Gründerwoche Deutschland

Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, anlässlich der Eröffnungsveranstaltung Gründerwoche Deutschland

(PresseBox) (Berlin, ) Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Dr. Oesingmann.

sehr geehrter Herr Rycken, sehr geehrter Herr Dr. Wansleben, sehr geehrte Damen und Herren!

Gründer haben Träume.

Doch dabei belassen sie es nicht. Sie verwirklichen sie. Aus einer kleinen Geschäftsidee kann so ein großes Wirtschaftsimperium werden. So wie aus einem kleinen Samenkorn ein mächtiger Baum heranwachsen kann. So manche wirtschaftliche Erfolgsgeschichte hat einmal klein angefangen. Nehmen Sie zum Beispiel das Unternehmen Melitta mit seinem berühmten Kaffeefilter. Anfang des 20. Jahrhunderts ärgerte sich Melitta Bentz über den in den Heißgetränken zurückbleibenden Kaffeesatz. Die Dresdner Hausfrau experimentierte deshalb mit Löschblättern.

Und das mit Erfolg. Das Aroma ging in die Kanne. Der Kaffeesatz blieb im Löschpapier. 1908 meldete Melitta Bentz ihren Kaffeefilter beim Patentamt an. Noch im gleichen Jahr gründete sie ihre Firma. Heute - über 100 Jahre später - beschäftigt die Melitta-Gruppe international über 3000 Beschäftigte. Überall im Alltag bieten sich Chancen für Gründungen. Das zeigt auch dieses erfolgreiche Beispiel. Das gilt damals wie heute. Die Bandbreite möglicher Neugründungen ist riesig: Ein Steuerberater kann seine eigene Praxis einrichten. Eine Friseurin kann ihren eigenen Schönheitssalon eröffnen. Und ein Ingenieur kann sein eigenes High-Tech-Unternehmen gründen. So wie das Berliner Technologie-Unternehmen Ecointense. Markus Becker ist Gründer und Geschäftsführer dieses Start-ups. Er wird ihnen nachher seine erfolgreiche Gründungsgeschichte vorstellen. In diesem Jahr haben schon viele Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Die Gründungszahlen sind sogar etwas besser als im letzten Jahr. 2009 hatten wir 413.000 Gründungen. In diesem Jahr rechnen wir mit 425.000 Gründungen. Denn der kräftige Aufschwung bietet für Gründer gute Startbedingungen. Neue Aufträge können schneller akquiriert werden. Innovative Dienstleistungen werden stärker nachgefragt. Und ein Kundenstamm lässt sich leichter aufbauen. Viele interessante Geschäftsideen warten in den Schreibtischschubladen auf ihre Umsetzung. Aktuell sind die Chancen dafür besonders günstig. Und selbständig sein, der eigene Chef sein - das können in Deutschland noch viel mehr Menschen, als es bisher Realität ist. Mit unserer Gründerwoche wollen wir sie dazu ermutigen. Wir wollen eine neue Aufbruchstimmung erzeugen. Wir wollen Mut machen und Eigeninitiative wecken. In der nächsten Woche rücken über 1000 Veranstaltungen die unternehmerische Selbständigkeit in das Licht der Öffentlichkeit. In ganz Deutschland gibt es Angebote: Von der Existenzgründermesse in München über den Lehrerkongress in Köln bis zum IHK-Aktionstag in Lübeck.

Über 600 Partner machen das möglich. Darunter sind Kammern und Verbände, Wirtschaftsfördereinrichtungen, Gründungsinitiativen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen. Alle sind mit großem Engagement dabei. Dafür Ihnen Allen ein herzliches Dankeschön! Unsere Internetplattform bündelt alle Informationen über die Partner und Veranstaltungen.

Schauen Sie doch einfach mal vorbei. Unter www.gruenderwoche.de. Mit der Aktionswoche wollen wir vor allem die jungen Menschen ansprechen und für die Selbständigkeit begeistern. Sie sind die Unternehmerinnen und Unternehmer von morgen. Deshalb wollen wir ihre Talente wecken und fördern. Gründungsthemen müssen eine größere Rolle in der Schule und an den Universitäten spielen. Schon in jungen Jahren müssen wir das Interesse für eine selbständige Tätigkeit wecken.

Leider gibt es in den Schulen noch kein flächendeckendes Angebot. Hier muss noch mehr getan werden! Ein wichtiger Anknüpfungspunkt wäre ein eigenes Schulfach "Wirtschaft". Dafür müssen wir bei den Kultusministern der Länder noch stärker werben. Und ich meine: Theorie ist gut. Praxis ist noch besser. Wir haben daher zusätzliche Projekte an Schulen gestartet. Dabei geht es mehr als nur um theoretisches Gründungswissen. Die Projekte fördern Kreativität, verantwortliches Handeln und soziale Kompetenz.

