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Pressemitteilung BoxID: 645913 (Bayerische Akademie der Wissenschaften)
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"Beitrag zur Leuchtkraft des Wissenschaftsstandortes Bayern" - Jahressitzung 2013 der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Grußwort von Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle / Bericht des Präsidenten / Preisverleihungen über 24.000 Euro / Vortrag von Monika Schnitzer über "Experimente in der Wirtschaftspolitik"

(PresseBox) (München, ) "Die Bayerische Akademie der Wissenschaften leistet einen wichtigen Beitrag zur Leuchtkraft des Wissenschaftsstandortes Bayern", eröffnete der Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Dr. Ludwig Spaenle sein Grußwort. Im Hinblick auf die Strukturevaluierung von 2012/2013 sagte er: "Die Bayerische Akademie soll als Gelehrtengesellschaft erhalten bleiben, ihre Rolle in der Wissenschaftslandschaft soll gestärkt und ihre nationale wie internationale Wahrnehmung soll weiter erhöht werden." Auf vielen Ebenen, so der Minister, fänden zukunftsgerichtete Gespräche statt. "Diese Bayerische Akademie der Wissenschaften ist auf dem Weg, eine der ganz großen Akademien zu werden", erklärte Spaenle.

Akademiepräsident Prof. Dr. Karl-Heinz Hoffmann informierte über den Stand der Strukturevaluierung, der sich die Akademie als erste der deutschen Länderakademien unterzogen hat: "Die Akademie hat im Sommer 2013 Arbeitsgruppen eingesetzt, die derzeit intensiv daran arbeiten, die Ergebnisse zu bewerten und ihre Umsetzbarkeit abzuschätzen. Der weitere Zeitplan sieht vor, dass Anfang nächsten Jahres nach ausführlicher Diskussion im Plenum der Akademie erste Eckpunkte einer Reform formuliert werden können." Dabei komme es entscheidend darauf an, wie die Gelehrtengemeinschaft, als die sich die Akademie verstehe und der in der Stellungnahme geforderte Forschungsanspruch zusammengeführt werden könne und welche, auch finanzielle, Unterstützung in diesem Prozess der Freistaat Bayern zu gewähren bereit sei, so der Präsident. "Es kann damit gerechnet werden, dass noch vor der Sommerpause ein Reformkonzept steht und der zuständigen Aufsichtsbehörde zugeleitet wird", versprach Hoffmann.

Festvortrag

"Mehr Empirie wagen!" forderte Prof. Dr. Monika Schnitzer, Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der LMU München und seit 2008 ordentliches Mitglied der Akademie, in ihrem Festvortrag. Sie stellte darin Feldexperimente in der Wirtschaftspolitik vor, also Studien, bei denen unter realen Bedingungen die Wirksamkeit einer Maßnahme überprüft wird. Die Teilnehmer werden dabei zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, und nur die Interventionsgruppe erfährt die Förderung, während die Kontrollgruppe keine Förderung erhält. Anhand von Beispielen, z. B. der Förderung frühkindlicher Bildung in den USA, der Förderung jugendlicher Arbeitsloser in Frankreich und der Förderung von Kleinunternehmen in Sri Lanka, belegte sie Sinn und Wirksamkeit von Experimenten in der Wirtschaftspolitik. Nur so könne man Maßnahmen in einer kleinen Kontrollgruppe auf ihre Effektivität untersuchen, bevor man sie in einem größeren Rahmen umsetze, so Schnitzer. "In Deutschland stoßen Experimente zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen allerdings bisher auf viel Skepsis und Vorbehalte, ethischer und juristischer Natur, und werden deshalb bisher kaum eingesetzt", sagte sie. Warum Politikmaßnahmen aber insgesamt so wenig auf den Prüfstand gestellt werden, könne sie nur mutmaßen. "Wollen die Geldgeber, die Steuerzahler, bei uns keine Effekte sehen? Dass sich die politisch Verantwortlichen nicht trauen, die von ihnen vertretenen Politikmaßnahmen auf den Prüfstand zu stellen, das wollen wir nicht hoffen", so die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Preise und Auszeichnungen 2013

Die Akademie vergab 2013 Preise im Gesamtwert von 24.000 Euro. Sie zeichnete damit herausragende Leistungen, insbesondere des wissenschaftlichen Nachwuchses in Bayern, aus.

Den Preis der Peregrinus-Stiftung erhielt PD Dr. Uwe Wilhelm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg für seine herausragende Habilitationsschrift "Das deutsche Kaiserreich und seine Justiz. Justizkritik-politische Strafrechtsprechung-Justizpolitik". Der 1997 von Rudolf Meimberg ins Leben gerufene Preis würdigt Arbeiten, die dem Verständnis interdisziplinärer Zusammenhänge dienen bzw. auch gesellschaftspolitisch relevant sind und ist mit 8.000 Euro dotiert.

Der Max Weber-Preis ging an Dr. Martina Niedhammer (Jg. 1981) vom Collegium Carolinum in München für ihre Dissertation "Nur eine ,Geld-Emancipation'? Loyalitäten und Lebenswelten des Prager jüdischen Großbürgertums 1800-1867". Der Preis wird für besondere Leistungen in den Geisteswissenschaften vergeben, ist mit 4.000 Euro dotiert und wird aus Mitteln der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Bayern finanziert.

Mit dem Arnold Sommerfeld-Preis zeichnete die Akademie den Physiker Prof. Dr. Martin Eckstein (Jg. 1979, Universität Hamburg) aus, und zwar für seine herausragenden theoretischen Beiträge zur Nichtgleichgewichtsphysik korrelierter Vielteilchensysteme, z. B. Elektronen in einem Festkörper. Der Preis ist mit 4.000 Euro dotiert und wird aus Spenden finanziert.

Den Akademiepreis, der an Personen verliehen wird, die nicht hauptamtlich in der Forschung tätig sind, erhielt Prof. Dr. Peter Rau, ehemaliger Direktor der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Die Akademie würdigt damit seine achtbändige Edition und kommentierte Übersetzung der beiden römischen Komödiendichter Plautus und Terenz. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird aus Mitteln der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften in Bayern finanziert.

Der Akademiepreis der Karl Thiemig-Stiftung für Nachwuchsförderung ging an Dr. Ellen Latzin (Jg. 1974), Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Akademie, für ihren herausragenden Einsatz, insbesondere bei der Chefredaktion der Zeitschrift "Akademie Aktuell". Der Preis dient der Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Akademie und ist mit 3.000 Euro dotiert.

Die Redemanuskripte finden Sie unter www.badw.de/aktuell/pressemitteilungen/archiv/2013/PM_2013_36

Bayerische Akademie der Wissenschaften

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften, gegründet 1759, ist eine der größten und ältesten Akademien in Deutschland. Sie ist zugleich Gelehrtengesellschaft und Forschungseinrichtung von internationalem Rang. Mit rund 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreibt sie Grundlagenforschung in den Geistes- und Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt auf langfristigen Vorhaben, die die Basis für weiterführende Forschungen liefern und die kulturelle Überlieferung sichern. Sie ist ferner Trägerin des Leibniz-Rechenzentrums, eines der größten Supercomputing-Zentren Deutschlands, und des Walther-Meißner-Instituts für Tieftemperaturforschung. Seit 2010 betreibt sie ein Junges Kolleg für den exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchs in Bayern.