Power aus dem Untergrund – Speicherkompetenz aus Niedersachsen

Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität Niedersachsen mit starken Partner auf der HANNOVER MESSE 2012

(PresseBox) (Göttingen, ) In wenigen Tagen lädt Niedersachsen wieder zu einer der weltweit größten Energie-Messen nach Hannover ein. Vom 23. bis zum 27. April 2012 diskutieren Experten auf der HANNOVER MESSE neueste Technologien rund um die Energieversorgung von morgen. Vor diesem Hintergrund interviewt die Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität Niedersachsen (LiBZEl) wichtige Unternehmen und Technologietreiber in Niedersachsen über deren Kompetenzen und Visionen für unsere Energieversorgung von morgen. Heute spricht Herr Dr. Guido Weißmann, Leiter der Zentralen Geschäftsstellen der Landesinitiative, mit Frau Dipl.-Ing. Sabine Donadei, KBB Underground Technologies GmbH, Abteilungsleiterin für Speicherung Erneuerbarer Energien.

LiBZEl: Frau Donadei, die KBB Underground Technologies GmbH hat sich auf die Speicherung flüssiger und gasförmiger Energieträger im geologischen Untergrund – vorrangig in Salzkavernen - spezialisiert. Eine derartige Technologie hört sich zunächst kompliziert und kostenintensiv an. Worin liegen aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile gegenüber konventionellen, also oberirdischen Speichern?

Donadei: In der Tat erfordern unterirdische Speicherkavernen höheren Planungs- und Errichtungsaufwand als oberirdische Druckbehälter. Im Fall von Salzkavernen muss zunächst eine Salzstruktur gefunden werden und auf ihre Eignung für die Anlage eines Gasspeicher untersucht werden, bevor in ihr Kavernen über Aussolung erstellt werden können. Dafür werden Bohrungen bis weit unter 1.000 m abgeteuft und verrohrt. Danach wird kontrolliert Wasser injiziert, um das Salzgestein zu lösen und damit Hohlraum zu schaffen. Die dabei entstehende Salzsole wird nach obertage verdrängt und dort umweltfreundlich entsorgt. Um die vorgesehene Kavernenform herzustellen, die einen dauerhaften und vor allem sicheren Betrieb gewährt, erfordert diese Speichertechnologie erfahrene Experten mit großer theoretischer und vor allem praktischer Erfahrung. Mit über 30 Jahren Betriebserfahrung und weltweit über 50 Speicherprojekten mit mehr als 400 Kavernen hat sich die KBB UT genau hierauf fokussiert und zählt seit vielen Jahren zu den international führenden Experten vor allem Hochdruck-Erdgaskavernen. KBB UT bietet ein umfassendes Leistungsangebot von der reinen Standortsuche und -Bewertung über die Planung bis hin zur Errichtung und Betriebsführung untertägiger Speicheranlagen an.

Auf dieser Basis möchten wir mit großer Überzeugung die wesentlichen Vorteile von Kavernenspeichern aufzeigen. Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist beispielsweise hervor zu heben, dass der oberirdische Platzbedarf im Verhältnis zum Speichervolumen verschwindend gering ist. Eine einzelne 700.000 m³ - Speicherkaverne ersetzt über 200 große Kugelgasbehälter! Selbst wenn man die erforderliche Gasanlage dazu rechnet, ergibt sich ein deutlich geringerer Flächenbedarf. Ein weiteres Argument für unterirdische Gaskavernen ist die wesentlich größere Sicherheit: Der Untertagespeicher ist durch einen „Mantel“ von vielen Hundert Meter Salzgebirge statt einer vergleichsweise dünnen Stahlblechschale geschützt. Im Falle einer Beschädigung des Kavernenkopfes verhindert ein unterirdisches Sicherheitsventil automatisch das Austreten von Gas. Für Investoren interessant sind die wesentlich geringeren Investitionskosten pro Kubikmeter Speichergas. In Deutschland werden derzeit knapp 200 Hochdruckerdgaskavernen erfolgreich betrieben, weitere 136 befinden sich in Planung.

LiBZEl: Mit Ihrer Speichertechnologie sind Sie auf die Verfügbarkeit geeigneter geologischer Formationen angewiesen. Damit ist Ihre Technologie nicht universell bzw. überall einsetzbar. In wie weit ist dies ein Hemmnis?

Donadei: Natürlich können wir Kavernen nur dort erstellen, wo wir geeignete Salzvorkommen in Bezug auf Teufenlage, Mächtigkeit und Reinheit vorfinden und zusätzlich Möglichkeiten für die umweltgerechte Entsorgung der erzeugten Sole zur Verfügung stehen. Norddeutschland und vor allem Niedersachsen zeichnen sich europaweit durch einzigartige Bedingungen aus. Diese sind zahlreiche z.T. sehr gut geeignete Salzvorkommen, Möglichkeit der Soleentsorgung in die Nordsee und gleichzeitig Kreuzungspunkt großer Gaspipelines. Weitere interessante Vorkommen gibt es in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Rahmen der Förderinitiative Energiespeicherung der Bundesregierung wird KBB UT zusammen mit Kooperationspartnern eine entsprechende Potentialanalyse erstellen. Kavernenspeicher weisen auf Grund ihrer großen Volumina gerade im Netzmaßstab besondere Eignung auf, so dass trotz lokaler Beschränkung geeigneter Strukturen dennoch eine Dienstleistung für einen großen Raum erfolgen kann. Zu unseren ersten Projektaktivitäten zählten beispielsweise die Errichtung der Speicherkavernen für die Bundesrohölreserve bei Wilhelmshaven oder die Strategic Petroleum Reserve des Department of Energy der Vereinigten Staaten von Amerika. Denkt man in diesen Dimensionen, so relativiert sich das Problem einer lokalen geologischen Beschränkung, da wir Energie zentral für einen überregionalen Bedarf speichern. In anderen Ländern bzw. Regionen, die großräumig über weniger geeignete Strukturen verfügen, kann die Geologie aber tatsächlich ein Hemmnis darstellen.

