IFA 2010: Barrierefreiheit im digitalen Fernsehen

(PresseBox) (München/Berlin, ) Digitales Fernsehen mit seinen vielfältigen neuen Möglichkeiten ist attraktiv - keine Frage. Sind die neuen Angebote aber auch nutzbar für alle, ungeachtet von Alter oder Behinderung? Sind es vielleicht gerade die besonderen technischen Möglichkeiten des digitalen Fernsehens, die behinderten oder auch älteren Menschen einen verbesserten Zugang zum Fernsehen bieten könnten? Das sind die Fragen, denen sich das europäische Projekt DTV4All stellt. Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) und der Rundfunk Berlin- Brandenburg (rbb) sind Partner in diesem Projekt und zeigen auf der IFA 2010 ganz konkret, wie Barrierefreiheit im digitalen Fernsehen aussehen könnte. Am Messestand "Digitale Welt" der ARD in Halle 2.2 präsentieren sie Dienste, die von behinderten Nutzern aus Berlin und Brandenburg getestet wurden.

In Europa leben heute 38 Millionen Menschen mit leichteren oder schwereren Behinderungen. Für sie ist die Teilhabe an der Informationsgesellschaft deutlich erschwert. Aber nicht nur Menschen mit Behinderungen sondern auch ältere Menschen stoßen beim Umgang mit Rundfunk- und Medientechnik zunehmend auf Barrieren. Schon heute sind 20 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt - Tendenz steigend. Programmveranstalter und Gerätehersteller stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, die Fernsehnutzung für Menschen mit physischen, altersbedingten oder mentalen Behinderungen zu erleichtern.

Der Projektname DTV4All steht für "Digital Television for All" - digitales Fernsehen für alle. Vier öffentlichrechtliche europäische Rundfunkanstalten, darunter der rbb, haben sich hier mit dem IRT und weiteren Partnern aus Technologie und Wissenschaft zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Die neuen technischen Möglichkeiten des Digitalen Fernsehens zu nutzen, um gehörlosen, schwerhörigen, blinden und sehbehinderten Menschen den Zugang zum Fernsehen zu erleichtern. Hochaufgelöstes Fernsehen (HDTV) und hybride TV-Empfänger ermöglichen verbesserte Darstellungsoptionen für den Bildschirm und Internet- Zugang per Knopfdruck. DVB-Untertitel und neuartige Textangebote sind optisch attraktiver und leichter bedienbar als der herkömmliche Videotext. Sie sind teilweise auch individuell in Größe und Farbe einstellbar.

Am Stand "Digitale Welt" können sich Messebesucher die besonderen Gestaltungsmöglichkeiten von Untertiteln im DVB-Standard anschauen. Anders als bei den bekannten Videotextuntertiteln lassen sich diese Untertitel zeitgemäß und HDkompatibel in unterschiedlichen Schrifttypen ohne "Pixelschrift" und mit optisch angenehmen Hintergrundvarianten gestalten. Im Rahmen von DTV4All strahlt der rbb erstmals testweise DVB-Untertitel über DVB-T aus. Begleitend haben 50 schwerhörige und gehörlose Nutzer aus Berlin und Brandenburg über neun Monate die Gestaltungsmöglichkeiten von DVB-Untertiteln in einem groß angelegten Feldtest bewertet. Ergebnis sind Gestaltungsempfehlungen für die Umsetzung von DVBUntertiteln in der ARD.

Ein Beispiel für ein attraktives barrierefreies Textangebot ist der neue ARDText im Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV). Er wurde für so genannte hybride Geräte, die neben dem herkömmlichen Fernsehen auch Inhalte über eine Internetverbindung empfangen können, entwickelt. Das Textangebot ist speziell auf die Belange sehbehinderter Tester abgestimmt. Es wurde gemeinsam vom IRT, rbb und ARDText entwickelt und mit sehbehinderten Rundfunkteilnehmern ausführlich getestet. Eine Zoomfunktion und verschiedene Farbvarianten sollen auch Zuschauern mit unterschiedlichsten Augenkrankheiten einen Zugang zu dem neuartigen Textangebot der ARD ermöglichen.

Eine weitere Anwendung für solche hybriden Fernsehgeräte mit Internetanschluss zeigt, wie man sich eine Fernsehsendung mit Gebärdensprachbegleitung "on demand" über das Internet auf den Fernsehbildschirm holen kann. Diese vom IRT entwickelte prototypische Anwendung wurde mit gehörlosen Zuschauern getestet.

Die Berliner und Brandenburger Beiräte für behinderte Menschen unterstützen das Projekt in enger Kooperation mit dem rbb. So wurden auch die Nutzergruppen für alle Tests des rbb in DTV4All durch Vermittlung der beiden Landesbeiräte gewonnen.

Am Ende von DTV4All steht eine umfassende Analyse des Status Quo der Barrierefreiheit in der europäischen Rundfunklandschaft. Empfehlungen an die entscheidenden Industrie- und Standardisierungsgremien sollen Impulse für eine flächendeckende Einführung der Technologien und Dienste geben. Die EBU unterstützt das Projekt als assoziierter Partner. In DTV4All kooperieren acht Partner aus Deutschland, Großbritannien, Italien, England, Dänemark und Spanien. Das Projekt wird im sogenannten "ICT Policy Support Programme", einem Rahmenprogramm für Informations- und Kommunikationstechnologien, von der Europäischen Kommission gefördert.

Für mehr Information zu DTV4All und seinen europäischen Partnern siehe www.psp-dtv4all.org/

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