BDZV-Präsident Döpfner: Google hat das deutsche Verlegerrecht faktisch ausgehebelt

Konferenz Chefredakteure tagt heute in Berlin

Berlin, (PresseBox) - „Journalismus muss weiter eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen“, das sagte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner, zum Auftakt der Konferenz Chefredakteure, zu der der BDZV heute nach Berlin eingeladen hat. Dies werde jedoch nur mit funktionierenden Geschäftsmodellen im Digitalen gelingen. Sein Verhältnis zu globalen Playern wie Google und Facebook bezeichnete der BDZV-Präsident vor diesem Hintergrund als „gespalten“: Beide böten große Chancen bei der Generierung von Traffic und der Herstellung von Reichweite. Zugleich dürfe man nicht verkennen, dass diese Plattformen „einen ganz konkreten Zweck verfolgen, nämlich unsere Reichweite zu monetarisieren, ohne dass sie einen einzigen Inhalt selbst geschaffen haben“.

Der BDZV-Präsident wies in der Debatte mit den rund 60 Teilnehmern der Konferenz darauf hin, dass das deutsche Verlegerrecht durch Google aufgrund seiner Marktmacht faktisch ausgehebelt worden sei. „Wir profitieren nicht von dem Traffic, den Google uns verschafft“, sagte Döpfner, „wir sind komplett davon abhängig.“ Nur deshalb hätten sich die meisten Verlage den Forderungen des Suchmaschinenanbieters vorerst unterworfen. Er erwarte jedoch, dass das geplante Verlegerrecht auf EU-Ebene für die Verlage einen besseren Hebel ermöglichen werde.

Fokus-Themen der Konferenz sind heute außerdem Kooperations- und Kollaborationsstrategien der Verlage sowie der der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Redaktion. So erläutert Jörg Quoos, Chefredakteur Zentralredaktion Funke Mediengruppe (Berlin), die Vorteile gemeinsamer Nachrichtenproduktion für die verschiedenen Tageszeitungen der Gruppe; Annette Ludwig, stellvertretende Chefredakteurin „Westdeutsche Zeitung“ (Düsseldorf), und Thomas Thelen, stellvertretender Chefredakteur „Aachener Zeitung“/„Aachener Nachrichten“, präsentieren das Aachen-Düsseldorfer Deskmodell zweier benachbarter Verlage.

Roboterjournalismus und Künstliche Intelligenz (KI) sind die Buzzwords beim Vortrag „Die Bots sind da“. Marc Del Din, Geschäftsführer NWZ Digital, und Lars Reckermann, Chefredakteur „Nordwestzeitung“ (beide Oldenburg), berichten, wie sich aus Daten automatisch Texte generieren lassen und wo solche Werkzeuge in der Redaktion sinnvoll einzusetzen sind. Saim Alkan, CEO AX semantics (Stuttgart), hat mit seinem Start-up die Codes dazu entwickelt.

Marktforschung aus im Verlag bereits vorhandenen Daten stand am Anfang des Projekts Nord 24. Dabei stellte sich heraus, dass die „Nordseezeitung“ einzelne Zielgruppen in Bremerhaven – etwa junge Leute – weder gedruckt noch digital erreicht. Wie eine veränderte Strategie den Weg zu neuen Zielgruppen ebnet, schildern Lili Mafiotte, Redakteurin Social Media Nord 24 Bremerhaven, und André Hellmann, Geschäftsführer Netzstrategen (Karlsruhe).

Vom wenig geliebten Stiefkind zur Cash-Cow: Eine Erfolgsstory aus der Schweiz stellt zum Abschluss Marcel Kohler, Mitglied TA Unternehmensleitung + Leiter Bereich Advertising und Pendlermedien (Zürich), mit „20 Minuten“ vor. Die Konferenz wird moderiert von Peter Stefan Herbst, Chefredakteur „Saarbrücker Zeitung“, und Bascha Mika, Chefredakteurin „Frankfurter Rundschau“.

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