Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Juni 2009 1

(PresseBox) (Berlin, ) Nach dem starken Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zu Beginn des Jahres mehren sich die Anzeichen für eine Stabilisierung. Zwar könnte die gesamtwirtschaftliche Leistung auch im zweiten Quartal 2009 nochmals nachlassen, der Rückgang dürfte aber deutlich schwächer ausfallen als zuvor. Zudem signalisieren einige vorlaufende Indikatoren, dass sich die Chancen für eine Bodenbildung im zweiten Halbjahr dieses Jahres verbessert haben. So hat sich die Situation an den Finanzmärkten partiell etwas entspannt. Die Abwärtsdynamik der Weltwirtschaft hat sich verlangsamt. Für einige Länder deuten Frühindikatoren sogar bereits wieder Besserungstendenzen an. Es ist davon auszugehen, dass die weltweit massiv stützende Geld- und Fiskalpolitik auch für die deutsche Wirtschaft zunehmend Wirkung zeigt.Die konjunkturellen Risiken sind aber nach wie vor ungewöhnlich hoch.Insbesondere die Belastungen auf dem Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Monaten weiter zunehmen.

Im ersten Quartal 2009 ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt2 beschleunigt um 3,8 % gesunken. Ausschlaggebend hierfür waren starke Bremseffekte der Außenwirtschaft mit einem negativen Wachstumsbeitrag von 2,2 Prozentpunkten sowie der Ausrüstungsinvestitionen von 1,3 Prozentpunkten. Die Bauinvestitionen und Vorratsveränderungen dämpften das Wachstum um 0,3 bzw. 0,5 Prozentpunkte. Die privaten Konsumausgaben stützen demgegenüber die Wirtschaftsentwicklung in einem Umfang von 0,3 Prozentpunkten. Hierzu dürften nicht zuletzt die PKW-Umweltprämie und die einkommenserhöhenden Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket beigetragen haben.

Der Abwärtstrend im Produzierenden Gewerbe setzt sich weiter fort, schwächt sich aber in der Tendenz ab. Zwar sind die Vorbelastungen noch hoch, die Chancen einer Stabilisierung haben aber zugenommen. Im April ging die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe wieder kräftiger um preis- und saisonbereinigt 1,9 % zurück, nach einem leichten Aufwuchs im März um 0,3 %. Maßgeblich für den Produktionsrückgang war die Industrieproduktion, die sich bei starkem Rückgang im Bereich der Investitionsgüter insgesamt um 2,9 % abschwächte. Im Dreimonatsvergleich3 nahm die Industrieproduktion zuletzt um 10,3 % ab. Gegenüber dem Vorjahr lag sie im Dreimonatszeitraum arbeitstäglich bereinigt um 22,9 % niedriger. Die Bauproduktion wurde demgegenüber im April weiter leicht um preis- und saisonbereinigt 0,5 % und in den letzten drei Monaten gegenüber dem Vorzeitraum um 2,6 % ausgeweitet. Ihren Vorjahresstand unterschritt sie im Dreimonatsvergleich arbeitstäglich bereinigt allerdings noch um 2,5 %.

Die Aussichten für die Industrie bleiben zwar durch die zuvor schwache Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen vorbelastet

(Dreimonatsvergleich: -7,7 %). Zuletzt gab es aber preis- und saisonbereinigt mit der Stagnation im April (+0,0 %) und dem zuvor kräftigen Anstieg des Ordervolumens im März um 3,7 % erste Stabilisierungstendenzen. Dies unterstreichen auch die Stimmungsindikatoren, die sich insbesondere aufgrund der Erwartungskomponente allmählich etwas aufhellen. Im Bauhauptgewerbe hat sich der Abwärtstrend der Auftragseingänge zuletzt abgeschwächt. Die in den Einzelmonaten teilweise stark schwankende Bestelltätigkeit legte im März preis- und saisonbereinigt deutlich zu (+2,6 %), gab im Dreimonatsvergleich mit -2,1 % aber noch nach. Das Geschäftsklima im Baugewerbe ist weiterhin stark eingetrübt.Die Aussichten für das Baugewerbe sind angesichts der zu erwartenden Impulse aus den Konjunkturpaketen aber eher günstig.

