einem Euro pro Kilowattstunde

Solarthermie kennt man nicht

Momentan existiert auf dem russischen Markt noch keine dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergleichbare Preispolitik für Strom aus erneuerbaren Energien. Allerdings hat der russische Präsident Wladimir Putin die Übernahme des deutschen EEG für den russischen Markt angekündigt. Bei der Moskauer Tagung hat die Dena ein Modell auf der Grundlage eines Fonds vorgestellt, das nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) allerdings noch überarbeitet werden sollte. Der Verband will die Dena dabei unterstützen.

Noch schlechter stellt sich die Situation für Solarwärmenutzung dar. Solarthermische Anlagen existieren praktisch nicht. Dabei bieten sie besonders für den südlichen Teil von Russland mit seinen hohen solaren Einstrahlungen von 1.600 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr ein großes Potenzial. In Gesprächen mit Industriellen und Regierungsvertretern wurde vereinbart, dieser Technik künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen und eine eigene Fertigung in Russland mit entsprechenden Kapazitäten aufzubauen.

Fazit

Wenn es der russischen Regierung gelingt, die Sanierung der bestehenden fossil betriebenen Kraftwerke und Verteiler mit Einsparpotenzialen von bis zu 40 Prozent und den Einsatz erneuerbarer Energien massiv voranzutreiben, ließen sich

- die zeitliche Verfügbarkeit der fossilen Reserven im Land drastisch verlängern,
- die Kohlendioxid-Emissionen massiv reduzieren,
- die heimische Industrie stärken und
- die in einigen Regionen fatale Umweltsituation verbessern.

Doch dazu muss die russische Regierung die politischen Rahmenbedingungen noch schaffen.

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