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Pressemitteilung BoxID: 122530 (BUND LV Baden-Württemberg)
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BUND: Klimaschutz wird Verbrauchern unnötig schwer gemacht

EU-Label für Haushaltsgeräte ist veraltet - Auch Stromfresser erhalten A-Auszeichnung

(PresseBox) (Stuttgart, ) Landesregierung muss für bessere Verbraucherinformation sorgen

Klimaschutz ist derzeit in aller Munde. Dabei sind gerade auch die Verbraucher gefordert: Sie sollen durch den Kauf moderner Haushaltsgeräte zu einer Senkung des Energieverbrauchs und damit zum Klimaschutz beitragen. Genau das wird ihnen aber unnötig schwer gemacht, weil eine falsche Kennzeichnung und ein veraltetes EU-Label den Verbraucher in vielen Fällen in die Irre führen.

Rot-gelb-grün: An der Ampel-Skala sollte jeder Verbraucher beim Kauf einer neuen Wasch- oder Geschirrspülmaschine ablesen können, wie energieeffizient die Geräte arbeiten. Das EU-Label für Haushaltsgeräte suggeriert: A-Modelle arbeiten sparsam und schonen den Geldbeutel, G-Geräte verschwenden Energie und verursachen hohe Folgekosten. Doch die über zwölf Jahre alte Definition der EU für die Einteilung in A- bis G-Geräte ist vor allem für Wasch-, Spülmaschinen, Kühlschränke und Gefriertruhen veraltet und wird den modernen Geräten nicht mehr gerecht. „Wir begrüßen die Entwicklung energiesparender Haushaltsgeräte. Aber zu viele neue Geräte erhalten trotz hohem Energieverbrauchs die A-Auszeichnung. Schuld daran ist die veraltete EU-Ampel“, erklärt der baden-württembergische Landesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Michael Spielmann. Er fordert: „Um aus dem EU-Label wieder eine echte Orientierungshilfe für Verbraucher zu machen, müssen die Energieeffizienzklassen jetzt dringend aktualisiert und dem technischen Stand angepasst werden. Auch in Zukunft müssen die Klassen regelmäßig dynamisiert werden.“ Dabei sieht der BUND auch die Landesregierung in der Pflicht, die in Berlin und Brüssel Druck machen müsse für ein modernes und zeitgemäßes EU-Label.

Aber auch der für Verbraucherschutz zuständige Landesminister Peter Hauk (MLR) müsse selbst aktiver werden: „Der Verbraucherschutzminister muss seine Funktion hier ernster nehmen. Er muss die Kennzeichnung stärker kontrollieren als bisher, um die Kunden vor falschen Werbeaussagen des Handels und irreführenden Angaben beim Energieverbrauch zu schützen.“ Immer wieder würden in Werbeanzeigen angeblich sehr energiesparende Geräte ausgelobt, die tatsächlich nur eine sehr geringe Energieeffizienz haben.

Inzwischen wird fast jede neue Wasch- und Spülmaschine, jedes neue Kühl- und Ge-friergerät auf dem EU-Label mit dem grünen Pfeil der A-Klasse ausgezeichnet. Obwohl es sich bei zahlreichen Modelle um regelrechte Stromfresser handelt: Während zum Beispiel ein wirklich sparsames Kühlgefriergerät mit 181 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr auskommt, gibt es in der Energieeffizienzklasse A ein vergleichbar großes Gerät, das 434 kWh – und damit 140 Prozent mehr Energie – verbraucht. Spielmann: „Das ist schlecht für den Klimaschutz und belastet die Haushaltskasse in 15 Jahren mit über 700 Euro.“ Bei Geschirrspülern und Waschmaschinen scheinen die Unterschiede beim Energieverbrauch nur minimal zu sein. Doch die Folgekosten summieren sich im Laufe der Jahre auf mehrere Hundert Euro, warnt der BUND.

Die EU hat ihre Ampel bei den Kühl- und Gefriergeräten zwar um die Unterklassen „A+“ und „A++“ erweitert, doch der Orientierungsnutzen für den Verbraucher ist den-noch gering. Obwohl Kühl- und Gefrierschränke der Klasse „A“ einen vergleichsweise hohen Energieverbrauch haben, suggeriert das Label einen niedrigen Verbrauch. Der Handel verwendet zudem wahllos Begriffe wie „Energiespargerät“ oder „Öko-Modell“ und bewirbt B-Klasse-Geräte als Modelle „mit niedrigstem Energieverbrauch“. Spielmann betont: „Wenn dann auch noch der Energieverbrauch bei dem einen Kühlschrank pro Jahr, bei einem anderen pro Tag angegeben wird, hat der Verbraucher kaum noch eine Chance, die Geräte zu vergleichen. Bei den Waschmaschinen haben einige Hersteller einfach die Klasse „A+“ eingeführt – obwohl es die laut EU-Label bei diesen Geräten gar nicht gibt. Hier muss sich etwas ändern.“

Beim Kauf eines neuen Haushaltsgeräts empfiehlt der BUND den Verbrauchern, die farbigen Pfeile auf der EU-Ampel und vor allem die Werbesprüche zu ignorieren. Spielmann rät: „Achten Sie darauf, dass das Gerät möglichst wenige Kilowattstunden (kWh) Energie verbraucht. Diese Angabe können Sie dem EU-Label entnehmen. Das Gerät sollte nicht überdimensioniert sein und über Energiesparprogramme verfügen. Auf überflüssige, Strom verschwendende Funktionen wie eingebaute Uhren sollten Sie verzichten.“ Bei Trockner und Lampen hilft noch der Blick auf die Klasseneinteilung des EU-Labels, weil sie den aktuellen technischen Stand noch be-rücksichtigt. Bei Kühl- und Gefriergeräten sollten Verbraucher ausschließlich Geräte der Unterklasse „A++“ wählen. Als Richtwerte für sehr sparsame Geräte nennt der BUND: 150-Liter-Kühlschränke mit ca. 80 kWh im Jahr, 5-kg-Waschmaschinen mit ca. 0,8 kWh pro 60°C-Waschgang, breite Spülmaschinen mit ca. 1 kWh im sparsamsten Waschgang.

Spielmann erklärt: „Das EU-Label für Haushaltsgeräte kann erst dann wieder eine hilfreiche Orientierung für Käufer sein, wenn die Klassen an den Stand der Technik angepasst, die Kriterien stetig dynamisiert und die Kennzeichnungspflichten wirksam überwacht werden. Zudem fordert der BUND, die Kennzeichnungspflicht auf Geräte der Büro- und Unterhaltungselektronik auszudehnen.“