Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Juli 2009 (1)

(PresseBox) (Berlin, ) Nach den kräftigen Rückgängen des Bruttoinlandsprodukts im Winterhalbjahr zeigen sich vermehrt Anzeichen für eine Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere belebte sich die Bestelltätigkeit in der Industrie. Die Aussichten für die Industrieproduktion haben sich damit spürbar verbessert. Vieles spricht daher dafür, dass sich die gesamtwirtschaftliche Leistung im zweiten Quartal dieses Jahres stabilisiert haben könnte. Im Inland machen sich zunehmend die Impulse der Konjunkturpakete bemerkbar. Der private Konsum, der maßgeblich davon profitiert, dürfte weiterhin stützend wirken. Begünstigt wird die Konsumbereitschaft der Verbraucher durch das ruhige Preisklima und den bislang auch im europäischen Vergleich moderaten Abschwung am Arbeitsmarkt. Die Belastungen durch den Arbeitsmarkt dürften in den kommenden Monaten aber zunehmen. Die außenwirtschaftlichen Perspektiven scheinen sich weiter aufzuhellen. Die Anzeichen für eine allmähliche Stabilisierung der Weltwirtschaft sind gestiegen. So haben sich verschiedene vorlaufende internationale Konjunkturindikatoren teilweise bereits mehrere Monate in Folge verbessert. Bei der deutschen Industrie hat sich dies in einer deutlichen Belebung der Auslandsbestellungen niedergeschlagen. Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung bleibt jedoch abzuwarten. Ein wichtiger Einflussfaktor für den weiteren Konjunkturverlauf ist die Lage an den internationalen Finanzmärkten. Die Situation hat sich angesichts der anhaltend massiven Stützungsmaßnahmen zwar beruhigt. Viele Probleme bestehen aber weiter fort. Die konjunkturellen Risiken bleiben daher hoch.

Das Produzierende Gewerbe hat sich zuletzt stabilisiert. Die Gesamterzeugung nahm im Mai preis- und saisonbereinigt (2) um 3,7 % zu.
Während sich die Bauproduktion zuletzt um 3,2 % abschwächte, kam es in der Industrie zu einem ausgesprochen kräftigen Anstieg um 5,1 %. Die stärksten Beiträge lieferten hier die Hersteller von Investitions- und Vorleistungsgütern (+8,3 % bzw. +4,3 %). Diese Produzenten profitieren derzeit vor allem von den Impulsen der Pkw-Umweltprämie. Die Abwärtstendenz der Industrieerzeugung hat sich damit deutlich abgeschwächt, arbeitstäglich bereinigt wird der Vorjahresstand allerdings weiterhin kräftig unterschritten (Dreimonatsvergleich: -22,0 %).

Die Aussichten für die Industrie haben sich in den letzten Monaten spürbar verbessert. Die Auftragseingänge erhöhten sich im Mai kräftig um preis- und saisonbereinigt 4,4 % und verzeichneten damit den dritten Anstieg in Folge. Die Bestelltätigkeit nimmt damit auch in der Tendenz seit über einem Jahr erstmals wieder zu (Dreimonatsvergleich: +0,7 %), wobei ein kräftiges Auftragsplus im Bereich der "Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen" zu verzeichnen ist. Auch die weniger pessimistische Stimmung in der Wirtschaft spricht dafür, dass die Industrie den Boden erreicht hat. Im Bauhauptgewerbe bleibt die Bestelltätigkeit weiterhin stark schwankend. Bei einem zuletzt kräftigen Auftragsplus im März von preis- und saisonbereinigt 6,3 % gaben die Bestellungen im Dreimonatsvergleich leicht um 0,5 % nach. Die Klimaindikatoren sind weiterhin noch sehr verhalten. Der Bau dürfte aber stark von den konjunkturpolitischen Stützungsmaßnahmen profitieren, so dass die Aussichten als vergleichsweise günstig einzuschätzen sind.

