EMI: Exportschwäche zieht deutsche Industrieproduktion nach unten

(PresseBox) ( Frankfurt, )
Die rückläufigen Exporte nach Europa und Asien machen der deutschen Wirtschaft zu schaffen. Wegen des schwächelnden Auftragseingangs geht die Industrieleistung nun schon seit mehr als einem halben Jahr zurück. Das belegt der saisonbereinigte Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der sich im Oktober binnen vier Wochen um 1,4 Punkte auf 46,0 verschlechterte. Damit lag der wichtige Konjunktur-Frühindikator bereits zum achten Mal in Folge unter der magischen Grenze von 50, ab der Wachstum signalisiert wird.

"Der rückläufige EMI lässt vermuten, dass sich die Unternehmen auf ein schwieriges 4. Quartal einstellen müssen. Belege dafür sind ein weit verbreiteter Lagerabbau, Personalkürzungen sowie steigende Kosten für Kraftstoffe und Energie", betonte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Frankfurt.

"Nach einem Erfolg versprechenden Anstieg im September zeigt sich der EMI im Oktober noch einmal schwächer. Somit steht eine konjunkturelle Besserung noch nicht unmittelbar bevor, sagte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), dem BME. Hoffnungsfroh stimmten allerdings bessere konjunkturelle Signale aus Asien und den USA. "Somit halten wir an unserem Szenario einer konjunkturellen Belebung im nächsten Jahr mit einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in Höhe von rund 1,5 Prozent fest", so Traud abschließend.

Für Alexander Schumann, Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), zeigt "der erneute Rückgang des EMI nach dem Zwischenhoch vom Vormonat, wie tief die Verunsicherung bei den deutschen Unternehmen sitzt. Diese Entwicklung ist vor allem auf die schleppende Lösung der Euro-Schuldenkrise, Strukturprobleme vieler Industriestaaten und die langsamere Weltkonjunktur zurückzuführen. Mittlerweile habe sich das positive Konjunkturszenario vom Frühjahr als zu optimistisch herausgestellt, teilte Schumann auf BME-Anfrage mit. Seit den Wahlkämpfen in Frankreich und Griechenland im Mai bzw. Juni sei die Unsicherheit in der Wirtschaft zurückgekehrt. Die EU-Austrittsdiskussionen sowie schlechte Wirtschaftszahlen aus Spanien wirkten sich ebenfalls negativ auf die Investitionsbereitschaft der deutschen Unternehmen aus. Es werde langsam klar, dass der Weg aus dieser Strukturkrise lang und zäh sei. Schumann: "Alles in allem zeigt sich die deutsche Wirtschaft weiter robust; sie ist aber nicht immun gegen die Krise."

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Industrieproduktion: Der EMI-Teilindex Leistung büßte im Oktober gegenüber dem Vormonat 2,1 Prozentpunkte ein und liegt aktuell bei 46,3. Die stärksten Rückgänge mussten die Investitionsgüterhersteller verkraften, während die Konsumgüterindustrie leichte Steigerungen verbuchen konnte.

Auftragseingang: Der seit 16 Monaten anhaltende Auftragsrückgang schlägt verstärkt auf die Produktionsleistung der Global Player und KMU durch, so dass sich das Abwärtstempo im Vergleich zum September wieder beschleunigte. Nach Aussage der befragten Einkaufsmanager wirkte sich vor allem die sinkende Zuversicht der Kunden in die wirtschaftliche Entwicklung negativ auf deren Investitionsneigung aus. Besonders stark war davon die Automobilindustrie betroffen.

Der anhaltenden Schwäche auf den traditionellen Exportmärkten deutscher Unternehmen musste im Oktober weiter Tribut gezollt werden. Folglich wurde der zweitstärkste Rückgang der Exportaufträge seit April 2009 gemessen. Von der negativen Entwicklung - ausgelöst durch die schwierige Wirtschaftslage in Südeuropa und die zunehmend gedämpfte Investitionsneigung in Asien - waren alle drei Industriesektoren betroffen.

Auftragsbestände: Seit mehr als einem Jahr schrumpfen nun bereits die Auftragsbestände in der Industrie, was sich im Vormonatsvergleich sogar noch verstärkte. Die schlechte Auftragslage führte dazu, dass die Unternehmen die vorhandenen Kapazitäten zielgerichtet zur Abarbeitung der Aufträge einsetzten.

Beschäftigung. Viele Unternehmen sahen sich aufgrund der Schwächetendenzen der Wirtschaft im Oktober veranlasst, ihre Personalkapazitäten nach unten anzupassen. Der Beschäftigtenabbau war der zweitstärkste seit fast drei Jahren und betraf in besonderem Maße die Vorleistungsgüterindustrie. Es wurden vor allem frei werdende Stellen nicht ersetzt und Zeitarbeitsverträge nicht erneuert.

Fertigwarenlager/Vormateriallager: Als Reaktion auf die unterkühlte Stimmung in der Wirtschaft bauten die Einkaufsmanager die Lagerbestände weiter ab. Der EMI-Teilindex fiel den dritten Monat in Folge. Die gedrosselte Einkaufstätigkeit der Unternehmen ließ auch den Teilindex Vormateriallager deutlich in die Verlustzone rutschen. Die Bestände schrumpften so stark wie seit April dieses Jahres nicht mehr.

Lieferzeiten: Die Lieferanten scheinen die Kapazitäten erfolgreich an den aktuellen Bedarf angepasst zu haben. Hinzu kam der weltweit nachlassende Bedarf nach Einstandsmaterial. Deshalb blieben die Lieferzeiten im Oktober stabil.

Einkaufspreise: Der Oktober brachte den Einkaufsmanagern erneut steigende Preise. Besonders belastet wurden die Unternehmen durch die höheren Kosten für Kraftstoffe und Energie.

Verkaufspreise: Wie im bisherigen Jahresverlauf blieben die Verkaufspreise der Hersteller auch im Oktober nahezu unverändert. Unterschiede zeigten sich jedoch in den Sektoren: Während die Hersteller von Konsum- und Vorleistungsgütern erfolgreich höhere Angebotspreise durchsetzen konnten, musste die Investitionsgüterindustrie Preisnachlässe gewähren.

Der "Markit/BME-Einkaufsmanager-Index" (EMI) ist ein monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), Frankfurt. Er wird von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics, London, erstellt. Der Index beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager's Index (PMI).
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