Die von der Luftfahrt abhängige Lieferkette

Die Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Luftfahrt in Deutschland

(PresseBox) ( München, )
Die überwiegende Mehrheit der Fracht wird im Bauchraum von Passagierflugzeugen transportiert und macht einen großen Teil der Nicht-EU-Exporte aus. Die Annullierung der Flüge im Zuge der COVID-19-Krise führte dazu, dass sich der verfügbare Platz im Bauchraum der Flugzeuge fast über Nacht um schätzungsweise 75% reduzierte. Das stellte die Industrie und die Händler vor enorme Herausforderungen: Sie mussten ihre Waren in einem Frachtflugzeug oder einem neu zugewiesenen Passagierflugzeug unterbekommen oder schnell einen neuen Lagerplatz finden. Letzteres erwies sich als sehr kostspielig, denn wie unsere Beobachtungen zeigen würden diese Lagerplätze letztlich um das zehnfache teurer sein als vor COVID-19. Das Wegfallen der regelmäßigen Warentransporte in Passagierflugzeugen führt dazu, dass wir möglicherweise erst ab 2022 zu nennenswerten Zahlen zurückkehren werden.

Die Auswirkungen dieses Kapazitätsabbaus haben einen enormen Einfluss in Deutschland. Hersteller müssen mittelfristig andere Optionen in Betracht ziehen, als ihre Waren ausschließlich über den Luftweg zu transportieren. Obwohl der Einfluss externer Faktoren auf die Luftfracht nun von Covid-19 geprägt wird, müssen künftig auch andere Veränderungen und Regularien berücksichtig werden. Die Akteure entlang der Lieferkette müssen alternative Verkehrsträger prüfen, um sich langfristig abzusichern. Ein effizienter und kostensparender Ansatz ist der multimodale Mix mit aktiver und dauerhafter Einbettung von Straßen-, See- und Schienenverkehr in die Lieferkette. 

Es gibt eine Reihe von Herausforderungen, die die Hersteller proaktiv durchdenken müssen.

Erstens, der Druck auf den Bereich Air Charter. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage führte zu einem Anstieg der Preise - diese scheinen zwar gesunken zu sein, da der Passagierverkehr wieder aufgenommen wurde. Aber auf die Kapazität in diesem Bereich kann nicht beständig gebaut werden. Regelmäßige Wartungsarbeiten aufgrund des erheblichen Einsatzes von Flugzeugen im Frühjahr könnten die Kapazität verringern und die Preise erneut in die Höhe treiben.

Zweitens könnten sowohl die Passagier- als auch die Charterkapazitäten durch das Aufkommen von Impfstoffen verringert werden, die zusätzlich zu der anhaltenden Nachfrage nach PSA-Ausrüstung schnell um die ganze Welt verschifft werden müssen. Kombiniert mit großen Produkteinführungen für Technologieunternehmen, die die aufgestaute Nachfrage nach Produkten wie dem iPhone 12, der neuen Sony PS5 und anderen Konsumgütern nutzen wollen, könnte dies dazu führen, dass die Logistikteams von Herstellern und Einzelhändlern wieder einmal auf Geschick oder Glück angewiesen sind, um Fracht wie stark nachgefragte Konsumgüter zu ihren Kunden zu transportieren.

Daher müssen alle an der Lieferkette Beteiligten alternative Transportmöglichkeiten in Betracht ziehen, um die langfristige Sicherheit zu gewährleisten. Ein effizienter und kostensparender Ansatz ist der multimodale Mix mit aktiver und dauerhafter Integration des Straßen-, See- und Schienentransports in die Lieferkette. 

Die aktive Integration von alternativen Verkehrsträgern in die Lieferkette macht diese nicht nur flexibler, sondern auch im Hinblick auf Effizienz und Kosten attraktiver. Ein solches Management der Lieferkette funktioniert nur, wenn alle vorhandenen Daten aller Transporteure in die Planung einbezogen werden. Dadurch vereinfacht sich die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Transporteuern, die Zahl der Kilometer wird minimiert und Leerfahrten reduziert. Auch die Kapazität der Schifffahrtsindustrie verändert sich aufgrund von mehr größeren Schiffen, was zu einer größeren Auswahl und niedrigeren Raten führt.

„Auch wenn unsere „Neue Normalität“ wahrscheinlich noch eine Weile nicht definiert werden kann, so spielen die Unternehmen der Logistiktechnologie doch eine grundlegende Rolle bei der Analyse der Daten, bei der Integration neuer Innovationen in der Lieferkette und beim Verständnis der Anforderungen, die Hersteller und Einzelhändler bei der Neuausrichtung ihrer Gütertransportmethoden künftig haben werden“, sagt Andre van Linden, Air Product Manager Europe at C.H. Robinson.
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