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Pressemitteilung BoxID: 173366 (BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V.)
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BVMed-Konferenz zur Förderung von Ideen aus der Medizin: „Professionelles Innovationsmanagement ist erforderlich“

(PresseBox) (Essen/Berlin, ) Professionelles Innovationsmanagement ist erforderlich, um von der Idee und einer medizintechnischen Erfindung zur Unternehmensgründung und zum letztendlichen Markterfolg zu kommen. Wichtige Aspekte sind der frühzeitige Schutz der Erfindung, ein überzeugender Geschäftsplan, um Finanzgeber zu finden, sowie ein Produkt oder Verfahren, dass einen hohen Patienten- und Anwendernutzen hat. "Erfolgreich wird sein, was den Patienten nutzt und einen eindeutigen Mehrwert verspricht", sagten BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt und Finanzierungsexperte Thom Rasche auf der BVMed-Konferenz "Förderung von Ideen aus der Medizin" am 8. Mai 2008 in Essen vor rund 70 Teilnehmern. Die Veranstaltung gab eine Übersicht über den Ideentransfer aus den Kliniken in die medizintechnische Praxis bis zur Gründung eines eigenständigen Unternehmens. Der BVMed führte die Konferenz in diesem Jahr gemeinsam mit der Startbahn MedEcon Ruhr und dem Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) durch.

BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt wies in seinem Einführungsstatement auf die große wirtschaftliche Bedeutung und die Innovationskraft der MedTech-Branche hin. Ein Beleg für die Innovationskraft der Branche: Nach Angaben des Europäischen Patentamtes in München führt die Medizintechnik die Liste der angemeldeten Erfindungen mit über 15.700 Patenten an. 11,4 Prozent der Patentanmeldungen kommen damit aus dem MedTech-Bereich. Deutschland hat in den zukunftsträchtigen Innovationsfeldern der Medizintechnologie durch die große Zahl gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der klinischen Forschung beste Voraussetzungen, neue Produkte und Verfahren zur Marktreife zu führen. Die Vorteile Deutschlands liegen auch in den kürzeren Zulassungszeiten und in der sehr guten klinischen Forschung. In Deutschland kostet es durchschnittlich 8 bis 10 Millionen Euro, eine neue Idee zur Marktreife zu bringen. In den USA sind diese Kosten bis zu 80 Millionen Dollar wesentlich höher.

Mathias Redders, Referatsleiter im nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium, bezeichnete die Gesundheitswirtschaft als "den Jobmotor" seines Landes. Clusterpolitik und Medizinwettbewerbe wie "Innovative Gesundheitswirtschaft NRW" seien Teil eines Gesamtkonzepts zur Förderung der Gesundheitswirtschaft. Ein Schwerpunkt seien die Medizintechnologien. Hier sei es das Ziel, die Innovationszyklen von der Forschung über die Herstellung bis in die Versorgung der Patienten zu beschleunigen. Wichtig sei es, aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftstrukturen, in Nordrhein-Westfalen die Konzepte immer auch zu regionalisieren.

Wie kommt man von der Idee zur Erfindung - und dann anschließend auch zum Erfolg? Das war Schwerpunktthema des Vortrags von Dr. Andreas Kusch, Manager Patente und Lizenzen bei der PROvendis GmbH, zum Technologietransfer und zur Patentverwertung. Seine Grundthese: Wirtschaftlicher Erfolg benötigt Innovationen. Die entscheidenden Fragen: Adressieren wir mit der Erfindung einen Kunden- oder Anwendernutzen? Und wenn ja, wie kann man diese nützliche Erfindung schützen? Der professionelle Umgang mit Patenten wird dabei immer wichtiger. Innovationsmanagement sei eine komplexe Angelegenheit, in der man professionelle Partner brauche, so Dr. Kusch. Deshalb habe Nordrhein-Westfalen bereits 2001 mit PROvendis eine Patentverwertungsagentur gegründet. PROvendis ist die zentrale Patentverwertungsagentur der Hochschulen des Landes und betreut mehr als 20.000 Wissenschaftler an 24 Hochschulen. Sie ist damit die größte Patentverwertungsagentur für Hochschulen in Europa. Die Agentur spürt verwertbare Ideen und Technologien in den Hochschulen auf, bewertet und schützt sie. Patente seien die Basis einer Existenzgründung. Ein guter Weg sei die exklusive Lizenz des Erfinders an die Neugründung oder einen Mittelständler. Vorteil sei die geringere finanzielle Belastung für die Start-up Firma. Die Hochschule partizipiere damit auch am zukünftigen Erfolg. Dr. Kusch nannte konkrete Zahlen auf dem Weg von Erfindungen zur Unternehmensgründung: 1700 Erfindermeldungen führten zu 450 Patentanmeldungen, die wiederum zu 65 Verwertungen (Verträge mit Umsatz) und letztendlich 20 Gründungen führten.

