Der Ausbau erneuerbarer Energien braucht keine Speicher sondern Verbraucher

(PresseBox) ( München, )
Auf der von Eurosolar ins Leben gerufenen IRES-Konferenz in Gelsenkirchen drehte sich zwei Tage alles um das Thema "Energiespeicher". Auch wenn die Entwicklungen auf dem Gebiet der Wärmespeicher nicht weniger faszinierend und schon gleich gar nicht weniger wichtig sind galt doch erwartungsgemäß das Interesse der meisten Teilnehmer den Stromspeichern. Der Grund dafür lang sicherlich darin, dass landläufig behauptet wird, man bräuchte ab einem Anteil von 20% Strom aus erneuerbaren Energien zusätzliche Speicher im Stromnetz, ansonsten sei kein weiterer Ausbau möglich.

Die erste Dena-Netzstudie prognostizierte bereits vor etwa einem Jahr, dass man für den weiteren Zubau bei der Windenergie nicht nur einen Ausbau der Stromnetze brauchen wird sondern auch bis zum Jahr 2015 zusätzliche Regelenergieleistung einplanen muss. In der Studie werden 5,5 GW negative Regelenergie (also regelbarer Verbrauch) und 7 GW positive Regelenergie (also abrufbare Produktion) zur Debatte gestellt.

Teil 2 der Dena Netzstudie (www.dena.de)

In der zweiten Dena-Netzstudie soll nun ab Ende 2006 unter anderem geklärt werden, welche Art von Regelenergie oder welche Art von Stromspeicher zum Einsatz kommen sollte. Die letzte Folie von dena- Referent Steffen Philipp trug die markanten Worte "Effizienz entscheidet" und auf dem Bild stand der Zeiger auf 99,78%. Die Liste der Lösungsansätze liest sich jedoch anders: Abregeln von Windenergieanlangen, Einsatz von Nachtspeicherheizungen, Optimierung von Pumpspeicherkraftwerken oder Neubau von Druckluftspeicherkraftwerken. Von zukunftsweisenden, innovativen, solaren Konzepten oder gar besonders effizienten Lösungen kann man hier eigentlich nicht sprechen.

Die Dena stellte korrekt fest, dass die Standorte für effiziente Pumpspeicher in Deutschland weitgehend ausgeschöpft sind und so entstand leider der Eindruck, als ob man sich bei der dena bereits vor Beginn der Studie über die "beste" Lösung im Klaren sei: In Norddeutschland entsteht die meiste Windleistung und in Norddeutschland sind die meisten Salzstöcke, also bauen wir dort Druckluftspeicher!

Heutige Druckluftspeicher (CAES - Compressed Air Energy Storage) sind, wie ein Referent der KBB erläuterte, jedoch keine reinen Stromspeicher, sondern eher Erdgaskraftwerke mit zusätzlichem Turbolader. Ohne Zufeuerung großer Mengen an Erdgas arbeiten diese Kraftwerke nicht und der gespeicherte Strom wird, je nach Anlagentyp und Vergleichsmaßstab, nur mit einem Wirkungsgrad von 20 bis 55% wieder freigesetzt. Erst durch die Integration von zusätzlichen und extrem großen Wärmespeichern wären hier nennenswerte Verbesserungen denkbar.

Der beste Speicher ist ein Verbraucher

Vielfach wurde die Frage aufgeworfen, ob man bei der Suche nach dem Energiespeicher für das effiziente Solarzeitalter nicht zu sehr auf alte Denkweisen fixiert ist. So gab Jan Tönnis zu bedenken, dass der billigste und effizientes Speicher gar kein Speicher sei, sondern die Verlagerung des Verbrauches. Frei nach dem Motto: "Wenn der Wind nicht bläst wenn die Waschmaschine voll ist, muss die Wäsche halt warten bis das Windrad sich dreht".

Dr. Ulf Bossel, einer der Gründungsväter der DGS, referierte über die physikalischen Grundlagen der Energiespeicherung und gab zu bedenken, dass man die Biomasse als natürlichen Speicher im solaren Energiemix sinnvoll einsetzen sollte, da diese unter anderem eine verlustfreie saisonale Energiespeicherung erlaubt. Ferner regte er an die typischen Verbraucher zu Energiespeicher umzuwidmen, da man so auf die Energieverluste bei der Rückspeisung in das Stromnetz verzichten könnte und so nicht nur die Effizienz, sondern auch die individuelle Versorgungssicherheit erhöht werden kann. Der Akku im Computer, in der Waschmaschine, im Gefrierschrank und vor allem im Auto würde bei intelligentem Management ein gigantisches Potential zur Lastverlagerung eröffnen.

Auch der Referent des ISET, Dr. Michel Vandenbergh, schlug in diese Kerbe und gab zu bedenken, dass man nicht nur von heutigen Inselnetzen lernen sollte, sondern auch die vermeintlichen Verbraucher in die Betrachtung integrieren sollte. So rechnete Vandenbergh vor, dass bei entsprechender Ausrüstung der Europäischen Fahrzeugflotte diese dreifach mehr Leistung bereitstellen könnte als der derzeitige Kraftwerkspark der EU25. Geht man nun zurück zu der Notwendigkeit von 7 GW Regelenergieleistung im Jahr 2015, so würden bereits 700.000 steckdosentaugliche Hybridautos (Plug-In Hybrids) ausreichen um diese Reserven bereitstellen zu können. Derzeit produziert Toyota jährlich 300.000 Fahrzeuge von Type "Prius", die sich bereits alle für eine entsprechende Umgerüstung eignen würden.

Die DGS war auf der Konferenz ebenfalls mit einer Posterpräsentation vertreten, wo das bessere Zusammenspiel von Stromverbrauchern und Stromproduzenten im Vordergrund stand. Aus Sicht der DGS könnten Elektro(hybrid)autos in Zukunft neue Druckluftspeicher sogar überflüssig machen.

Es bleibt zu hoffen, dass die dena solche Konzepte in ihrer Studie ebenfalls berücksichtigt und dass die bevorstehende EEG-Novelle beim Thema Energiespeicherung auch ganzheitliche Konzepte wirtschaftlich attraktiv macht. Hierzu wird die DGS auch konstruktive Vorschläge in die Debatte einbringen.
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