Public-Private-Partnerships in der Medienkompetenzvermittlung: Innovation durch private Beteiligung, Dauerhaftigkeit durch Vertragsbindung?

(PresseBox) (Marl, ) Die Vermittlung und Förderung von Medienkompetenz setzt eine anspruchsvolle Infrastruktur in öffentlichen Einrichtungen voraus: Bücher, Bilder, Filme, Computer, Datennetze und vieles mehr müssen angeschafft, dem medientechnischen Fortschritt angepasst und gepflegt werden. Das bedeutet einen erheblichen, kontinuierlichen Investitionsbedarf für die öffentlichen Haushalte. Häufig fällt in diesem Zusammenhang das Schlagwort "Public-Private-Partnership" (PPP), also die langfristige Kooperation zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft.

Das Für und Wider von PPPs in der Medienkompetenzvermittlung wurde jetzt im Rahmen eines ganztägigen Meeting Points erörtert, den das ecmc im Auftrag der Staatskanzlei NRW durchgeführt hat. Public-Private-Partnerships sind kein Allheilmittel bei knappen Finanzmitteln, so ein zentrales Ergebnis des Workshops. Sie werden trotzdem an Bedeutung gewinnen und dabei Einfluss auf die Finanzierung und den Betrieb von Medienkompetenz-Strukturen nehmen.

Die Erfahrungen mit PPPs in unterschiedlichen Bereichen offenbarten zunächst ein je unterschiedliches Begriffsverständnis, was PPPs im Kern ausmacht: Was für die einen eine langfristige, stark formalisierte Form der Dienstleistung von Privaten (Bauunternehmen) für die öffentliche Hand darstellt - etwa die Errichtung und der Betrieb von Bildungsimmobilien - ist für die anderen die Fortsetzung des Sponsorings mit anderen Mitteln. Letzteres gilt insbesondere, wenn es um die Errichtung, den Betrieb und die Erhaltung von (Medien-)Bildungsinfrastrukturen geht: Anschaffung von Hard- und Software, Onlinekosten und Support. Problematisiert wurde ebenso, ob etwa Investitionen eine Personalfinanzierung umfassen.

Unabhängig vom Begriffsverständnis sind sich die Experten jedoch sicher: Selbst wenn PPPs keine Zauberformel zur finanziellen Entlastung der öffentlichen Haushalte darstellen (können) und sogar eigene Risiken durch die langfristige Verbindlichkeit erzeugen, wird es zukünftig mehr PPPs in NRW geben. Die öffentlichen Haushalte sind damit ausgelastet, die bestehenden Bildungsinfrastrukturen zu erhalten, können sie aber nicht ausbauen. Neben möglichen Effizienzgewinnen und Qualitätssteigerungen in der Versorgung bieten PPPs weitere Vorteile, die - je nach Verhandlungsgeschick und formaler Konstruktion - wirksam werden. Die teilnehmenden Expertinnen und Experten machten deutlich: PPPs

... setzen Innovationen frei, weil Private häufig für neue Ideen in der praktischen Umsetzung sorgen. Sie ermöglichen die partnerschaftliche Zusammenarbeit, in der die gemeinsame Entscheidungsfindung das Verwaltungshandeln dynamisiert und verändert. Aber auch Private lernen im Rahmen von PPPs, innerhalb welcher Handlungszwänge und Zeithorizonte die Verwaltung agiert.

... sorgen für eine höhere Verbindlichkeit und Dauerhaftigkeit in der Projektförderung, weil sie auf Verträgen basieren. Dadurch sorgen PPPs für mehr Transparenz und erlauben den Projektträgern, sich von ihren privaten und öffentlichen Auftraggebern abzugrenzen, um so auch Medienkompetenzprojekten zu mehr Eigenständigkeit zu verhelfen und Interessenskonflikten zu begegnen. Dabei wird die öffentliche Hand möglicherweise nicht aus der Verantwortung entlassen werden können, für eine Sockelfinanzierung zu sorgen, die durch Private ergänzt wird. Bei den Privaten helfen PPPs zur Verstetigung von punktuellem Sponsoring zu einem längerfristigen bis dauerhaften Wahrnehmen gesellschaftlicher Verantwortung eines Unternehmens - im Sinne einer Corporate Social Responsibility. PPPs leisten so einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften.

... brauchen starke Entscheider mit gegenseitigem Vertrauen und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung. So können mögliche strukturelle Defizite ausgeglichen und flexibles Handeln gewährleistet werden.

An der Diskussion haben teilgenommen: Dr. Frank Littwin, Leiter der PPP Task Force im Finanzministerium NRW, Ralf Münchow, Geschäftsführender Vorstand von Schulen ans Netz e.V., Hans-Georg Lohe, Referent im Kulturdezernat der Stadt Düsseldorf, Frank Buchwald, Leiter Objektmanagement der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln, Raymund Witte, Vertriebsleiter NetCologne, Beate Möllers, verantwortlich für den Bereich Öffentliche Bibliotheken im Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport NRW sowie Ingrid Pieper-Sentürk vom Landesverband der Volkshochschulen NRW und Lieselotte Berthold, Leiterin der Volkshochschule Iserlohn. Moderiert wurde der Meeting Point von Frauke Jacobsen, Referentin für den Bereich Medienkompetenz in der Staatskanzlei NRW, und Dr. Gernot Gehrke, Geschäftsführer der ecmc Europäisches Zentrum für Medienkompetenz GmbH.

Grimme-Institut

Die ecmc GmbH ist ein Dienstleistungs- und Beratungshaus für Kompetenzentwicklung und Neue Medien, das ganzheitlich denkt und handelt.
Das ecmc ist politisch beratend tätig und betreut unterschiedliche Medienprojekte für unterschiedliche Zielgruppen.

Das Team des ecmc ist interdisziplinär zusammengesetzt: Rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit sozialwissenschaftlicher, wirtschaftswissenschaftlicher und informationstechnischer Ausbildung sowie studentische Hilfskräfte, freie Mitarbeiter für Spezialgebiete und für den organisatorischen Bereich sind im ecmc beschäftigt. Als Experten aus unterschiedlichen Bereichen kombinieren sie ihre Fähigkeiten kundenspezifisch in Projektteams und kümmern sich um die Bereiche
- Analyse & Entwicklung,
- Beratung & Management und/oder
- Onlinekommunikation von Medienprojekten.

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