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Pressemitteilung BoxID: 592200 (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie)
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Vermessung der Erde in einer neuen Dimension der Genauigkeit

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie lädt am 26. April 2013 zu einer festlichen Einweihung der TWIN-Radioteleskope am Geodätischen Observatorium Wettzell

(PresseBox) (Frankfurt am Main, ) Mit den TWIN-Radioteleskopen führt das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) die Vermessung der Erde in eine neue Dimension der Genauigkeit. Am Geodätischen Observatorium in Wettzell im Bayerischen Wald werden die weltweit einmaligen TWIN-Radioteleskope im Beisein von rund 150 international geladenen Gästen feierlich eingeweiht.

Der Präsident des BKG, Professor Hansjörg Kutterer, betont in seiner Begrüßungsansprache die Bedeutung des Observatoriums: "Das Geodätische Observatorium Wettzell ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher, maßgeblicher Partner im weltweiten geodätischen Beobachtungsnetz." Es wird gemeinsam BKG und von der Technischen Universität München betrieben und ist mit zahlreichen Präzisionsinstrumenten ausgestattet. Nun kommt in Wettzell ein weiteres, neuartiges System zum Einsatz. "Mit den TWIN-Radioteleskopen setzt Deutschland neue Maßstäbe in der geodätischen Infrastruktur und erweist sich erneut als wichtiger Impulsgeber für die Beobachtungstechnologie", so Professor Kutterer. Die Daten der Radioteleskope werden im Rahmen des Internationalen VLBI-Dienstes (IVS) ausgewertet. Hinter VLBI (Very Long Baseline Interferometry) verbirgt sich die Bestimmung der Länge von Basisstrecken zwischen weit entfernten Teleskopen.

Bei den neuen Teleskopen handelt es sich um zwei identische Radioteleskope mit einem Durchmesser von rund 13 Meter, die wechselseitig eingesetzt und teilweise automatisch betrieben werden können. Dadurch ist es möglich, notwendige Wartungs- und anfallende Reparaturarbeiten durchzuführen, ohne Beobachtungsreihen zu unterbrechen. Außerdem lassen sich auch gleichzeitig zwei Objekte (Quasare oder Satelliten) beobachten. Dies eröffnet eine deutliche Erweiterung der Beobachtungsszenarien und wird genauere Ergebnisse liefern. Durch die Nutzung neuer Frequenzbereiche, einer breitbandigen und hoch abgetasteten Aufzeichnung der Signale wird die Signalqualität erheblich gesteigert.

Professor Kutterer weist darauf hin, dass das BKG durch die Bereitstellung hochpräziser Beobachtungsdaten einen wichtigen Beitrag zum globalen Koordinatenreferenzsystem liefert. "Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie macht sich international stark für ein weltweit einheitliches, nachhaltig gesichertes Koordinatenreferenzsystem hoher Qualität. Dies ist auch eine unverzichtbare Grundlage für den Raumbezug in Deutschland", so Professor Kutterer.

Die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Cornelia Rogall-Grothe unterstreicht, dass die Bundesregierung mit der Bereitstellung beträchtlicher Haushaltsmittel für den Neubau der TWIN-Teleskope in Wettzell einen wichtigen Beitrag für die nationale und internationale geodätische Infrastruktur leistet und damit auch die internationale Spitzenposition Deutschlands auf diesem Gebiet gefestigt wird.

In seiner Ansprache betont Hans Pongratz, Vizepräsident IT-Systeme & Dienstleistungen der Technischen Universität München, die einzigartige Rolle des Geodätischen Observatoriums als High-Tech Forschungsstätte und gleichzeitiger Prototyp weltweit: "Hier in Wettzell wird seit Jahrzehnten Spitzenforschung auf höchstem Niveau im Rahmen der Forschungsgruppe Satellitengeodäsie (FGS) geleistet". Die wertvollen Erfahrungen und Forschungsergebnisse wirken weit über die Grenzen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik Deutschland hinweg.

In seinem Festvortrag geht Prof. Harald Schuh, langjähriger Leiter des internationalen Verbundes aller VLBI-Stationen (IVS) und Vizepräsident der Internationalen Assoziation für Geodäsie (IAG), auf die immense Bedeutung der beiden neuen TWIN-Teleskope für die internationale Wissenschaft ein. Er zeigt, dass mit den Beobachtungen dieser zwei besten derzeit verfügbaren Radioteleskope weltweit neben der Grundlagenforschung auch äußerst wichtige Daten mit hoher gesellschaftlicher Relevanz gewonnen werden. Hierzu zählt z.B. die Forschung in Bezug auf den global steigenden Meeresspiegel, die Erforschung von Naturgefahren (Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche) und die Klimaforschung. Aber was vielen nicht bekannt ist: auch die uns so vertrauten GPS-Navigationsgeräte benötigen als Grundlagendaten die Ergebnisse von Messungen der Radioteleskope.

Die VLBI ist ein hochgenaues Weltraumverfahren, erläutert Professor Schuh. Es wird seit den 1970er Jahren in der Astrophysik wie auch in der Geodäsie eingesetzt und hat bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert. So können z.B. weltweite Entfernungen mit Millimeter-Genauigkeit gemessen werden. Die VLBI trägt wesentlich zum globalen terrestrischen Referenzrahmen (ITRF) bei und liefert als einziges der geodätischen Weltraumverfahren den Bezug zum himmelsfesten Referenzrahmen sowie alle Erdorientierungsparameter (Polbewegung, Weltzeit, Präzession/Nutation).

Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie ist eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Es stellt ein einheitliches räumliches Bezugssystem (Koordinatensystem) für das gesamte Bundesgebiet sowie vielfältige Geobasisdaten für Bundeseinrichtungen, öffentliche Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürger. Hierfür unterhält es ein Dienstleistungszentrum und geodätische Observatorien, wie das in Wettzell.