Raus aus der Grauzone

Leitfaden "Textilien in Pflegeeinrichtungen" hilft bei der Umsetzung der RKI-Richtlinie

(PresseBox) (Bönnigheim, ) Seit September 2005 definiert die Richtlinie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur "Infektionsprävention in Heimen" die Anforderungen für die Behandlung allgemeiner Textilien wie Bettwäsche oder Frottierwaren in Pflegeeinrichtungen. Aber wie kann die notwendige Hygiene bei der persönlichen Wäsche und Kleidung der Bewohner sichergestellt werden?

Der kostenlose Leitfaden "Textilien in Pflegeeinrichtungen", der im Internet unter www.waeschereien.de heruntergeladen werden kann, beantwortet diese und viele weitere Fragen zur Umsetzung der RKI-Richtlinie im pflegerischen Alltag. Wir haben uns mit der Mitautorin Petra Klein von den Hohenstein Instituten in Bönnigheim unterhalten.

Textilien und Infektionsprävention - viele Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen werden sich fragen, wie das zusammengehört.

Die hygienische Handhabung und Aufbereitung von Textilien spielt nach Meinung namhafter Hygieniker bei der Unterbrechung möglicher Infektionsketten in Pflegeeinrichtungen eine entscheidende Rolle. Die Vorgaben der RKI-Richtlinie sind in diesem Bereich allerdings sehr allgemeiner Art und wichtige Bereiche wie die persönliche Wäsche und Bekleidung der Einwohner ist nicht explizit geregelt. In der Praxis werden die bewohnerbezogenen Textilien aber nur in den seltensten Fällen getrennt voneinander gewaschen und getrocknet. Auf diesem Wege können dann sehr schnell Keime von einem Bewohner zum anderen übertragen werden.

Auf wessen Initiative hin haben Sie den Leitfaden entwickelt und warum?

Wir wurden deshalb von der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege e.V. beauftragt eine Expertengruppe zu bilden, mit deren Unterstützung ergänzende Empfehlungen bezüglich der Handhabung und Aufbereitung von Textilien in Pflegeeinrichtungen erarbeitet wurden. Der Leitfaden ist für Alten- und Pflegeheime ein Weg raus aus der Grauzone hin zu überwachten Hygienestandards.

In den letzten Jahren hat verstärkte Verlagerung der Patienten von der Geriatrie der Krankenhäuser in Pflegeeinrichtungen stattgefunden. Beim Thema Infektionsprophylaxe gibt es allerdings große Unterschiede. Wie sehen diese im Bereich Textilien aus?

Grundsätzlich ist Risiko von Infektionen in Alten- und Pflegeheimen nicht geringer als im Krankenhaus. Die Textilhygiene im Krankenhausbereich ist allerdings durch RKI-Richtlinien in Verbindung mit dem Hygienezeugnis des RAL-Gütezeichens 992/2 für sachgemäße Wäschepflege sicher geregelt. Unsicherheiten beim Pflegepersonal gibt es nur immer wieder im Umgang mit Wäsche, die in Kontakt mit multiresistenten Infektionserregern war. Anders im Bereich der Alten- und Pflegeheime. Hier steht Textilhygiene nicht unbedingt an erster Stelle bei der Vielzahl an täglichen Aufgaben des pflegenden Personals.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Leitfaden "Textilien in Pflegeeinrichtungen"?

Unsere aus Hygienikern, Vertretern der Caritas, Diakonie, Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft und Textildienstleistern bestehende Expertengruppe wollte den Pflegekräften praxisnahe Empfehlungen und Tipps für den hygienischen Umgang mit Textilien aus Pflegeeinrichtungen geben. Wichtig war es uns aber nicht nur Einzelpunkte aufzuzeigen, die von den Pflegeeinrichtungen quasi abgehakt werden können, sondern auch einen umfassenden Überblick über die Themenbereiche Hygiene und Infektionsphrophylaxe zu erarbeiten.

Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen?

Da es in Pflegeeinrichtungen im Allgemeinen keinen Hygienebeauftragten gibt, ist es umso wichtiger, dass das Personal über fundierte Kenntnisse verfügt und entsprechend agieren kann. So widmen wir uns z. B. sehr intensiv dem Thema Hygieneanforderungen an die Logistik in Pflegeeinrichtungen, dem Infektionsrisiko durch Wäsche und der Bettenhygiene. Außerdem haben wir viele Informationen zur Pflegbarkeit von textilen Materialien abhängig von Material, Färbung und Ausrüstung, Hinweise zur technischen Ausstattung sowie organisatorischen Abläufen im Bereich Wäscheservice und natürlich auch die technischen Anforderungen an Textilien in Pflegeeinrichtungen zusammengestellt.

Welche Inhalte des Leitfadens sehen Sie aus der Sicht von Pflegeeinrichtungen als besonders wichtig an?

Die RKI-Richtlinie sieht für nicht bewohnerbezogene Textilien wie z. B. der Bettwäsche ganz klar vor, dass diese wie im Krankenhaus auch, desinfizierend zu waschen sind. Aus vielen Gesprächen wissen wir, dass es aber große Unsicherheit darüber gibt, wie der korrekte Umgang mit der Wäsche und Kleidung der Bewohner auszusehen hat. Entsprechend der RKI-Richtlinie darf diese wie Wäsche im Privathaushalt gewaschen werden. Während eines Ausbruchs von Erkrankungen mit Erregern, die durch Kontakt übertragen werden, sowie bei Personen mit bekannter MRSA-Kolonisation wird allerdings empfohlen, Leibwäsche, Handtücher und Waschlappen wie Bettwäsche der betroffenen Bewohner desinfizierend zu waschen. Soweit die Theorie - in der Praxis muss man aber gerade in einer größeren Einrichtung davon ausgehen, dass dies nicht mehr die Ausnahme sondern der Normalfall ist. Entsprechend empfehlen wir in unserem Leitfaden generell die desinfizierende Aufbereitung aller Arten von Textilien, die im Pflegebereich zum Einsatz kommt. Das gleiche gilt für die Kleidung der Mitarbeiter wie es auch die TRBA/BGR 250 vorsieht..

Hat das auch Auswirkungen auf die Beschaffung der Textilien?

Auf jeden Fall! Wir haben deshalb Expertentipps zum Textileinkauf zusammengestellt, mit deren Hilfe hygienische, organisatorische und ökonomische Anforderungen gleichermaßen Berücksichtigung finden.

Der Leitfaden "Textilien in Pflegeeinrichtungen" kann im Internet kostenlos heruntergeladen werden. Warum haben Sie sich für dieses Medium entschieden?

Wir wollten eine moderne Version der Loseblattsammlung erstellen. In ihr kann der Leser innerhalb des Textes navigieren, Direktlinks zu ergänzenden Informationen nutzen und z. B. auch über die Freitextsuche nach Inhalten gezielt suchen. Außerdem haben wir so die Möglichkeit den Leitfaden ständig zu aktualisieren und Inhalte oder ganze Themenblöcke zu ergänzen. So haben wir beispielsweise gerade aktuell ein Kapitel zur Behandlung von Sonderfällen wie Demenz eingefügt.

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