Kaffee aus Dortmund

(PresseBox) (Dortmund, ) Als Hermann Schirmer Mitte des 19. Jahrhunderts sein Kolonialwarengeschäft in Leipzig eröffnete, konnte er nicht ahnen, wie sehr die Geschichte seines Unternehmens von den politischen Entwicklungen in Europa geprägt werden würde. Der Blick auf 150 Jahre Firmenhistorie macht deutlich, wie gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen Einfluss auf sein Unternehmen nahmen.

Sommer 1854: Großbritannien und Frankreich sind in den Krimkrieg gegen Russland eingetreten. Im Frühjahr hat Ernst Litfaß die Genehmigung erhalten, seine erste Anschlagssäule für Plakate in Berlin aufzustellen. Die Telegrafie beginnt, die Kommunikation über große Distanzen zu beschleunigen. In wenigen Jahren soll das erste Überseekabel verlegt werden. Der schnelle Austausch von Informationen wird immer wichtiger für den Handel mit den europäischen Kolonien in Afrika und Asien. Der Handel mit Gewürzen, Kakao und Zuckerrohr blüht.

Die Gelegenheit scheint Hermann Schirmer günstig: In der aufstrebenden Metropole Leipzig gründet er einen Kolonialwarenladen. 1874 übernimmt der Unternehmer Richard Springer das Geschäft und baut es zu einer Kaffeerösterei aus. Die Geschäfte laufen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein gut. 1947 eröffnet das Unternehmen eine Niederlassung in Bamberg, die schon ein Jahr später nach Bochum verlegt wird. Doch mit der Gründung der DDR verdunkelt sich die Zukunft der Leipziger Kaffeeröster. 1950 gründet Erbe Horst Springer das Unternehmen im Ruhrgebiet neu.

Mit der Übernahme der Dortmunder Rösterei KA-I-RO erfolgte der Umzug in die Nähe des Dortmunder Großmarktes. Während der Leipziger Stammsitz Anfang der 1970er Jahre verstaatlicht wurde, entwickelte sich Schirmer Kaffee zu einer der modernsten und leistungsfähigsten Kaffeegroßröstereien Deutschlands. Anfang der 1990er Jahre wurde das Unternehmen von der Schweizer Merkur/Valora-Holding übernommen. Die Schweizer wollten so die eigene Automatensparte "Selecta" stärken. Seit 2001 produziert Schirmer Kaffee in einer modernen Großrösterei in Dortmund-Brackel. Durch einen Management-Buy-Out wurde das Unternehmen 2004 aus der Valora Holding herausgelöst.

Heute produziert das Unternehmen vor allem für Großverbraucher und die Gastronomie. Auch die Eigenmarken vieler Einzelhändler werden von Schirmer geröstet. Besonderen Wert legt das Unternehmen auf eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation der Kaffeebauern und ihrer Familien und arbeitet mit der Organisation TansFair/Fair Trade zusammen. Schirmer steht dabei in einem harten Wettbewerb: Die Kaffeeindustrie in Deutschland wird von sechs Anbietern beherrscht, die 85 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. Die Großröstereien sitzen in der überwiegenden Mehrzahl in den Hansestädten Bremen und Hamburg. Der Hamburger Hafen gilt als der größte Umschlagplatz für Rohkaffee weltweit.

Seit der Kaffeekrise im Jahr 2001, die einen drastischen Preisverfall mit sich brachte, hat sich der Markt wieder erholt. Der Kaffeedurst der Deutschen ist ungebrochen: Nach Schätzungen des Deutschen Kaffeeverbandes hat jeder Bundesbürger im vergangenen Jahr rund 6,3 Kilogramm Kaffee verbraucht. Im Durchschnitt trinken die Deutschen drei bis vier Tassen täglich - und damit mehr Kaffee als Wasser oder Bier. Insgesamt werden im Jahr rund 400.000 Tonnen Röstkaffee produziert.

In diesem Marktumfeld röstet Schirmer Kaffee rund 15.000 Tonnen Kaffee im Jahr. Mit 96 Mitarbeitern erzielte Schirmer 2005 einen Umsatz von 71 Millionen Euro. Zum Vergleich: Branchenriese Tchibo erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz vom 3,6 Milliarden Euro. Doch die Dortmunder haben ihren Markt gefunden und können positiv in die Zukunft blicken. Das in der Region sichtbare Zeichen dafür ist der firmeneigene "beans.coffee-Store" in der Dortmunder City.

Weitere Informationen unter: www.schirmer-kaffee.de

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