"Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung verknüpfen"

(PresseBox) (Dortmund, ) Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, blickt im Gespräch auf zehn Jahre dortmundproject zurück, spricht über die Ziele der Wirtschaftsförderung bis 2018 und zieht eine erste Zwischenbilanz zum Kulturhauptstadtjahr 2010.

Herr Mager, was macht den Erfolg des dortmundproject aus?

Udo Mager: "Das dortmundproject ist ein Gemeinschaftswerk. Nach dem montanindustriellen Niedergang haben alle Akteure in der Stadt gemeinsam daran gearbeitet, die Kehrtwende zu schaffen. Wir wollten die Stärken stärken und nicht an den Schwächen herumlaborieren. Unser methodischer Ansatz im dortmundproject hieß daher von Anfang an: investieren statt subventionieren. Es ging nicht darum, einzelne Unternehmen zu fördern, sondern Infrastruktur für alle zu schaffen. Dafür haben wir uns konsequent auf Branchen und Technologiefelder mit Potenzial konzentriert. Zu Beginn waren das die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie, Logistik und Mikro-/Nanotechnologie. Später kam noch die Biotechnologie dazu. Seit 2005 haben wir "die Methode dortmundproject" konsequent auf andere Branchen, wie die Kreativwirtschaft oder die Produktionswirtschaft, übertragen."

Was konkret hat sich daraus entwickelt?

Udo Mager: "Aus Ideen von damals sind Unternehmen, Arbeitsplätze und Initiativen geworden: Der eportdortmund als Gründungs- und Kompetenzzentrum für Logistik und Informationstechnologie am Dortmunder Hafen. Die MST.factory dortmund und das Zentrum für Produktionstechnologie Dortmund (ZfP), mit denen PHOENIX West zu einem neuen multifunktionalen Technologiestandort für Mikro-/Nanotechnologie und IT entwickelt wurde. Oder das Projekt jobtec mit seinen flexiblen und innovativen Bausteinen der Berufsorientierung im Bereich der Neuen Technologien. Und nicht zu vergessen das "Herzstück" des dortmundproject: der Gründungswettbewerb start2grow. Viele Gründer von einst führen jetzt erfolgreiche Unternehmen, sind dem Standort treu geblieben und geben ihr Wissen im start2grow-Netzwerk weiter."

Welche Schwerpunkte setzt die Wirtschaftsförderung für die Zukunft?

Udo Mager: "Wir haben für die Dekade 2008 bis 2018 ein umfassendes Strategiepapier auf den Weg gebracht - und führen damit, wenn Sie so wollen, die Idee des dortmundproject konsequent weiter. Durch die Eingliederung in die Wirtschaftsförderung Dortmund haben wir das dortmundproject gewissermaßen "entfristet". Es hat seinen Projektcharakter verloren, denn eine Daueraufgabe wie die Wirtschaftsförderung kann eigentlich kein Projekt sein, wohl aber Projekte initiieren und umsetzen. Deshalb: Die Methodik ist projektorientiert geblieben. Wir sehen ganz genau hin: Was braucht eine Branche, wo kann die Wirtschaftsförderung unterstützen und wo wiederum brauchen wir Förderung vom Land?"

Welches sind dabei Ihre Ziele?

Udo Mager: "Unsere vorrangige Aufgabe ist es, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, damit Beschäftigung in den Unternehmen gesichert und neue Arbeitsplätze in den Betrieben geschaffen werden können. Unser Ziel ist, die 80.000 in der Montanindustrie weggebrochenen Arbeitsplätze vollständig zu kompensieren. Aktuell stehen wir bei 298.000 Erwerbstätigen, in den 1960er Jahren, zur Blütezeit der Montanindustrie, waren es 325.000. Es fehlen also noch 27.000 Arbeitsplätze. Ich bin mir sicher, dass wir diese Lücke im Laufe der Jahre noch schließen werden."

Was stimmt Sie optimistisch?

