Stetiger Kostendruck verschärft den Wettbewerb unter den Ärzten mit unabsehbaren Folgen

AUSGEREIZT!

(PresseBox) (Stuttgart, ) Die Kostenspirale im Gesundheitswesen spitzt sich weiter zu. Regelmäßig ist darüber zu lesen. Auch in sozialen Medien ist Gesundheit zum Thema geworden. So warb eine Zahnarztpraxis dort – da in den letzten Jahren die gesetzlichen Regelungen für Arztwerbung zunehmend gelockert werden – für kostengünstige Implantate. Der Wettbewerb ist also auch in der Ärztebranche angekommen. Er nimmt sogar zu, denn die Anzahl der Implantate geht tatsächlich zurück.

Früher brachte der Arztberuf, neben dem hohen Prestige – eine sehr achtbare Stellung in der Gesellschaft –, auch finanziell durchaus lukrative Perspektiven. Heutzutage sinkt beides drastisch, wie aus Schlagzeilen und Gesprächen mit Kunden bzw. Patienten zu entnehmen ist. Es wird besonders für Landärzte immer schwieriger, eine selbstständige Praxis zu unterhalten, die sich trägt. Besonders für Ärzte, die sich für eine eigene Praxis entscheiden, verschärft sich die Situation durch die kleinteiligen Abrechnungsmodalitäten der Krankenkassen zusätzlich.

Ärzte müssen besonders darauf achten, was sie verschreiben und wie sie ihre Leistungen gegenüber den Krankenkassen abrechnen. Grund ist das zur Verfügung stehende Budget, was auch den operativen Praxisbetrieb einbezieht. Häufig sind gerade Kranke, die gesetzlich und nicht privat krankenversichert sind, von sehr langen Wartezeiten, manchmal mehrere Monate, als Folge betroffen. Oft kommen bei Fachärzten noch Notfälle hinzu, was die Wartezeiten bei ihnen besonders lang werden lässt. Welche absurden Züge das annehmen kann, ist besonders in den gynäkologischen oder orthopädischen Bereichen zu sehen: Nicht selten wird einem auch bei einem akuten Bänderriss nahegelegt, doch erst in ein paar Tagen zu kommen, weil kurzfristig kein Termin mehr frei sei.

Um dem entgegenzuwirken kommt es teilweise sogar dazu, dass Ärzte im letzten Monatsdrittel die Praxen kurzerhand schließen. Sie bekommen nur eine bestimmte Anzahl von Behandlungen und Therapien pro Quartal vergütet. Ist dieses „Budget“ verbraucht, würden sie weitere Behandlungen im laufenden Quartal „kostenlos“ leisten. Dennoch, der Betrieb kostet, was in einem solchen Fall sogar den Gewinn schmälert. Da spezielle – und damit teure – Behandlungsmethoden allerdings auch bei den gesetzlichen Krankenkassen gut bezahlt werden, entscheiden sich in den letzten Jahren immer weniger Medizinstudenten dafür, Allgemeinärzte beziehungsweise Internisten zu werden und spezialisieren sich immer weiter.

Bei Ärzten, die „auf dem Land“ arbeiten und häufig Allgemeinmediziner sind, ist diese Abrechnungstechnik besonders fatal[1]. Gerade hier sind die Patienten oft älter und wohnen nicht in der Nähe der Praxis, wie es im urbanen Raum der Fall ist. Lange Anfahrten zu Hausbesuchen (deren Zeit pro Patient unter Umständen von der Kasse festgelegt wurde) sind keine Ausnahmen und führen zur Überschreitung des Zeitkontingents. Nicht selten kommt es vor, dass Therapien, die in den Augen des Arztes den Patienten heilen oder ihm zumindest helfen könnten, nicht verschrieben werden dürfen beziehungsweise können. Das Korsett dieser und ähnlicher Regelungen bei den Krankenkassen ist eng. Der demografische Wandel wird in den nächsten Jahren im ländlichen Raum die aufklaffende Schere weiter auseinanderziehen. Ist damit die ärztliche Versorgung in der Fläche ausgereizt? Bricht die medizinische Versorgung auf dem Lande unter diesen Belastungen und Voraussetzungen zusammen?

[1] http://www.welt.de/...

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