Bericht über Erdbeben und Tsunami im Indischen Ozean am 11.04.2012

(PresseBox) ( Tübingen, )
Am 11. April 2012 ereigneten sich um 14:38 Uhr Ortszeit (08:38 Uhr, 11.04.2012 UTC) und 16:43 Uhr Ortszeit (10:43 Uhr, 11.04.2012 UTC) etwa 100 km südwestlich der Südwestküste von Sumatra, Indonesien, zwei Erdbeben mit einer Magnitude Mw 8,6 und Mw 8,2 in einer Tiefe von rund 23 Kilometern und 16 Kilometern. Aufgrund der Erdbebenmagnitude und der Position des Epizentrums relativ nahe unter dem Meeresboden bestand die Gefahr eines zerstörerischen Tsunamis. Daher wurden die Abonnenten des Tsunami-Alarmsystems unmittelbar nach dem Erdbeben vor der Gefahr eines potentiellen Tsunamis gewarnt.

Durch das größere der beiden Erdbeben wurde ein Tsunami ausgelöst. Medienberichten zufolge erreichten die Wellen in Küstennähe allerdings nur selten Höhen von mehr als einem Meter, weshalb der Tsunami vergleichsweise geringe Schäden verursachte. Betrachtet man jedoch die Erdbebenmagnitude und die Tiefe des Hypozentrums, kann es ungewöhnlich erscheinen, dass durch das Erdbeben kein deutlich größerer Tsunami ausgelöst wurde. Erst einige Zeit nach dem Erdbeben konnte mit Sicherheit gesagt werden, dass der Grund dafür in dem zugrundeliegenden tektonischen Mechanismus lag. Das zweite Erdbeben sorgte circa zwei Stunden später für zusätzliche Unsicherheit und die Situation musste erneut bewertet werden. Es stellte sich jedoch heraus, dass sich in beiden Fällen die Gesteinsschollen vor allem horizontal zueinander bewegt haben, wodurch vergleichsweise wenig Wasser in Bewegung geriet. Starke Tsunamis können jedoch nur dann entstehen, wenn der Meeresboden und die Wassersäule darüber stark vertikal versetzt werden. Um etwa 14:45 UTC konnte daher Entwarnung gegeben werden, da aufgrund weitergehender Daten über den Bebenmechanismus keine Anhaltspunkte für eine anhaltende Bedrohung durch den Tsunami vorlagen. Horizontale Verschiebungen wie in diesem Fall sind zwar nichts Ungewöhnliches, jedoch verursachen sie normalerweise nur sehr viel schwächere Beben. Das Erdbeben ist daher das stärkste jemals beobachtete, bei dem weder durch die Erschütterungen selbst, noch durch den verursachten Tsunami ernsthafte Schäden entstanden sind.

Geologischer Hintergrund:

Das Beben ereignete sich aufgrund einer Blattverschiebung innerhalb der ozeanischen Lithosphäre der Australischen Platte. Das Epizentrum lag in etwa 100 km südwestlich der großen Subduktionszone, welche sich an der Plattengrenze zwischen der Australischen Platte und der Sundaplatte befindet. Dort bewegt sich die Australische Platte, relativ zur Sundaplatte, in nord-nordwestlicher Richtung mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 52 mm pro Jahr.

Große Blattverschiebungen sind in dieser Region zwar selten, können aber durchaus vorkommen. Seit dem großen M 9,1 Erdbeben vom Dezember 2004, welches einen 1300 km langen Bruch an der Plattengrenze verursachte, gab es insgesamt drei größere Blattverschiebungen in unmittelbarer Nähe des Epizentrums vom 11. April 2012. Diese Beben ereigneten sich am 19. April 2006 (Mw 6,2), am 4. Oktober 2007 (Mw 6,2) und am 10. Januar 2012 (Mw 7,2). In allen drei Fällen war die Art der Verschiebung sehr ähnlich.

Quellen:
Tsunami Institute Tuebingen, Germany
United States Geological Service (2012): Earthquake Summary. 12.04.2012
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