Udo Mager: "Die Zahlen sprechen für sich. Immerhin haben Dortmunder Unternehmen allein im Krisenjahr 2009 fast 4.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Und auch externe Fachleute bescheinigen der Stadt gute Zukunftsaussichten. Ende 2009 hat das Beratungsunternehmen prognos seinen "Zukunftsatlas Branchen" zusammen mit dem Handelsblatt veröffentlicht. Dortmund liegt dabei auf Platz 23 von den 413 Städten und Gemeinden in Deutschland. Denn hier sind vier der sieben im Sinne von Wertschöpfung und Beschäftigungspotenzial ausgemachten "Zukunftsbranchen" beheimatet. Dazu zählen Logistik, Maschinenbau, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) und Gesundheitswirtschaft."

Was macht Dortmund anders als andere Städte?

Udo Mager: "Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und verknüpfen Wirtschaftsförderung mit Themen der Stadtentwicklung insgesamt. Für eine Stadt ist wichtig, dass die Menschen gerne dort wohnen. Dortmund wurde für die Jahre 2000 bis 2010 ein Einwohnerrückgang von zehn Prozent prognostiziert. Tatsächlich aber beobachten wir, trotz des demografischen Wandels, nur leichte Veränderungen nach unten. Ein Grund ist sicherlich auch der Imagewandel, der stattgefunden hat: von der Stadt der Montanindustrie hin zur Stadt des Mittelstands. Dortmund ist heute nicht nur die größte, sondern auch die dynamischste Stadt im Ruhrgebiet. Dazu trägt neben der Wirtschaft auch besonders die lebendige Forschungs- und Hochschullandschaft bei. Wichtig ist ferner die Verzahnung von Lebens- und Arbeitsbedingungen. Es geht um Lebensqualität. Dazu zählen ein attraktives Wohnumfeld, Freizeit- und Sportangebote wie auch Kultur. Das Kulturhauptstadtjahr ist daher ein wichtiger Baustein."

Wie sieht Ihre Halbzeitbilanz des Kulturhauptstadtjahrs 2010 aus?

Udo Mager: "Das Kulturhauptstadtjahr eröffnet der Metropole Ruhr insgesamt und speziell Dortmund die Möglichkeit, sich von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Diese Chance haben wir bislang genutzt, sei es mit der "Local Hero Woche" oder den weit über 50 größeren Veranstaltungen, bei Konzerten, Ausstellungen, Festivals, etc. Im Mittelpunkt steht für uns dabei die Kreativwirtschaft. Mit dem Dortmunder U haben wir ein Zentrum für Kunst und Kreativität entwickelt, das weit über die Region hinaus Strahlkraft besitzt und Anziehungspunkt für Kreative ist. Es gelingt uns zunehmend, die Kreativen nach Dortmund zu bekommen und an die Stadt zu binden. Und Adolf Winkelmann hat mit seinen "Fliegenden Bildern" zur Einweihung des U-Turms eine vielbeachtete Videoinstallation von internationalem Format geschaffen. Auch das BesucherzentrumRuhr (RUHR.Visitor Center) ist mit monatlich rund 2.500 Besuchern nicht nur eine hervorragende Anlaufstelle, sondern auch eine Visitenkarte für die Stadt. Wir werden auch weiterhin die Chance nutzen, uns der Welt 2010 und darüber hinaus von unserer besten Seite zu zeigen und das Bild einer modernen, weltoffenen Stadt zu vermitteln. Das ist nicht nur mit Blick auf den Tourismus wichtig, sondern vor allem auch im Wettbewerb um die besten Köpfe."

Aktuell ist der Envio-Skandal eines der beherrschenden Themen. Ihnen wurde vorgeworfen, sich mehr um die Unternehmen im Hafengebiet als um die Menschen zu sorgen.

Udo Mager: "Das ist kein Gegensatz: Wer sich um die Unternehmen sorgt, sorgt sich auch um die Menschen. Dass ich schockiert bin über das Verhalten von Envio und dass mich die menschliche Tragik tief bewegt, ist das eine. Aber es hat mich schon getroffen, dass ein Mitglied des Rates sich "fassungslos" zeigt, wenn ich mich zum Hafen als Industriestandort bekenne, gerade weil dort 160 verantwortungsbewusste Unternehmen 5.000 Arbeitsplätze stellen. Und auch dahinter stehen Menschen und Familien. Es wäre fatal, wenn im Sog des PCB-Skandals diese Arbeitsplätze gefährdet würden. Ich setze mich deshalb sowohl für die umfassende Aufklärung, Verfolgung und Ahndung im Envio-Skandal als auch für die Sicherung der Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit des Industriestandortes Hafen ein."

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