Den Weg von der Idee zum eigenen Patent schilderte Volkmar Kruspig, Geschäftsführender Partner der Patentanwälte Meissner, Bolte & Partner in München. Er schilderte verschiedene Schutzideen: das Verfahrenspatent, das Anordnungspatent, der Gebrauchsmusterschutz als "kleines Patent" oder der Designschutz für die Form des Produktes. Hierfür gibt es sogar 25 Jahre Schutz, fünf Jahre mehr als für ein Patent. Bis zur Patentmeldung sollte die Idee unbedingt geheim gehalten und Eingeweihte um eine Geheimhaltungserklärung gebeten werden. Ist ein Patent genehmigt, muss es nach 18 Monaten offen gelegt werden und läuft insgesamt 20 Jahre. Beim Patentantrag empfiehlt der Patentexperte eine Doppelanmeldung am gleichen Tag, verbunden mit dem Antrag auf amtliche Recherche, mit dem man innerhalb von 8 bis 10 Monaten eine Patentfähigkeitsprognose erhalte. Nach dem Patenterteilungsbeschluss und dem Erscheinen der Patenterteilung gebe es eine dreimonatige Einspruchsfrist. Empfehlenswert sei eine internationale Anmeldung, die für rund 3.500 Euro Rechtsschutz in rund 130 Staaten biete.

Claudia Pirenjak und Gary Gelsing von der Startbahn MedEcon Ruhr stellten den "bundesweit ersten und einzigen Businessplan-Wettbewerb für die Medizinwirtschaft" vor. Der Wettbewerb wird zwei Mal im Jahr über einen Zeitraum von sechs Wochen durchgeführt. Zum Angebot gehören ein individuelles Coaching der Teilnehmer, ein umfangreiches Qualifizierungsangebot, Beratung und Hilfestellungen sowie die Netzwerkbildung und der Erfahrungsaustausch. Die Teilnahme an dem Businessplan-Wettbewerb ist kostenlos. Ziel ist es, innovative medizinwirtschaftliche Ideen mit Marktpotential zur Umsetzung zu führen. Der Businessplan-Wettbewerb initiierte bei den zertifizierten Teilnehmern durchschnittlich knapp 90 Prozent Unternehmensgründungen. Fast die Hälfte der Gründer hat sich dabei für einen Standort im Ruhrgebiet entschieden. Allein mit den Gründungen aus den Wettbewerben Herbst 2006 und Frühjahr 2007 entstanden 543 neue Arbeitsplätze, so Gelsing.

Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds mit Sitz in Bonn, stellte die Investorsicht vor. Für ihn ist die MedTech-Branche von besonderer Bedeutung, da es in Deutschland eine sehr gute Forschungslandschaft, eine gute Wirtschaftsstruktur sowie starkes Wachstum gebe. Der enthusiastische Gründer werde aber oft vom Kapitalmarkt ausgebremst. Hier helfe der High-Tech Gründerfonds, der Finanzierungsmöglichkeiten zur Unternehmensgründung biete. Dr. Brandkamp erläuterte das am Beispiel der Firma Hematris, die einen Aktiv-Patch zur Blutstillung entwickelt hat. Beim High-Tech Gründerfonds handelt es sich um einen öffentlichen Fonds, der seit September 2005 arbeitet. Das Volumen beträgt derzeit 272 Millionen Euro. Zielgruppe sind kleine, junge und innovative High-Tech Unternehmen in der Gründungsphase ("Seedphase"). "In der Seedphase sind der Entwicklungsaufwand hoch, die Umsätze gering und die Unsicherheit maximal", so Dr. Brandkamp. Pro Projekt werden bis zu 500.000 Euro Risikokapital als Gründungsfinanzierung zur Verfügung gestellt. Die Gründungsfinanzierung reicht meist bis zum Prototyp. Zum finanziellen Aspekt komme eine intensive Betreuung hinzu. Ziel sei die Weiterfinanzierung durch Venture-Kapitalgeber. Bislang wurden rund 130 Beteiligungszusagen an Technologieunternehmen erteilt. Davon entfallen etwa zehn Prozent auf die Medizintechnik.

