Zeitenwende und neue Medienwirklichkeit
Die digitale Vernetzung hat unser Leben grundlegend verändert. Nach Schrift und Buchdruck markiert sie die dritte große Kommunikationsrevolution der Menschheitsgeschichte – mit enormen Chancen, aber auch weitreichenden gesellschaftlichen Risiken. Am 21. Oktober 2026 beleuchtet Dr. Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, im Studium Generale der Hochschule Pforzheim die Folgen dieser Entwicklung und fragt, was die neue Medienordnung für Demokratie, Gesellschaft und den öffentlichen Diskurs bedeutet.
Pörksen beschreibt die gegenwärtige Medienwelt als ein Umfeld, in dem sich neue Formen von Macht und Abhängigkeit herausbilden. Unter dem Begriff des „digitalen Feudalismus“ analysiert er, wie technologische Infrastruktur, ökonomische Interessen und bestimmte gesellschaftliche Leitbilder zusammenwirken – ein Muster, das insbesondere im Silicon Valley geprägt wurde. Die großen digitalen Plattformen und ihre Technologien verändern dabei nicht nur die Art, wie Menschen kommunizieren, sondern auch die Bedingungen, unter denen öffentliche Debatten stattfinden. Nach Pörksens Analyse werden damit die Regeln der Kommunikation neu geschrieben. Der Experte plädiert deshalb nicht nur für mehr Bildung zur Steigerung der Medienmündigkeit, sondern zieht auch die Regulierung sozialer Medien als Maßnahme in Betracht – mit Augenmaß und dem Ziel, die demokratische Öffentlichkeit zu schützen, ohne die Chancen der digitalen Vernetzung aus dem Blick zu verlieren.
Über den Referenten
Prof. Dr. Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen und international anerkannter Kommunikationsexperte. Er beschäftigt sich insbesondere mit den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung, der Dynamik öffentlicher Empörung und der Zukunft der Reputation. Für seine Lehr- und Forschungstätigkeit erhielt Pörksen verschiedene Auszeichnungen, darunter im April 2026 den Forschungspreis der Universität Tübingen. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen“ und ist im Hanser Verlag erschienen.