Die Biotechnologie ist zurück

Dr. Christian Patermann von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission stellte in Stuttgart das weltweit größte Forschungsförderprogramm vor.

(PresseBox) ( Stuttgart, )
Mit dem Satz "Die Biotechnologie ist zurück" eröffnete der Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH, Dr. Klaus Eichenberg, ein Pressegespräch anlässlich des Besuchs von Dr. Christian Patermann von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission in der BioRegion STERN. Bundesweite Entwicklungstendenzen wie stark rückläufige Insolvenzquoten, verbesserte Bedingungen bei der Venture Capital-Finanzierung und eine bemerkenswerte Zunahme von Börsengängen sind unwiderlegbare Indikatoren, die in der STERN-Region durch die Zahl von zehn Neuansiedlungen und Gründungen im laufenden Jahr sowie rund 1.000 neuen Arbeitsplätzen im Life Science-Bereich seit 2003 gestützt werden. Auch für die kommenden Jahre stehen die Zeichen auf Erfolg. "Wir sind sehr optimistisch, dass sich die Biotechnologie als Motor für Innovation und Beschäftigung erweisen wird", so Dr. Eichenberg. Sorge bereite jedoch, dass nach wie vor weniger Gelder aus Brüssel in die Region flössen, als es möglich wäre.


Umso höher ist es deshalb zu schätzen, dass es der BioRegio STERN Management GmbH, der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH und dem Life Science Center der Universität Hohenheim bereits zum zweiten Mal gelungen ist, Dr. Patermann für Projekte in der Region zu interessieren. Diese Region habe eben eine Menge zu bieten, sagte Dr. Patermann, der seine Visite dazu nutzte, das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm FP7 vorzustellen und zu erläutern: Von den mehr als 55 Milliarden Euro, die zwischen 2007 und 2013 ausgegeben werden können, entfallen über zwei Milliarden Euro auf Patermanns Direktionsbereich "Biotechnologie, Landwirtschaft und Ernährung". Ein Quantensprung sei das FP7 zwar nicht, sagte Dr. Patermann, der sich eine noch bessere Ausstattung wünschen würde, schließlich sollen Projekte in allen 27 Mitgliedsstaaten gefördert werden. Positiv sei jedoch, dass die Biotechnologie angemessen berücksichtigt werde. Zusätzliche Chancen für die deutschen BioRegionen und Life Science Center sieht Dr. Patermann nicht zuletzt im Bereich der Non Food-Produkte. So mache das teure Öl Themen wie Bioenergie und Biokraftstoffe hoch interessant - Bereiche in denen die Unternehmen der BioRegion STERN durchaus aktiver werden könnten, so Dr. Patermann. Das war offensichtlich Wasser auf Dr. Eichenbergs Mühlen: "Mit diesen Themen werden wir sehr bald auf Brüssel zukommen. Ein erster Antrag aus den Bereichen Bioverfahrenstechnik und Bioenergie ist bereits in Vorbereitung."Neben der Vorstellung des weltweit größten Forschungsförderungsprogramms suchte Dr. Patermann den Kontakt mit der regionalen Biotechnologieindustrie.

Auf dem Programm standen Besuche bei den Stuttgarter Unternehmen IN VITRO BIOTECH GmbH und Blessing Biotech GmbH. Am Pressegespräch, das bei Blessing in Stuttgart-Feuerbach stattfand, nahm neben Dr. Patermann, Dr. Eichenberg und Blessing-Geschäftsführer Jörg Groth auch der Leiter der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart, Dr. Klaus Vogt, teil. "Die Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie der Zukunft, und wir setzen darauf, dass sich in den kommenden Jahrzehnten eine Industrie entwickeln wird, die viele hoch qualifizierte Arbeitsplätze anbieten und maßgeblich zum Wohlstand der Region beitragen kann", sagte Dr. Vogt. Als Aufsichtsratsmitglied der BioRegio STERN Management GmbH wie als Wirtschaftsförderer wisse er die Bedeutung dieser Einrichtung und ihres Geschäftsführers auch für die Landeshauptstadt zu schätzen. "Wir engagieren uns sehr gern in der BioRegio STERN Management GmbH - eine gut funktionierende Kooperation mit Zukunftspotential", so Dr. Vogt. Den zweiten Besuch von Dr. Patermann in zwei Jahren sehe er, mit Blick auf die im Rahmen des FP7 in Aussicht gestellten Fördermittel, gleichfalls als positives Signal. Jörg Groth, dem es von Anfang an gelungen ist, sein schnell wachsendes Unternehmen - Blessing ist Dienstleister als Lieferant von Starterkulturen für die Lebens- und Futtermittelindustrie sowie von Auftragsfermentationen - ohne Fremdmittel erfolgreich zu führen, nutzte die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass einige Biotech-Unternehmen in der Region heute schon profitabel arbeiten. Die IN VITRO BIOTECH GmbH in Stuttgart-Wangen, die Dr. Patermann zunächst besucht hatte, ist vor allem mit Tests, darunter der "100-Minuten Schnelltest für BSE", erfolgreich.