Zum Beispiel unser Feriencamp für Existenzgründer. Schülerinnen und Schüler erhalten hier einen Crash-Kurs im Unternehmertum. In der ersten Woche besuchen sie verschiedene Unternehmen und lernen dort die Abläufe kennen. In der zweiten Woche sollen sie selbst eine Unternehmensidee entwickeln und ein Geschäftskonzept erstellen. Ein weiteres unserer Projekte richtet sich an die Lehrer. In einem Workshop werden ihnen ökonomische Kenntnisse vermittelt. Außerdem erhalten sie hier Ideen für die Unterrichtsgestaltung und Anregungen für Projekte mit den Schülern.

Denn je mehr konkrete Projekte die Schüler durchführen, desto besser wissen sie, was es heißt, selbständig zu sein. Das Interesse dafür ist bei Schülern, Lehrern und Professoren da.Das belegt unsere neue Studie "Unternehmergeist in die Schulen". Und das habe ich auch schon oft selbst erlebt. Zum Beispiel bei meinem Besuch in einer Berliner Schule im letzten Frühjahr. Ich war begeistert von dem großen Interesse der Jungendlichen am Unternehmerberuf. Und von ihrer Schülerfirma "Al Dente".

Die Schülerinnen und Schüler bewirtschaften mit diesem Unternehmen die Cafeteria ihrer Schule. Und heute unterstützen sie unseren Caterer bei der Bewirtung. Das zeigt: An den Schulen gibt es schon viele tolle Projekte. Auch an den Hochschulen besteht noch viel Potenzial. Wissenschaftler und Studenten erzielen interessante Forschungsergebnisse. Doch werden diese Ergebnisse noch zu selten in erfolgreiche Projekte umgesetzt. Wir müssen mehr tun, um die guten Ideen erfolgreich zu vermarkten. Die Hochschulen sollten selbst Wege für die Verwertung der Forschungsergebnisse aufzeigen.

Damit es heißt: Aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Aus dem Labor in den Markt. Mit dem EXIST-Programm unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie diese Prozesse. Wir wollen Schülerinnen und Schüler und Studentinnen und Studenten für den Unternehmerberuf begeistern. Doch das allein genügt nicht. Denn der demographische Wandel wird auch beim starken deutschen Mittelstand seine Spuren hinterlassen. In einzelnen Berufen, Branchen und Regionen zeigt sich schon heute ein Fachkräftemangel. Und das kann sich auch auf die Gründungsbereitschaft auswirken. Denn bei einer guten Arbeitsmarktlage entscheiden sich viele qualifizierte Kräfte lieber für eine vermeintlich sichere Karriere in einem Betrieb. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Wir müssen daher alle Potenziale ausschöpfen. Wir müssen zum Beispiel Frauen stärker in den Fokus nehmen. Wir haben uns dazu mit der bundesweiten Gründerinnenagentur zusammengetan. Gemeinsam ist ein spezielles Informationsangebot für Frauen entwickelt worden. Die demografische Entwicklung kann nicht nur Folgen für die Zahl der Neugründungen haben. Sie wirkt sich auch auf die Situation vieler bestehender Unternehmen aus. Der Mann oder die Frau an der Spitze werden älter. Doch nicht immer steht ein Nachfolger bereit. In den nächsten fünf Jahren suchen 110.000 Unternehmen eine neue Chefin oder einen neuen Chef. Traditionsreiche mittelständische Unternehmen drohen einfach so zu verschwinden. Das können wir uns nicht leisten. Deshalb wollen wir mit unserer Nachfolgeinitiative "nexxt" erleichternd helfen, den Übergabeprozess attraktiver und reibungsloser zu machen. Alter Firmenchef und potenzieller Nachfolger sollen schneller und einfacher zueinander finden. So sichern wir den Erhalt der Betriebe und so sichern wir den Erhalt der Arbeitsplätze. Und nicht zuletzt sichern wir wichtiges Know-how.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Gründerinnen und Gründer wollen auf eigenen Beinen stehen. Sie wollen Verantwortung für sich und andere übernehmen. Und sie wollen ihre eigenen Ideen umsetzen. Ein bisschen Starthilfe kann dabei den nötigen Wachstumsschub bringen. Mit der breiten Unterstützung von Ihnen, den Förderern und Partnern der Gründerwoche, kann das gelingen. Ich möchte Ihnen ganz herzlich danken für Ihr tatkräftiges Engagement. "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Das ist von Erich Kästner, nicht von mir. Es ist trotzdem richtig. Lassen Sie mich jetzt den Startschuss für eine spannende Woche geben.

Die Gründerwoche Deutschland ist eröffnet!

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