Herbstumfrage in der Metall- und Elektro-Industrie Hessen:

Fasbender: „Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstands ist ritualisierte Unvernunft“

(PresseBox) (Frankfurt/ Main, ) „Angesichts vielfach international nicht wettbewerbsfähiger Arbeitskosten und 10.000 in den letzten zwei Jahren weggefallener Arbeitsplätze in der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen müssen wir alle Kräfte darauf konzentrieren, die Wertschöpfung am Standort zu sichern und die leichte Aufhellung der wirtschaftlichen Lage und Stimmung nicht abzuwürgen,“ fasste Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes HESSEN METALL das Stimmungsbild in der M+E-Industrie vor dem Auftakt der Tarifrunde zusammen. Die überragende Bedeutung der Produktionskosten als Standortfaktor, wie sie die aktuelle Herbstumfrage bei den M+E-Unternehmen ausweise, zeige, dass es vorrangig um die nachhaltige internationale Wettbewerbsfähigkeit, um Senkung der Arbeitskosten und mehr Betriebsnähe gehe, nicht um „tarifpolitische Rituale der Unvernunft“, die Beschäftigung am Standort weiter vernichteten.

Erstmals habe man bei der traditionellen Herbstumfrage die Frage nach der Standortqualität gestellt. Fast 90 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen schätzten die Qualität ihres Standortes als mindestens befriedigend ein, allerdings sahen 21 Prozent eine Verschlechterung in den letzten fünf Jahren. Als wichtigsten Einflussfaktor nannten sie die Produktionskosten: für zwei Drittel „sehr wichtig“, für knapp 26 Prozent „wichtig“. Ein weiterer entscheidender Einflussfaktor sei die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal, der von 57 Prozent als „sehr wichtig“, von 39 Prozent als „wichtig“ eingeschätzt werde. Weitere Erfolgsfaktoren über Ansiedlung oder Beibehaltung von Standorten in Hessen seien Planungssicherheit, das System aus Steuern und Abgaben sowie eine ausgebaute Infrastruktur. 37 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Produktionsstandorte außerhalb Hessens eingerichtet zu haben: davon 20 Prozent in Europa, 16 Prozent in Deutschland, 11 Prozent in Asien und 8 Prozent in Amerika. Aber es gebe auch den Weg zurück: Immerhin 16 Firmen gaben an, Produktionsstandorte nach Hessen zurückverlagert zu haben.

An der Herbstumfrage 2005 bei den 500 Mitgliedsunternehmen über die aktuelle wirtschaftliche Situation und weitere Entwicklung haben sich insgesamt 274 Unternehmen beteiligt, die 116.000 Beschäftigte repräsentieren. „Die Daten und das Stimmungsbild der hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen zu ihrer Lage und Aussicht geben Anlass zu verhaltener Zuversicht“, fasste Dr. Helmut Rau, Geschäftsführer Tarifpolitik von HESSEN METALL, zusammen. Knapp die Hälfte der beteiligten M+E-Unternehmen beurteilten ihre Lage im Herbst 2005 als befriedigend, 38 Prozent mit gut oder sehr gut und lediglich 12 Prozent mit schlecht. Damit habe sich die Gesamtbeurteilung gegenüber der letzten Umfrage weiter aufgehellt.
Zwei Drittel gingen davon aus, dass die Entwicklung im kommenden Halbjahr vergleichbar sein werde, fast 20 Prozent erwarteten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Allerdings sähen 27 Prozent eine Verschlechterung beim Ertrag.

Über 60 Prozent der M+E-Unternehmen bezifferten ihre Nettoinvestitionen auf dem gleichen Niveau wie im Frühjahr 2005. 22 Prozent hätten ihre Investitionen sogar noch steigern können. Ein deutlicher Schwerpunkt der Investitionen liege mit 40 Prozent bei den Ersatzinvestitionen. Auch Rationalisierungsinvestitionen hätten mit 31 Prozent einen hohen Anteil, während Investitionen in die Qualifikation von Mitarbeitern mit 15 Prozent und beschäftigungswirksame Erweiterungsinvestitionen mit 9 Prozent deutlich weniger Bedeutung hätten. Für das kommende Halbjahr gingen 61 Prozent von einem gleich bleibenden, 22 Prozent von einem steigenden Investitionsniveau aus, wobei die Mitarbeiterqualifikation wieder wichtiger werde.
Auch die wirtschaftlichen Daten stützten diese aufgehellte Stimmung. Der Auftragseingang habe im dritten Quartal wieder die Wende zum Positiven geschafft. Der prognostizierte Jahresumsatz sei auf 46 Mrd. Euro gestiegen, und im 3. Quartal 2005 um 7,2 Prozent gegenüber Vorjahr gesteigert worden, wesentlich getragen von den Auslandsumsätzen. Die einzelnen M+E-Branchen hätten sich unterschiedlich entwickelt: Neben den Spitzenreitern Metallerzeugung, -bearbeitung und Gießereien, Fahrzeugbau und Büromaschinen gebe es ein breites Mittelfeld. Allerdings sei der Beschäftigungsrückgang ungebrochen: In den letzten 2 Jahren habe die M+E-Industrie in Hessen 10.000 Arbeitsplätze verloren.

„Wir sind auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, Exportweltmeister zu sein. Denn unsere Produktionskapazitäten sind auf den Weltmarkt ausgelegt. Wenn sie reduziert werden müssen, wird das immer dort geschehen, wo die Arbeitskosten am höchsten sind“, so Fasbender. Die Metall- und Elektro-Industrie sei als größter Ein- und Verkäufer zugleich die Konjunkturlokomotive der deutschen Wirtschaft. Sie erwirtschafte in Hessen mit knapp 230.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 46 Mrd. € - und damit mehr als die Hälfte der Wertschöpfung der hessischen Industrie. Sie bilde rund zehn Prozent eines Schulabgänger-Jahrgangs in Hessen aus. Mit einer Exportquote von 46 Prozent und stärker wachsenden Direktinvestitionen im Ausland stehe sie für einen hohen Internationalisierungsgrad. Nachweisliche Beschäftigungszuwächse entstünden gegenwärtig ausschließlich in den Vorleistungsverbünden erfolgreicher M+E-Cluster.

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