Der private Konsum bleibt eine Stütze für die Wirtschaftsentwicklung.
Hierzu tragen neben dem ruhigen Preisklima auch die Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen bei, die die verfügbaren Einkommen erhöhen.
Allerdings sind die Einzelhandelsumsätze ohne KfZ im Mai weiter um saisonbereinigt 1,3 % zurückgegangen, weisen aber im Zweimonatsvergleich nach oben (+0,8 %). Die hohe Zahl der Pkw- Neuzulassungen zeigt, dass von der Pkw-Umweltprämie weiterhin große Kaufanreize ausgehen. Hiervon profitiert das Kleinwagensegment überdurchschnittlich stark, was sich zuletzt dämpfend auf die Gesamtumsätze ausgewirkt hat. Die Aufhellung der ifo- Geschäftserwartungen im Einzelhandel und des GfK-Konsumklimas lassen auf weitere Impulse hoffen. Die zu erwartende Verschlechterung der Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte im späteren Jahresverlauf allerdings den privaten Konsum zunehmend belasten.

Die Exporte in jeweiligen Preisen konnten sich zuletzt etwas erholen.
Saisonbereinigt war ein leichter Zuwachs um 0,3 % zu verzeichnen, die starke Abwärtstendenz besteht aber noch fort (Zweimonatsvergleich: -4,7 %). Die Vorjahresstände werden weiter kräftig unterschritten, im April/Mai um -26,8 % (Ursprungswerte). Die Einfuhren gingen zuletzt saisonbereinigt weiter spürbar um 2,1 % zurück und bleiben in der Tendenz ebenfalls kräftig abwärts gerichtet (Zweimonatsvergleich:
-6,8 %). Die Perspektiven für den deutschen Außenhandel haben sich allerdings verbessert. Die Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft mehren sich und nach dem kräftigen Anstieg der Auslandsbestellungen in der deutschen Industrie ist auch bei den Exporten wieder mit einer stabileren Entwicklung zu rechnen.

Die negativen Grundtendenzen am Arbeitsmarkt traten zuletzt wieder deutlicher hervor. Die Arbeitslosigkeit nahm im Juni um saisonbereinigt 31.000 Personen zu. Jahreszeitlich bedingt sank die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 48.000 auf 3,410 Mio. Personen. Das Vorjahresniveau wurde um 250.000 überschritten. Die Arbeitslosenquote betrug 8,1 %.
Entlastend wirkten weiterhin der Einsatz der Kurzarbeit sowie das rückläufige Arbeitskräfteangebot. Die Erwerbstätigkeit verringerte sich im Mai aufgrund der verspäteten Frühjahrsbelebung saisonbereinigt deutlich weniger stark (12.000 Personen) als im bisherigen Jahresverlauf.
Jahreszeitlich bedingt erhöhte sich die Beschäftigung im Inland gemäß
Ursprungszahlen um 137.000 auf 40,098 Mio. Personen. Gegenüber dem Vorjahr lag die Beschäftigung zuletzt um 163.000 Personen niedriger.

Die Preisentwicklung in Deutschland bleibt ruhig. Im Vormonatsvergleich erhöhte sich der Index der Verbraucherpreise infolge einer spürbaren Verteuerung von Heizöl und Kraftstoffen sowie gestiegener Preise für Nahrungs- und Genussmittel zwar zuletzt im Juni um 0,4 %. Die Kernrate der Verbraucherpreise - ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel - verzeichnete hingegen nur einen leichten Anstieg um 0,1 %. Auf Jahressicht erhöhten sich die Verbraucherpreise nur geringfügig um 0,1 %. Hier wirken sich weiterhin Basiseffekte infolge des starken Preisauftriebs bei Energie und Nahrungsmitteln im vergangenen Jahr aus. Konjunkturbedingt ist absehbar nicht mit einer Beschleunigung des Preisauftriebs zu rechnen.

Hinweis:

Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der August-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird Ende der 30. Woche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.

(1) In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 15. Juli 2009 vorlagen.
(2) Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.

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