Vor rund 60 Experten erläuterte Dr. Patermann nachmittags an der Universität Hohenheim - die er respektvoll als "Leuchtfeuer der Agrarwissenschaft in Deutschland" bezeichnete - vor allem Details zu den FP7-Bewerbungsverfahren. Als Vertreter von Politik und Wirtschaft nahmen Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU, MdL) vom baden-württembergischen Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig, Rektor der Universität Hohenheim sowie Prof. Dr. Andreas Fangmeier vom Life Science Center der Universität Hohenheim und Sylvia Schreiber, Leiterin des Europabüros der Region Stuttgart in Brüssel, teil. "Jeder fünfte Euro zur Projektförderung kommt heute schon aus Brüssel", sagte Dr. Patermann in Hohenheim. Der Aufbau einer europäischen wissensbasierten Bio-Ökonomie, die auf ein nachhaltiges Management von biologischen Ressourcen abzielt, sei eine der zentralen Aufgaben des FP7. Die Europäische Kommission lege besonderen Wert auf die Staaten übergreifende kollaborative Forschung sowie die Pioneer- und Grundlagenforschung. Dies sei ganz im Interesse der Universität Hohenheim, sagte Staatssekretärin Gurr-Hirsch, die den guten Kontakt zum Leiter der Direktion E ausdrücklich begrüßte. Dass nur zehn Prozent der Mittel in die Agrarforschung gingen, werfe allerdings die Frage auf, ob die Akteure beider Seiten - Entscheider wie Antragsteller - die Wichtigkeit dieser wissenschaftlichen Disziplin überhaupt erkannt hätten. Hier würden schließlich Lösungen für globale Probleme entwickelt. "Um die Agrarforschung in Baden-Württemberg an der Spitze zu halten, muss die Kooperation zwischen der Universität Hohenheim und den Landesanstalten ausgebaut werden", so Staatssekretärin Gurr-Hirsch weiter. Der durch die Kooperation der Universität mit der BioRegio STERN Management GmbH und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH ermöglichte Besuch Dr. Patermanns unterstreiche den Wissens- und Technologietransfer in die Praxis, was ja eine der Kernaufgaben richtig verstandener Wirtschaftsförderung sei.

Sylvia Schreiber beschrieb die Situation Deutschlands am Ende des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms, des FP7-Vorgänger-Programms, kurz und prägnant: "Kürzlich präsentierten Vertreter aus den Bereichen BioScience, Agrikultur und Lebensmittelwissenschaft ihre erschütternd guten Ergebnisse - das Erschütterndste war, dass kein einziger Deutscher darunter ist." Dass die Forschungsintensität der europäischen Unternehmen im Bereich Ernährung bei einem Zwanzigstel der bei der Chemie-, Automobil- oder Informationstechnologie-Industrie üblichen Größenordnung liege, beunruhigt Dr. Patermann. Mit 860 Milliarden Euro liege die Ernährungsindustrie europaweit an der Spitze aller Industrien - entsprechend viel habe man zu verlieren. "Den globalen Wettbewerb in der Landwirtschaft haben viele noch gar nicht erkannt", so Dr. Patermann. "Eine gute Ausbildung ist die Grundvoraussetzung für nachhaltige Erfolge. Die Forschung muss neues Wissen produzieren, das wiederum in innovative Produkte umgesetzt wird." Dieses "Dreieck" gelte es in die nationalen Systeme zu transformieren. Die STERN-Region könne er nur dringend auffordern, sich mit Anträgen nicht zurückzuhalten. "Diese Region hat viel zu bieten - nutzen Sie ihre Chancen!"
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