Haben CO2-Netto-Null-Verpflichtungen eine Marketing-Komponente? Wahrscheinlich. Gehen sie über reines Marketing hinaus? Definitiv

(PresseBox) ( München, )
Früher war die Festlegung von Klimazielen Sache der öffentlichen Akteure. Jetzt aber sind zunehmend Investoren mit an Bord. Es gibt immer mehr Net-Zero-Allianzen aller Art, z.B. von Finanzinstituten, Anlagenbesitzern, Banken und Vermögensverwaltern. Auf der UN-Klimakonferenz COP26 wird im November die Glasgow Financial Alliance for Net Zero ins Leben gerufen werden.

Was bedeuten die Netto-Null-Verpflichtungen für Investoren? – Zweifellos ist Netto-Null eine große Herausforderung für die Investmentwelt: Es gibt keine einheitliche Antwort, keinen einheitlichen Weg zu Netto-Null, und Methoden sowie wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich so schnell weiter, so dass heutige Lösungen morgen vielleicht schon keine Gültigkeit mehr haben.

Vier wichtige Aspekte, die Investoren im Blick haben sollten:

1. Aktuell noch kein perfektes Netto-Null-Produkt am Markt

Investoren können zwar bestimmte einheitliche Netto-Null-Anstrengungen von den Unternehmen erwarten, in die sie investieren. Diese müssen die Dekarbonisierung gegenüber Kunden und Regulierungsbehörden nachweisen und von der Politik vorgegebenen Leitlinien folgen.

Die Umsetzung der Netto-Null-Verpflichtungen in die Anlagestrategien der Investoren wiederum ist aber eine schwierige Aufgabe, weil verschiedene Ansätze in Frage kommen: Entweder Top-Down also Dekarbonisierungsziele für das Portfolio als Ganzes festzulegen, die mit den Netto-Null-Emissionszielen übereinstimmen. Bottom-Up dagegen startet mit der Auswahl einzelner passender Unternehmen für das Netto-Null-Ziel. Es ist derzeit noch nicht möglich, ein perfektes "Netto-Null-Investmentprodukt" zu entwickeln, da es zu wenige Projekte und Unternehmen gibt, die Netto-Null-Emissionen aufweisen oder sich zumindest dazu verpflichten.

Es gibt auch kein Produkt am Markt, das für alle Anlageklassen und Regionen konzipiert ist. Die fortschrittlichsten sind im passiven Bereich zu finden, mit den Paris Aligned Benchmarks (PABs) und Climate Transition Benchmarks (CTBs) der Europäischen Kommission als Basis. Die Finanzbranche hat also viel Raum, um Produkte zu entwickeln. Flexibilität ist dabei ein wichtiger Faktor. Quasi täglich werden neue relevante Indikatoren und valide Daten verfügbar. Wichtig ist ein Realitätscheck, ob sich die CO2-Reduzierung auch wirklich in der Realwirtschaft niederschlägt oder Investoren nicht einfach nur umweltschädliche Sektoren meiden.

2. Praktikable Messgrößen und Netto-Null-KPIs müssen her

Investoren und Vermögensverwalter werden in ihrem Anlageprozess auch neue Messgrößen verwenden müssen, um den Beitrag der Emittenten zum Netto-Null-Ziel zu messen. Einige davon sind bereits verfügbar bzw. in Arbeit, wie wissenschaftlich fundierte Zielvorgaben (science-based targets, SBTs) und Temperatur-Scores, um die CO2-Reduktion von Unternehmen im Vergleich zu den globalen Bemühungen um Netto-Null zu standardisieren. Diese Metriken sollen sicherstellen, dass Unternehmen ihren CO2-Ausstoß effektiv reduzieren und Investoren somit aktiv zum CO2-Ziel beitragen. Für mehrere Schlüsselsektoren müssen jedoch noch sektorspezifische Wege entwickelt werden.

