Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Oktober 2010

(PresseBox) (Berlin, ) Die Erholung der Wirtschaft setzt sich im zweiten Halbjahr 2010 fort. Das Aufholtempo ist erwartungsgemäß geringer als im ersten Halbjahr, in dem die deutsche Wirtschaft enorm vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitierte und die vorhandenen binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte zusätzliche Impulse erhielten. Der Aufschwung gewann damit erheblich an Breite und festigte sich. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte aber insbesondere in den Industriestaaten, die für den deutschen Außenhandel nach wie vor von zentraler Bedeutung sind, in den kommenden Quartalen ruhiger verlaufen. Dies wirkte sich bereits auf die deutschen Exporte aus. Sie bleiben aber auf Wachstumskurs.

Das Geschäftsklima in der Wirtschaft ist weiterhin positiv, wenn auch bezüglich der Einschätzung der Zukunft nochmals etwas weniger zuversichtlich als in den Vormonaten. Der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen dürfte dagegen vor allem darauf hindeuten, dass die Risiken für die konjunkturelle Entwicklung nach wie vor höher sind als gewöhnlich. Diese erwachsen insbesondere aus den weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie der Finanz- und Staatsschuldenkrise sowie erhöhten konjunkturellen Risiken in einigen Ländern. Auch bei einer sich abzeichnenden, etwas ruhigeren Gangart im zweiten Halbjahr dürfte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2010 insgesamt kräftig zulegen und bereits den größeren Teil der krisenbedingten Wachstumseinbußen aufholen. Die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute, die am 14. Oktober ihre Herbstprognose vorgelegt haben, rechnen für das Jahr 2010 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von preisbereinigt 3,5 % und von 2,0 % im kommenden Jahr[2].

Im Produzierenden Gewerbe wurde die Produktion nach einer ruhigen Entwicklung in den Vormonaten im August wieder spürbar ausgeweitet. Ausschlaggebend war der Anstieg der Industrieproduktion um preis- und saisonbereinigt[3] 1,8 %. Im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich erhöhte sie sich damit zuletzt um 2,8 %[4] und nimmt, wenn auch abgeschwächt, in der Tendenz weiter spürbar zu. Die Perspektiven für die Industrie bleiben positiv. Sie konnte im August 3,4 % mehr Auftragseingänge verbuchen und damit deren Rückgang im Vormonat mehr als wettmachen. Hierzu trugen umfangreiche Großaufträge im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus bei. Zwar schwächte sich auch bei den Auftragseingängen die Aufwärtstendenz ab, sie nahmen im Dreimonatsvergleich aber immer noch kräftig um 4,7 % zu. Dabei kamen die Nachfrageimpulse aus dem Ausland. Auch das Geschäftsklima der Unternehmen fällt weiterhin sehr positiv aus. Allerdings hellte sich das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe im September nicht weiter auf. Insgesamt dürfte die Industrie damit auch in den kommenden Monaten eine wichtige Stütze der konjunkturellen Entwicklung bleiben.

Im Bauhauptgewerbe zeichnet sich nach der ungewöhnlich starken Belebung im Frühjahr eine ruhigere Entwicklung ab. Die Erzeugung ging im August um 0,4 % zurück. Insgesamt kann die Bauproduktion damit aber das erhöhte Niveau des Frühjahrs halten. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe erhöhten sich im aktuellen Berichtsmonat Juli zwar kräftig um 5,0 %, allerdings nach einem viermonatigen Rückgang in Folge. Sie entwickeln sich derzeit ohne eindeutigen Trend. Rückläufigen öffentlichen Aufträgen stehen angesichts der günstigen Hypothekenzinsen und der allgemeinen wirtschaftlichen Belebungen zunehmende Aufträge sowohl aus dem privaten Wohnungsbau als auch gewerblichen Bau gegenüber. Insgesamt dürfte die Bauproduktion damit weiter leicht zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen.

Die privaten Konsumausgaben nehmen nach der spürbaren Belebung im zweiten Quartal weiter zu. Die Umsätze im Einzelhandel - ohne Handel mit Kfz - gingen im August zwar leicht zurück, erhöhten sich aber im Zweimonatsvergleich um

0,6 % und lagen über dem Niveau des zweiten Quartals. Zudem war bei den Neuzulassungen von privaten Kraftfahrzeugen zuletzt eine Belebung zu verzeichnen. Insgesamt schaffen die verbesserte Arbeitsmarktsituation, das ruhige Preisklima sowie die Entlastungsmaßnahmen bei den Einkommen der privaten Haushalte, die Anfang des Jahres in Kraft traten, Rahmenbedingungen, die deutlich für eine weitere Belebung der privaten Konsumausgaben sprechen.

Die Warenausfuhren sanken im August zum zweiten Mal in Folge um 0,4 % in jeweiligen Preisen gegenüber dem Vormonat. Der starke Aufwärtstrend des ersten Halbjahres schwächte sich erwartungsgemäß ab. Im Dreimonatsvergleich nahmen die Ausfuhren zuletzt aber immer noch um 5,8 % zu und blieben auch in der Tendenz aufwärts gerichtet. Parallel zu den Ausfuhren ging auch die Einfuhrdynamik zurück. Angesichts des anhaltenden, wenngleich sich etwas abschwächenden Wachstums der Weltwirtschaft dürften vom Außenhandel trotz des wieder stärkeren Euros insgesamt auch in den kommenden Monaten positive Impulse ausgehen.

Die Besserung am Arbeitsmarkt setzte sich - zuletzt beflügelt durch die einsetzende Herbstbelebung - verstärkt fort. Die Beschäftigung nahm im August saisonbereinigt weiter um 46.000 Erwerbstätige zu. Getragen wurde diese Entwicklung durch den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die sich im Vormonat Juli saisonbereinigt um 21.000 Personen erhöhte. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel im September saisonbereinigt mit 40.000 Personen wieder deutlich kräftiger aus als in den Sommermonaten. Insgesamt waren im September 3,031 Mio. Arbeitslose registriert und damit 315.000 weniger als vor einem Jahr. Die Indikatoren signalisieren eine stabile Nachfrage nach Arbeitskräften auf hohem Niveau, so dass sich die Besserungstendenzen auch in den kommenden Monaten fortsetzen dürften.

Das Preisklima ist insgesamt weiterhin recht ruhig. Zwar kam es auf den vorgelagerten Preisstufen, den Einfuhrpreisen und zuletzt vermehrt auch bei den Erzeugerpreisen, durch die Entwicklung bei einigen Rohstoffen zu stärker ausgeprägten Preissteigerungen. Auf der Verbraucherstufe schlug sich dies aber erst sehr begrenzt nieder. Die Verbraucherpreise stiegen saisonbereinigt von August auf September nur geringfügig um 0,1 % an. Binnen Jahresfrist erhöhten sie sich um 1,3 % und damit etwas stärker als in den Vormonaten. Die Kerninflationsrate verblieb im September bei 0,7 %.

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