Mercedes versinkt im Beton

(PresseBox) ( Erkrath, )
Der Künstler Cornel Wachter betonierte seine Mercedes A-Klasse vor dem Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Hommage-Spektakel anlässlich Wolf Vostells 75. Geburtstag.

Wahrscheinlich hätte Wolf Vostell selbst große Freude an dem gehabt, was am 14. Oktober vor dem Rheinischen Landesmuseum in Bonn stattfand: Ein großes Beton-Mischfahrzeug hielt auf dem Platz des Museums, anschließend wurde frischer Beton in eine rechteckige, übermannshohe Schalung gepumpt, in der sich die leuchtend-rote und fahrbereite Mercedes A-Klasse des Künstlers Cornel Wachter befand. Allmählich verschwand das Fahrzeug, bis es schließlich vollständig von dem hydraulischen Baustoff bedeckt war.

Provokation und Verschwendung?
Wie kommt jemand dazu, ein funktionsfähiges Auto zu betonieren? Die Frage war neben einer kindlichen Faszination den meisten Gesichtern der Schaulustigen abzulesen. Für den Kölner Künstler Cornel Wachter geht es laut eigener Aussage um mehr, als um bloße Provokation. Zum einen handelt es sich bei dem Happening um eine Hommage eines Kunstwerks von Wolf Vostell, dem „Ruhenden Verkehr“, das noch heute in Köln am Straßenrand zu bewundern ist. Wachter erinnert mit seiner Aktion an den berühmten deutschen Künstler, der am 14. Oktober 75 Jahre alt geworden wäre, anlässlich einer Ausstellung, die derzeit im Rheinischen Landesmuseum präsentiert wird.

Andererseits hält Wachter das Thema des „Ruhenden Verkehrs“ nach wie vor für hoch aktuell. In einer Zeit, die von Schnell- und Kurzlebigkeit diktiert wird, soll das stillgelegte Fahrzeug zum Nachdenken anregen. Die offensichtliche Verschwendung, ein fahrtaugliches Auto zu versenken, wird mit den Augen des Künstlers zu einer Investition: einer Investition in das Innehalten und Nachdenken darüber, was für uns wertvoll ist. Angesichts der Tatsache, dass Wachter es mit seinem Kunstwerk geschafft hat, verschiedene Teile der Gesellschaft für sein Projekt zu begeistern und somit zu vereinen – von der Galeristin und Familie Vostells über Museum und Bauindustrie bis hin zum Publikum, erhält der Wert des „verschwendeten“ Autos eine neue gesellschaftliche Bedeutung. Provokation wird zur Integration. Cornel Wachter sieht sich selbst deshalb als „Dirigenten“, das Werk Vostells als Partitur und die Beteiligten an dem Projekt als Solisten, die gemeinsam das Kunstwerk neu interpretieren.

Autos und Beton: 1969 und heute
Dass sich Beton für die Stilllegung eines Autos besonders eignet, versteht sich von selbst, denn er ist bei vergleichbar geringen Kosten beliebig formbar und erreicht anschließend eine hohe Festigkeit. Doch so wie sich Form und Aussehen von Kraftfahrzeugen in den letzten 40 Jahren geändert haben, änderte sich auch die Leistungsfähigkeit und Einsetzbarkeit des Betons.

1969 legte Vostell seinen kantigen Opel Kapitän still, indem er ihn mit einem Mantel aus grobem Stahlbeton verhüllte. Es existieren Bilder, die zeigen, wie Vostell die Stahlarmierung zurechtbiegt oder den erdfeuchten Beton mit den Händen glatt streicht. Die Skulptur von Cornel Wachter hingegen entspricht der heutigen Zeit: Sie wurde dem abgerundeten Design der A-Klasse angepasst und wird hinsichtlich ihrer Form dem Aussehen heutiger Autos ähneln. Bei dem verwendeten Beton hingegen handelt es sich um ein High-Tech-Produkt der Zement- und Betonindustrie: Der selbstverdichtende Beton mit Polypropylen-Fasern benötigen weder eine Stahl-Bewehrung, noch muss der Beton nach dem Einfüllen in das Bauteil anschließend verdichtet werden. Moderne Fließmittel ermöglichen eine hohe Konsistenz des Frischbetons, sodass sich das Material wie von selbst innerhalb der Schalung verteilt. Die beigemengten Fasern schützen das fertige Bauteil zusätzlich vor einer augenscheinlichen Rissbildung.

Somit ist die Skulptur Vostells mit ihrer groben Oberfläche und der durchschimmernden Bewehrung verglichen mit derjenigen von Cornel Wachter in betontechnologischer Hinsicht ein Paradebeispiel dafür, was sich in den letzten Jahren getan hat. Denn so wie sich Design und Performance von Autos in den letzten Jahren erheblich verändert haben, ist auch Beton heute ein Baustoff, der höchsten Ansprüchen hinsichtlich Aussehen, Sicherheit und Nachhaltigkeit genügt.
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