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Pressemitteilung BoxID: 232914 (Business Application Research Center - BARC GmbH)
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Das Ende von PerformancePoint Planung: Microsoft verabschiedet sich wieder aus dem Planungsmarkt

BARC-Analystenkommentar

(PresseBox) (Würzburg, ) Microsoft kündigt an, den PerformancePoint Server nach knapp 2 Jahren auf dem Markt nach dem nächsten Servicepack 3 diesen Sommer nicht mehr weiterzuentwickeln. Die Planungsfunktionen werden aufgegeben, Monitoring (Dashboard, Scorecard) und Analysefunktionen von ProClarity werden in Sharepoint Server Enterprise integriert. PerformancePoint wird ab April nicht mehr auf der Preisliste auftauchen, Support soll bis 2018 gegeben werden.

Hintergründe

- PerformancePoint hat hinsichtlich Verkaufszahlen nie die Erwartungen von Microsoft erfüllt. Weiterhin kann man annehmen, dass die meisten Kunden von PerformancePoint vor allem Analyse (ProClarity) und die Business Scorecard Management Komponente nutzen und weniger die Planung.
- Microsoft will insgesamt profitabler werden und hat eine größere Entlassungswelle angekündigt. Offensichtlich wurden die am wenigsten profitablen Projekte und Produkte gestoppt.
- Das größte Fragezeichen hinter PerformancePoint war schon immer die Produkt- und Vertriebsstrategie. Planungs- und andere Finanzapplikationen müssen anders vertrieben werden als es Microsoft im Massengeschäft gewohnt ist. Es dauerte eine ganze Weile bis Microsoft sein Partnerprogramm überhaupt auf die Besonderheiten von Business-Intelligence-Projekten ausrichten konnte. Planung erfordert im Vergleich zu Reporting und Analyse ein differenziertes Know-how des Vertriebs und erforderliche Consulting-Kapazitäten. Produkte aus dem Microsoft BI-Portfolio, mit Ausnahme von Excel, waren bisher immer eher für Anwender mit einer gewissen IT-Affinität ausgerichtet. Anwender von Planungsanwendungen sind in der Regel im Fachbereich zu finden und suchen Applikationen mit einer klaren Fachanwenderausrichtung.
- Mit PerformancePoint hat Microsoft in eine Architektur investiert, die es gar nicht hätte geben dürfen. Planungsfunktionen gehören eigentlich in die Datenbank, aber die Rückschreibfähigkeiten der SQL Server Analysis Services sind auch nach mehr als zehn Jahren im Portfolio immer noch unzureichend.

Konsequenzen

- Microsoft wird es jetzt deutlich schwieriger haben, sich als strategischer BI-Anbieter positionieren zu können. Planung ist eine wesentliche Aufgabe der Business Intelligence und hier öffnet sich eine klare Lücke im Produktportfolio von Microsoft. Wer als globalen Standard eine komplette Suite für BI-Aufgaben aus einer Hand sucht, dem bleiben nur noch drei große Anbieter - aber ob bei denen die Suite-Strategie funktioniert, muss abgewartet werden: Oracle muss Hyperion weiter integrieren, SAP Business Objects portiert BPC momentan auf SAP NetWeaver BI und IBM führt demnächst Cognos Planning und Applix TM1 Planung zusammen. Alle haben mit ähnlichen Problemen hinsichtlich Vertriebsstrategie und Integration mit Reporting und Analyse zu kämpfen.
- Sharepoint Server wird weiter aufgewertet in der gesamten Produktsuite. Ein Trend der schon länger zu beobachten ist. Für Business-Intelligence-Aufgaben muss sich Microsoft jetzt wieder auf SQL Server, Sharepoint und Office Anwenderwerkzeuge konzentrieren zur Abdeckung von Reporting und Analyseaufgaben. Für größere Planungsszenarien auf Basis von Microsoft SQL Server bot der PerformancePoint Server eine Workflow-Komponente zur Prozessunterstützung. Diese Funktion scheint komplett zu verschwinden.
- Es wird wieder einmal offensichtlich, dass Planung nur teilweise ein Technologiethema ist. Außerdem ist es ein lokaler Markt mit lokalen Anforderungen, was auch die vielen erfolgreichen lokalen Anbieter erklärt.
- Planung auf Microsoft SQL Server für große Szenarien sollte man grundsätzlich hinterfragen. Es gibt aber reichlich Anbieter mit Planungswerkzeugen für kleine Szenarien auf Basis von Microsoft SQL Server (die sich über diese Neuigkeit wahrscheinlich freuen). Hier sind einige Beispiele:

- Business Objects (SAP) BPC
- CoPlanner
- Corporate Planning
- Cubeware
- CUBUS
- Denzhorn
- evidanza
- macs Software
- Orbis
- Prevero
- Software4You
- Winterheller

BARC-Fazit

1. Ein neuer Beweis für unsere These: Kauf das Produkt, nicht den Anbieter. Wer denkt, dass die Größe eines Software-Anbieters für Stabilität in der Produktentwicklung und -kontinuität steht, der liegt genau falsch.

2. Ein strategischer Fehler von Microsoft. Planung gehört zum Business-Intelligence-Kontinuum und kann nicht einfach von Reporting und Analyse getrennt werden. Wer strategischer Anbieter für Business Intelligence in großen Unternehmen werden möchte, sollte ein Angebot haben. Wir würden uns nicht wundern, wenn Microsoft in einiger Zeit einen Planungsanbieter kauft oder ein Produkt aus dem bestehenden Portfolio um Planungsfunktionen erweitert, um diesen Fehler wieder zu korrigieren.

Business Application Research Center - BARC GmbH

Das Business Application Research Center (BARC), ein Spin-Off der Universtät Würzburg (Lehrstuhl Prof. Thome), bietet großen und mittelständischen Unternehmen neutrale und fundierte Unterstützung bei der Konzeption und Auswahl von Business-Intelligence- und Dokumentenmanagement-Systemen. Dabei kann BARC auf über zehn Jahre Erfahrung zurückblicken. Zahlreiche namhafte Unternehmen, darunter über 90 Prozent aller DAX-100-Unternehmen profitieren in vielfältiger Weise vom Know-how der BARC-Analysten.