Der private Konsum wirkte im ersten Quartal stabilisierend. Die Impulse durch die PKW-Umweltprämie trugen hierzu maßgeblich bei. Das Niveau des Handels mit Kraftfahrzeugen - nach dem Umsatzsprung mit einem saisonbereinigten Anstieg um 11,0 % im ersten Quartal - konnte im April in etwa gehalten werden. Die Umsätze im übrigen Einzelhandel gingen im ersten Quartal preis- und saisonbereinigt um 0,8 % zurück und erholten sich im April nur leicht um 0,5 %. Dies spricht dafür, dass ein Teil der Ausgaben für Neuwagen zulasten anderer Verwendungszwecke geht. Die Maßnahmen der Konjunkturpakete werden dem privaten Konsum in den kommenden Monaten weitere Impulse geben. Die Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich dagegen zunehmend belastend auswirken. Die ifo-Geschäftserwartungen im Einzelhandel verharrten daher auch im Mai auf niedrigem Niveau.

Der Rückgang der Exporte setzte sich im April kräftig fort, dürfte sich aber absehbar verlangsamen. Die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen gingen wieder beschleunigt um saisonbereinigt 4,8 % zurück. Der Vorjahresstand wurde im Dreimonatsvergleich um 22,9 % (Ursprungswerte) unterschritten. Die nominalen Einfuhren nahmen zuletzt saisonbereinigt etwas stärker als die Ausfuhren um 5,8 % ab. Im Dreimonatsvergleich lagen sie gemäß Ursprungszahlen um 17,4 % unter ihrem Niveau vor einem Jahr. Die Perspektiven für den deutschen Außenhandel bleiben verhalten. Der Abschwung der Weltwirtschaft verliert aber an Dynamik und die Auslandsorders in der Industrie zeigen Anzeichen einer Stabilisierung.

Der Arbeitsmarkt steht weiter im Zeichen der Rezession. Der Rückgang der Beschäftigung setzte sich im April mit einer saisonbereinigten Abnahme um 60.000 Erwerbstätige im Inland kräftig fort. Mit 39,96 Mio. Erwerbstätigen lag die Beschäftigung um 150.000 Personen niedriger als vor einem Jahr. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit wurde demgegenüber im Mai angesichts einer verspäteten Frühjahrsbelebung sowie der Auswirkung der Neuausrichtung des arbeitsmarktpolitischen Instrumentariums vorübergehend unterbrochen. Saisonbereinigt erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Mai lediglich um 1.000 Personen. Mit 3,458 Mio. registrierten Arbeitslosen (Ursprungszahl) wurde der Vorjahresstand aber weiter um 175.000 Personen überschritten. Die Arbeitslosenquote verringerte sich jahreszeitlich bedingt auf 8,2 %. Dabei wird der Arbeitsmarkt durch die hohe Inanspruchnahme von Kurzarbeit (geschätzt 1,1 Mio. Personen im April und Mai) umgerechnet in Vollzeitäquivalenten mit rund 430.000 Personen massiv entlastet.

Das Preisklima in Deutschland ist weiterhin auf allen Preisstufen äußerst ruhig. Das Niveau der Verbraucherpreise blieb gegenüber dem Stand vor einem Jahr im Mai unverändert. Vor allem die Preise für Energieprodukte und für Nahrungsmittel waren günstiger als vor einem Jahr. Die Kernrate der Verbraucherpreise - ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel - verringerte sich im Mai auf +1,2 %. In den kommenden Monaten ist aufgrund von Basiseffekten mit einer tendenziell weiter abnehmenden und damit vorübergehend negativen Jahresrate der Verbraucherpreise zu rechnen.

Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Juli-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird in der 26. Woche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

1 In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 15. Juni 2009 vorlagen.
2 Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.
3 Zeitraum Februar/März/April gegenüber November/Dezember/Januar.

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