Investoren müssen den Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit nachweisen, dass sie sich in die richtige Richtung bewegen; so wird das Reporting zum Schlüsselelement. Innovationen bei den wichtigsten Performanceindikatoren (KPIs) werden entscheidend sein, denn die derzeit verfügbaren Instrumente haben ihre Grenzen. Investoren sollten eng mit Datenanbietern zusammenarbeiten, um die richtigen KPIs zu finden, die sicherstellen, dass sie ihre Verpflichtungen einhalten. Mit anderen Worten: Netto-Null-Verpflichtungen von Investoren werden nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Welt auf eine Netto-Null-Wirtschaft zubewegt, und die KPIs müssen dies widerspiegeln.

Ein weiterer Aspekt: Ein grüner Übergang kann nicht ohne einen sozial integrativen Ansatz erreicht werden. Die Bewertung der sozialen Akzeptanz ist bereits jetzt entscheidend für die Einschätzung des Investmentrisikos in der Umsetzungsphase.

3. Neue Anlageklassen sollten ins Portfolio

Das aktuelle Szenario erfordert eine enorme Mobilisierung von Privatkapital. Investoren sollten ihre Ziele an die geografischen Gegebenheiten anpassen. Ein differenzierter Ansatz pro Region – z. B. Industrieländer versus Schwellenländer – ist sinnvoll. Zudem sind teilweise auch Finanzierungshindernisse zu beseitigen. Dazu können Strategien gehören, die auf öffentlich-privaten Kooperationen aufbauen, die beispielsweise die Finanzierungskosten für Entwickler sauberer Energien senken und gleichzeitig institutionellen Anlegern die Möglichkeit geben, Kapital über ihre üblichen Grenzen hinaus zuzuweisen und innerhalb ihres Risikorahmens zu bleiben.

Dabei sollten Investoren neue Anlageklassen miteinbeziehen, etwa grüne Schwellenländer-Anleihen, grüne private Finanzierungen zur Unterstützung von Innovationen und Infrastruktur für erneuerbare Energien. Die besonderen Merkmale von Projekten und Infrastruktur im Bereich der sauberen Energien stärken auch die Rolle des Fremdkapitals. Unternehmen, die sich auf ihre eigene Bilanz verlassen, können ihre Projekte im Bereich der sauberen Energien nicht so schnell finanzieren, wie es in Netto-Null-Szenarien erforderlich wäre. Außerbilanzielle Finanzierungen, wie z. B. Projektfinanzierungen, können daher ein wichtiger Hebel für Netto-Null-Bemühungen sein.

4. Strategische Vermögensallokation an ESG anpassen

Die strategische Asset Allocation (SAA) ist einer der Eckpfeiler der Portfoliokonstruktion von Investoren. In der Praxis ist die Integration von ESG-Faktoren schwierig: Während ESG-Ansätze oft nach dem Bottom-up-Prinzip aufgebaut sind, besteht die traditionelle SAA auf einem Top-down-Ansatz. Standards für die SAA sind historische quantitative Analysen. Dagegen erfordert ein Großteil des Investitionsrisikos im Zusammenhang mit dem Klimawandel die Ausweitung in Richtung qualitativen und zukunftsorientierten Inputs. Um die Widerstandsfähigkeit ihrer Portfolios zu verbessern, müssen die Klimarisiken transparent gemacht werden. Darüber hinaus sollten Investoren darüber nachdenken, systematischer mit politischen Entscheidungsträgern zu kommunizieren, um eine koordinierte politische Antwort auf die Klimakrise zu formulieren. Der Dialog auf Branchen- und Politikebene könnte eine wichtige Rolle im allgemeinen Portfoliorisikomanagement spielen.“

Quelleninformationen und weitere Informationen finden Sie im aktuellen Thematic Paper ESG Thema #3 „How can investors contribute to Net Zero efforts“ und im Amundi Research Center.

Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 14.10.2021. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.
 
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