Der konkrete Patientennutzen einer Innovation ist für Thom Rasche, Partner bei Earlybird Venture Capital, ein wichtiger Punkt, damit ein Geschäftskonzept Kapitalgeber überzeugt. Earlybird hat ein Fondsvolumen von insgesamt knapp 500 Millionen Euro. Investitionen werden acht bis zehn Jahre gehalten. Große Wachstumschancen sieht Rasche in der Kardiologie und der Orthopädie. In den letzten 18 Monaten wurden 170 Angebote geprüft, davon knapp 40 tiefergehend. Daraus ist aber nur ein Abschluss entstanden. Ein wichtiges Kriterium sei ein Alleinstellungsmerkmal, das durch Patente und Rechte gesichert sein müsse. Die Technologie müsse große Märkte im Hintergrund haben, damit für die Indikationsstellung Spielraum vorhanden ist. Zu der Frage, ob das Produkt eine ausreichende Wachstumsperspektive biete, gehöre damit eine eingehende Analyse des zugrunde liegenden Marktes. Wichtig auch: Wie stark hängt der Markt von der Kassenerstattung ab? Den Kapitalbedarf in der Medizintechnik bezifferte Rasche auf etwa 5 bis 20 Millionen Euro bis zum Markteintritt. Der Geldbedarf für den dann beginnenden Vertrieb liege bei 10 bis 20 Millionen Euro, denn der Vertrieb der Innovation könne nicht nur von strategischen Partnerschaften abhängig gemacht werden. Im Durchschnitt liege der Zeitbedarf zwischen fünf und sieben Jahren.

Ein Fallbeispiel einer erfolgreichen Unternehmensgründung präsentierte Thomas Löwen, Finanzdirektor der Hemoteq AG. Das Unternehmen entwickelt und produziert spezielle medizintechnische Beschichtungen, beispielsweise für Koronarstents. Der Geschäftsplan stammt aus dem Jahr 1998. 1999 folgte das erste Patent und die Unternehmensgründung mit 4,2 Millionen DM von einem Venture Kapitalgeber. Die zweite Finanzierungsrunde stand 2002 unter Einbindung eines weiteren Kapitalgebers an. Bereits 2005 wurde ein positiver Ergebnisabschluss erreicht. Ein Jahr später wurde das Unternehmen in eine AG umgewandelt. Heute hat Hemoteq 63 Beschäftigte, rund 20 Patente und investiert rund 30 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Von der Forschung in der Medizintechnologie zur Unternehmensgründung: Ein Fallbeispiel eines Start-ups präsentierte Andreas Strauß, Leiter Forschung und Entwicklung der ILIAS-medical GmbH. Das Unternehmen hat eine künstliche mobile Lunge entwickelt, die hilft, in Notfällen den Patienten künstlich zu beatmen. ILIAS profitierte von einem Gründerwettbewerb. Das Unternehmen gewann den ersten Preis im Businessplan-Wettbewerb Startbahn MedEcon Ruhr. Wichtig war für Strauß Beharrlichkeit, professionelle Begleitung und ausreichendes Feedback von Experten. Viel Zeit wurde in die Standortauswahl investiert. Sein Fazit: "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel."

Moderiert wurde die Veranstaltung wie in den vergangenen Jahren von der Hamburger Medizinjournalistin Renate Harrington.

Digitale Bilder zur Konferenz können unter http://www.bvmed.de/bilderpool/Veranstaltungen/ hochauflösend abgerufen werden.

BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V.

Der BVMed vertritt als Wirtschaftsverband rund 220 Industrie- und Handelsunternehmen der Medizintechnologiebranche. Im BVMed sind u. a. die 20 weltweit größten Medizinproduktehersteller im Verbrauchsgüterbereich organisiert. Die Gesundheitsausgaben im Bereich der Medizinprodukte betragen in Deutschland über 22 Mrd. Euro. Die Medizinprodukteindustrie beschäftigt rund 170.000 Menschen.
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