Gemeinsam gegen Antibiotika resistente Bakterien in der Region Hannover

Gründung des ersten regionalen MRSA-Netzwerks in Niedersachen

(PresseBox) (Hannover, ) Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken, werden in Kliniken und Arztpraxen zunehmend ein Problem. Besonders schwer zu bekämpfen, ist ein hartnäckiger, anitbiotikaresistenter Ableger eines alltäglichen Hautkeims, der so genannte Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus, kurz: MRSA. Bei Krankheit, Verletzung und körperlicher Abwehrschwäche kann der Keim sogar tödlich werden.

Um die Verbreitung des Keims einzudämmen, hat sich am Donnerstag das niedersachsenweit erste regionale MRSA-Netzwerk gegründet. Zehn Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Bereiche des Gesundheitswesens haben im Haus der Region eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist, durch Kooperation und Koordination einen Austausch von MRSA zwischen den Einrichtungen zu verhindern und die MRSA-Infektionen insgesamt zu verringern.

Am Netzwerk beteiligt sind der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover, die Apothekerkammer Niedersachsen, die Ärztekammer Niedersachsen - Bezirksstelle Hannover -, das Clementinenhaus, die Diakonischen Dienste Hannover, die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen - Bezirksstelle Hannover -, das Klinikum Region Hannover, die Medizinische Hochschule Hannover, die Techniker Krankenkasse - Landesvertretung Niedersachsen - und das Vinzenzkrankenhaus.

Der Fachbereich Gesundheit der Region Hannover hat in der gewollt lockeren Organisation die Aufgabe einer Drehscheibe für die Kommunikation der Beteiligten übernommen. Der Leiter der Gesundheitsbehörde, Dr. Hans-Bernhard Behrends, legt Wert auf die Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung der Netzwerkteilnehmer. "Mein Interesse gilt jetzt insbesondere der Infektionsüberwachung und den Hygienemaßnahmen", sagte der Amtsarzt. Aber auch die Keimbekämpfung bei MRSA-Trägern und der Einsatz von Antibiotika müssten gemeinsam angegangen werden. "Hier werden wir uns gegenseitig unterstützen", sagte Dr. Behrends.

Die Apothekerkammer Niedersachsen unterstützt die Bildung des Netzwerks mit großem Engagement. "Viele Apotheken können durch ihre Kontakte zu Altenheimen, Pflegeeinrichtungen, Rehaabteilungen und Krankenhäusern auf die MRSA-Problematik aufmerksam machen und sowohl über Prävention als auch über Maßnahmen zur Verringerung dieser Infektionen kompetent informieren", sagte Dr. Martin Thomsen, Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen. "Unser Ziel ist es, durch die nachhaltige Zusammenarbeit mit den Aktionspartnern die Gesundheit der Patienten künftig schneller wiederherstellen und die Arzneimittel noch effizienter einsetzen zu können", erklärte Thomsen und unterstrich: "Wir freuen uns auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit allen Beteiligten."

Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) begrüßt die Initiative zur Gründung eines MRSA-Netzwerkes in der Region Hannover. "Die Bekämpfung von Krankenhausinfektionen ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Erhöhung der Patientensicherheit", sagte die Vorsitzende der ÄKN-Bezirksstelle Hannover, Dr. Cornelia Goesmann. Alle Gesundheitsberufe, also nicht nur Ärzte, sollten sich in einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Problem befassen und geeignete Verfahren sowie Verhaltensmaßnahmen zur Eindämmung von Krankenhausinfektionen vor allem auf den Intensivstationen erlernen. Dazu werde die ÄKN im Laufe des Jahres in ihren elf Bezirksstellen einschlägige Fortbildungsveranstaltungen anbieten, die unter dem Motto "Aktion saubere Hände" auf diese bedenkliche Entwicklung aufmerksam machen und Hilfestellungen für eine verbesserte Krankenhaushygiene leisten wollen, kündigte die in Hannover niedergelassene Allgemeinmedizinerin an.

Für das Clementinenhaus Hannover nimmt die Qualitätssicherung bereits seit Jahren einen hohen Stellenwert ein. "Die Erfassung von Patienten mit multiresistenten Keimen erfolgt in Zusammenarbeit mit den Regionskrankenhäusern", sagte der Ärztliche Leiter Dr. Wolf-Rüdiger Martin. "Durch die Mitarbeit im Netzwerk aber hoffen wir, einen Beitrag zur Senkung der Inzidenz der Besiedlung mit multiresistenten Keimen und nachfolgenden Infektionen zu senken."