LiBZEl: In Ihren Firmeninformationen werden unterschiedliche Energieträger bzw. Medien aufgeführt, die man in Kavernen speichern kann. Wo geht denn die Reise hin?

Donadei: Grundsätzlich ist die Technologie der Kavernenspeicherung weitgehend unabhängig vom Speichermedium bzw. vom Energieträger. Historisch gesehen liegt unser Schwerpunkt sicherlich auf der Errichtung von Öl- und Erdgas-Speichern. Zukünftig sehen wir jedoch einen erheblichen Bedarf an der Speicherung regenerativ erzeugter Energien, beispielsweise in Form von Druckluft und Wasserstoff. Wind- und Solarkraft sind fluktuierende Energiequellen; die Stromerzeugung richtet sich nicht nach dem tatsächlichen Bedarf. Zeitweise besteht Mangel an grünem Strom, bei größeren Windflauten mehrere Tage und darüber, anderseits übersteigt die Produktion zeitweise den Verbrauch. Um nach dem Willen der Bundesregierung den Ausbau regenerativer Energien weiter voran treiben zu können, müssen wir daher über die existierenden Speicher für fossile Energieträger hinaus enorme Speicherkapazitäten und -leistungen im Stromnetz zur Verfügung stellen, um zukünftig jederzeit Produktion und Bedarf von Erneuerbarer Energie ausgleichen zu können. Dies ist ein idealer Einsatzbereich für unsere Kavernentechnologie. Ein kurzfristiger Ausgleich kann über Druckluftspeicherkraftwerke erfolgen. E.ON Kraftwerke GmbH betreibt das weltweit erste Kraftwerk dieser Art in Huntorf. Für längerfristigen Ausgleich kommen dagegen in erster Linie Wasserstoffspeicher infrage. Dabei wird aus Überschussstrom in einem Elektrolyseur Wasserstoff erzeugt, der danach in Kavernen gespeichert wird. Bei Bedarf kann der Wasserstoff in einem Gaskraftwerk wieder verstromt werden, in das Erdgasnetz injiziert werden, mit CO2 zu grünem Methan verwandelt werden oder als Brennstoff für zukünftige Brennstoffzellen-Fahrzeuge genutzt werden. Zahlreiche FuE-Projekte sowohl zu Druckluft- als auch zu Wasserstoffspeicher-Projekten laufen bereits oder sind in konkreter Planung.

LiBZEl: Sie haben das Thema Wasserstoff erwähnt. Vielfach zählt dieses Gas zu den Hoffnungsträgern für eine nachhaltige Energiewirtschaft von morgen. Wie sehen Sie das und was sind hier Ihre aktuellen Aktivitäten?

Donadei: Sicherlich ist Wasserstoff kein „Allheilmittel“ für alle Energie-Fragen von morgen. Aber an diesem Gas werden wir in Zukunft nicht vorbei kommen. Als Windenergieland Nr. 1, mit höchst interessanten geologischen Formationen für unsere Technologie, bietet Niedersachsen eine ideale Ausgansposition, um regenerative Energieerzeugung und Kavernen-Speicherung optimal koppeln zu können. Daher haben wir in unserem Büro in Hannover einen Schwerpunkt auf die Wasserstoffspeicherung gelegt. Darüber hinaus engagieren wir uns auch stark in nationalen und internationalen Gremien wie der VDE ETG task force Energiespeicher, dem Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverband (DWV) sowie der amerikanischen Energy Storage Association (ESA). Denn die umweltgerechte Energiewirtschaft von morgen ist aus unserer Sicht eine globale Herausforderung, die wir nur im engen internationalen Schulterschluss bewältigen können. Dabei wird unser Know-how, das wir in Niedersachsen kontinuierlich ausbauen, schon heute weltweit nachgefragt.

LiBZEl: Frau Donadei, ich bedanke mich für diesen kurzen Einblick in die Kavernenspeicher-Technologie. Sie sind als Sponsor und Partner der Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität in diesem Jahr auch auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand Energie der Hannover Messe (Halle 27, Stand E50) vertreten und stehen dort für weitere Informationen gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen hierzu interessante Gespräche und neue Kontakte rund um das Thema Energiespeicherung.

Die Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität ist auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand „Energie aus Niedersachsen“ auf der HANNOVER MESSE (Halle 27, Stand E50) vertreten und bietet interessierten Unternehmen eine Kontaktvermittlung zu Underground Technologies GmbH oder einen persönlichen Dialog zum Thema Speicherung von Erneuerbaren Energien.
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Über Landesinitiative Energiespeicher und -systeme Niedersachsen

Partner der Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität Niedersachsen auf der HANNOVER MESSE 2012:

Honeywell Specialty Chemicals Seelze GmbH
KBB Underground Technologies GmbH
SOLVAY GmbH


Mit freundlicher Unterstützung von:
Die Landesinitiative Brennstoffzelle und Elektromobilität Niedersachsen wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

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