Herausforderungen für das E-Government in der alternden Gesellschaft

(PresseBox) (Münster, ) Spätestens seit der anhaltenden Diskussion über die Sicherheit der Renten ist der Begriff des „demografischen Wandels“ in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses geraten. Viele renommierte Tages- und Wochenzeitungen sprechen von kritischen demografischen Entwicklungen, während Bevölkerungsprognosen immer häufiger alarmierende Ergebnisse abliefern. Die meisten Länder Europas sind von einem Rückgang der Geburtenrate bei gleichzeitigem Anstieg der Lebenserwartung betroffen. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen Alterungsprozesse führen zu diversen Problemen sowohl auf Nutzerseite als auch in den Verwaltungen. Ein wesentliches Problem ist dabei die Ausweitung des "Digital Divide". Unter diesem Begriff wird die Spaltung der Gesellschaft in Nutzer und Nicht-Nutzer von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zusammengefasst. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Ältere häufig emotionale Vorbehalte gegenüber Computern und dem Internet haben und keinen Mehrwert in der Benutzung sehen. Weiterhin sind sie auch häufiger als andere Altersgruppen durch körperliche oder geistige Behinderungen in der Benutzung von elektronischen Services eingeschränkt.

Als Konsequenz dieser Entwicklung haben sich die EU Staaten einer gemeinsamen, auf E-Government ausgerichteten Modernisierungsstrategie verschrieben. Im Juni 2005 verabschiedete die EU die i2010 Initiative, deren E-Government Policies unter anderem auch auf die Entwicklung inklusiver Strategien ausgelegt sind. E-Inclusion bezeichnet in diesem Zusammenhang die Bemühung auch diesen beeinträchtigten Personen den Zugang zu den bereitgestellten Services zu ermöglichen. Laut der Deklaration von Riga dient E-Inclusion der Schließung von Lücken in der Nutzung von IKT um so u.a. Lebensqualität, gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt zu verbessern. Das am European Research Center for Information Systems (ERCIS) von der Volkswagen Stiftung gefördertes Projekt "Electronic Government in der alternden Gesellschaft" soll Kommunen helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Ein wesentlicher Fokus des Projektes liegt dabei auf der Identifikation von Best Practices für inklusives E-Government. Dabei wurden bereits viele interessante Projekte sowohl in Europa als auch in Amerika, Asien und Australien dokumentiert, die in die Erstellung von Strategien für kommunale Verwaltungen einfließen.

Eines dieser Projekte ist die 2001 in Edinburgh ins Leben gerufene Initiative ACE IT (Age Concerns Edinburgh - Information Technology), die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Technologieakzeptanz der älteren Bevölkerung zu steigern. Dabei wird in kleinen Gruppen von bis zu acht Senioren der Umgang mit Computern und dem Internet vermittelt. Die Senioren lernen für sie relevante elektronische Services wie E-Mail, E-Banking oder E-Government zu nutzen, und die neuen Technologien in ihren Tagesablauf zu integrieren. Häufig werden so ausgebildete Senioren im Anschluss selbst zu ehrenamtlichen Ausbildern. Dieses „Senioren-schulen-Senioren“ Konzept ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projektes, da es die Akzeptanz der vermittelten Inhalte erhöht und eine entspannte Lernatmosphäre schafft. Das in Zusammenhang mit ACE IT ebenfalls in Edinburgh gestartete „Moose in the Hoose“ Projekt geht noch einen Schritt weiter, indem es die Trainings in Zusammenarbeit mit Alten- und Pflegeheimen anbietet, um so auch die Zielgruppe der immobilen Senioren zu adressieren. Derartige Kooperationen finden sich auch in vielen anderen europäischen Städten. So kooperiert in Irland die Stadt Dublin ebenfalls mit Pflegeheimen, um dem Digital Divide zu begegnen, während die kleine Gemeinde Dundalk senioren-spezifische IKT Trainings auch über das Radio ausstrahlt.

Viele Städte sehen die Überalterung als wesentliches Aufgabengebiet für die Zukunft. Den meisten fehlt aber bislang ein strukturiertes Konzept für die Umsetzung entsprechender Maßnahmen. Um Lösungsansätze und Beispielszenarien für die Herausforderungen der alternden Gesellschaft vorzustellen, hat sich die Universität Münster entschieden, einen Schwerpunkt der diesjährigen MEMO Fachtagung (www.memo2010.de) diesem wichtigen Themenbereich zu widmen.

ERCIS - European Research Center for Information Systems der Universität Münster

Das European Research Center for Information Systems (ERCIS) ist ein Verbund von herausragenden Wissenschaftlern, die gemeinsam im Bereich der Anwendungssystementwicklung und Organisationsgestaltung forschen. Dabei werden erstmalig in der deutschen Forschungslandschaft in einem institutionellen Rahmen Kernkompetenzen der Wirtschaftsinformatik mit Fragestellungen der Informatik, der Betriebswirtschaft und mit Spezialaspekten des Rechts verknüpft. Dies schafft eine ganzheitliche Sicht auf die betriebliche Anwendungssystem- und Organisationsgestaltung.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat das ERCIS initiiert und auf Grund der qualitativ hochwertigen Forschung an die Wirtschaftsinformatik der Universität Münster vergeben. Die Ausnahmestellung der dortigen Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre wird u. a. durch die jährlichen Universitätsrankings bestätigt.

www.ercis.de

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