Ein Netzwerk unterstütze die Krankenhäuser in ihren Bemühungen, MRSA-Keime zu erfassen, zu kontrollieren und zu bekämpfen, sagte Prof. Dr. Rolf Keferstein von der Diakonie Holding Hannover (Annastift, Friederikenstift, Henriettenstiftung). "Die gegenseitige Information im Vorfeld der stationären Aufnahme erleichtert den Krankenhäusern die Aufgabe, wobei darauf zu achten ist, dass eine Stigmatisierung des Patienten vermieden werden muss. Hier muss bei der Aufklärung der Patienten sicherlich noch verstärkte Arbeit geleistet werden."

"Bei einem möglichen Auftreten des Bakteriums wollen wir gut vorbereitet sein, so dass Abwehrmaßnahmen konsequent ergriffen werden können", beschrieb die Sprecherin der Bezirksstelle Hannover der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Dr. Edith Danda, das weitere Ziel der Zusammenarbeit.

"Die systematische Eindämmung gefährlicher Keime kann nur gelingen, wenn möglichst alle Akteure im stationären und ambulanten Gesundheitswesen abgestimmt zusammenarbeiten. Deshalb ist das MRSA-Netzwerk von entscheidender Bedeutung, die Verbreitung von Infektionen in Kliniken und Arztpraxen zu reduzieren", betonte Dr. Friedrich von Kries, Geschäftsführer des Klinikums Region Hannover (KRH). In der kommunalen Krankenhausgruppe KRH ist der Kampf gegen Klinikkeime schon seit Jahren als Qualitätsziel etabliert.

"Die Medizinische Hochschule Hannover beteiligt sich an der Gründung des MRSA-Netzwerkes, da die Hochleistungsmedizin in besonderem Maße Patientinnen und Patienten behandelt, die mit solchen Keimen infiziert sind", sagte Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover. Durch das Netzwerk werde der Informationsaustausch und das voneinander Lernen deutlich verbessert werden. "Die Gefahren, die von multiresistenten Keimen ausgehen für die Patienten in den Krankenhäusern, sind medizinisch, aber auch ökonomisch von wachsender Bedeutung", so Dr. Tecklenburg. Aus diesem Grund unterstütze die Medizinische Hochschule Hannover alle Aktivitäten zur Bekämpfung dieser Infektionsquelle.

"Dass sich hier unterschiedlichen Institutionen an einen Tisch setzten und gemeinsam daran arbeiten, die Situation im Bereich der MRSA-bedingten Infektionen zu verbessern, ist schon einzigartig. Wir erhoffen uns durch die Gründung des Netzwerks natürlich langfristig eine verbesserte Versorgung unserer Versicherten sowie die Vermeidung von unnötigen Infektionen, aber auch Kosten", so Burkhard Starcke, Krankenhausreferent der Techniker Krankenkasse (TK). Nach Angaben der TK wurden den Ersatzkassen in Niedersachsen im Jahr 2008 rund 340 MRSA-Fälle bekannt (in der Region Hannover waren es 90 Fälle), bei denen eine spezielle Behandlung durchgeführt und abgerechnet werden musste. Jede dieser Behandlungen kostete den Krankenkassen im Schnitt mehr als 5.000 Euro.

Das Vinzenzkrankenhaus erfasst bereits seit 1997 MRSA-Patienten und isoliert die betroffenen Menschen. "Als Konsequenz der vermehrt aufgenommenen MRSA-Fälle aus Altenheimen wurde 1999 im Hygieneplan MRSA-Standards hinterlegt und seit 2001 ein systematisches Screening durchgeführt", sagte der Ärztliche Direktor des Vinzenzkrankenhauses, Dr. Jens Albrecht. Durch die Erkenntnisse und Erfahrungen der letzten Jahre sei die Rate der nosokomialen MRSA-Patienten deutlich gesunken. "Trotzdem oder gerade deswegen ist die Gründung des MRSA-Netzwerkes so wichtig, um durch den Benchmark mit anderen Häusern etwa anhand von Prävalenz-Zahlen die MRSA-Screening-Methoden zu verfeinern und zu verbessern, für den Umgang mit Antibiotika zu sensibilisieren und die Öffentlichkeit sachlich zu informieren."

Erfolgreiches MRSA-Management im Sinne der Patientensicherheit steht bereits am Freitag im Zentrum einer ganztägigen Veranstaltung im Ärztehaus an der Berliner Allee in Hannover: Fachleute aus Klinik, Praxis und Gesundheitsfachverwaltung stellen beim "5. Forum Patientensicherheit und Risikomanagement" mögliche Strategien der MRSA-Bekämpfung vor.

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